Römische Elegie

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      Römische Elegie

      Liebe Mitheiden

      War mit meiner Familie in Einlösung eines Versprechens gegenüber meiner Frau in der ersten Februarwoche erstmalig in Rom. Wollte ein bisschen was loswerden dazu.

      Also ganz abgesehen davon, dass Rom eine Stadt ist, wo selbst ich, als eingefleischter Landbewohner, der wirklich nix mehr hasst als Großstädte, mich durchaus für die Woche wohlgefühlt habe, wo die Leute sehr freundlich sind (zumindest wenn man alles auf italienisch abwickelt), die Lasagna fatto a casa und die Pizzen hervorragend sind und trotz allen Dreckes und aller Löcher im Bürgersteig alles irgendwie charmant ist, ist Rom natürlich für einen kelto-germanischen Heiden ein extrem herausforderndes Pflaster.

      Meine Frau hat Jahre darauf gewartet, endlich mal dorthin zu kommen, und war, als Katholikin, wie auch als Kunsthistorikerin gleichsam im Schlaraffenland.
      Ganz unbenommen ist die Leistung der Geschichte. Die Kunstwerke von Michalelangelo, Bernini und Raffael. Das steht auf einem Blatt für sich.
      Doch steht dahinter natürlich eine lange Geschichte der Unterdrückung, der Machtausübung, der absoluten Alphadominanz eines verbrecherischen Apparates, der sich die ganze Stadt einverleibt hat.

      Der Machtrausch der Kirche ist in Rom dermaßen plastisch greifbar, dass man sich zeitweise wie in einem kafkaesken Traum fühlt.

      Das Forum und das Pantheon sind ja durchaus heidnisch, und beeindruckend, wobei das Colosseum , wie wir alle fanden, eher bedrückend rüberkommt.
      Dass die Römer in ihrer Blütezeit auch die anderen Religionen durchaus toleriert haben, und jeder glauben durfte, was er wollte, solange er auch den Staatsgöttern opferte und niemanden störte, ist zweifellos wahr, dass die Römer dennoch ungefragt alle Gebiete bis hinauf zur Donau unterwerfen mussten, unzählige in Gefangenschaft verschleppte keltische und germanische Stammesmitglieder in Rom versklavt oder im Colosseum getötet wurden, leider auch. Das ist die antike Seite, die sauer schmeckt.

      Noch schlimmer wird es dann mit der Machtergreifung der katholischen Kirche. Als Papst Julius II mit dern Geldern aus Ablasszahlungen und dem Gold aus Südamerika den (Neu)bau des Petersdom anstartet, regiert Machtmißbrauch, Postenschacher, und Gläubigenverarschung Rom. Der Petersdom ist auch tatsächlich "schrecklich" beeindruckend. Riesenhaft, nicht nach menschlichem Maß gebaut. Aber kalt, unpersönlich und einschüchternd. Der Platz davor ist aber von der Schwingung gut.

      Wir haben, auf Wunsch meiner Frau, deren Glauben ich absolut respektiere, sogar eine Generalaudienz beim Papst mitgemacht. (Das einzige Selfie unserer Reise zeigt mich mit Thorshammer um den Hals vor der päpstlichen Audienzbühne. :evil:) Nunja, Besuche Andersgläubiger sind ja durchaus in der Geschichte auch vorgekommen. Aber es war für mich schon eine recht bizarre Angelegenheit.

      Alles in allem war es aber, auch für die Kinder, interessant und recht bunt. Dennoch war der Anblick der Berge der verschneiten Obersteiermark, als ich am morgen der Heimfahrt aus dem Fenster unseres Nachtzuges sah, eine unglaublich Erleichterung für mich. So gehts mir allerdings immer, wenn wir mal in einer Großstadt "urlauben". Meine Seele atmet auf, wenn ich die Wälder wieder sehe.

      Es wäre im Detail ein recht langer Reisebereicht mit vielen Eindrücken und auch sehr vielen positiven Erlebnissen. Doch das spar ich euch und mir, mein Beitrag hier sollte eher ein Anregung sein, zu reflektieren über das eigene Empfinden an Orten, die einen als Heiden herausfordern, bzw. einen dazu bringen, Stellung zu beziehen, und andererseits eine gute Prüfung für die eigene pagane Toleranz beinhalten.

      Habt ihr dazu was anzumerken?
      Grüße Euer Waldstreicher
      Neither country proverbs nor king's commands can keep me out of the woods today. (Lili, Legend)