Warum Götterverehrung?

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

      Warum Götterverehrung?

      Hallo,

      um schnell zum Punkt zu
      kommen: Warum werden heute eigentlich wieder Götter verehrt, wenn
      die Geschichte eigentlich eher dafür spricht, dass dadurch die Welt
      nicht besser wurde, sondern immer mehr in Chaos und Zerstörung
      versank?

      Zuerst wäre da an den
      ökologischen Aspekt zu denken. Schon mit dem europäischen
      Neolithikum, in dem sich religiöse Praktiken nachweisen lassen, die
      später bei den Sumerern zu finden sind, wurde in das Ökosystem
      massiv eingegriffen und es kam zu erhöhtem Parasitenbefall,
      Hungersnöten, schlechterem Gesundheitszustand, gesellschaftlicher
      Stratifizierung, jedoch höherer Überlebensrate bei Kindern und
      Bevölkerungswachstum.

      Auch das errichten von
      Festungen, Kriegsführung und die Anfänge der globalen Wirtschaft,
      sind mit dieser Lebensweise verbunden.

      Im mittleren Osten wurde
      nachweislich seit der Bronzezeit, gezielt Land ökologisch
      unbrauchbar gemacht, um Feinde zu schwächen, Unkräuter absichtlich
      angesiedelt um Böden zu verderben und Palmenhaine niedergebrannt,
      Flüsse wurden in Kriegen umgeleitet, um Stadtmauern zu zerstören
      und andere Praktiken der Umweltzerstörung wie Safaris für reiche
      Könige und Fürsten.

      Wenn man sich also den
      Nutzen und die reale Auswirkung so einer Götterverehrung anschaut,
      fällt vor allem auf, das sie in erster Linie Erfolg bei weltlichen
      Dingen bringen soll und auch bringt.

      Ein ökologischer Aspekt
      scheint wohl auch vorhanden, insofern nur dieser, das die eigene
      Ernte gelingen soll und das eigene Vieh gesund bleibt und sich mehre.

      Es geht um den Beistand im
      Kriege, das man siege und der Feind zerschmettert wird, das Volk
      ruhig bleibt und zusammen hält.

      Auch wenn man sich dann
      mal die Entwicklung über die Jahrtausende anschaut, ist kaum
      irgendwo Nachhaltigkeit oder "Eins mit der Natur" oder gar
      eine auf die Ewigkeit ausgelegte Lebensweise oder angeblich
      „Göttliche Ordnung“ zu erkennen. Überall sind die selben,
      destruktiven Prozesse in Kraft getreten. Vielmehr scheint es sich bei
      diesen Götter, egal welche Version man denn nun bevorzuge, um eine
      Heerschar im Wahrsten sinne des Wortes zu handeln, einen Haufen
      mordlustiger Kriegstreiber und Huren. So auch die Geschichten über
      sie.

      Egal ob Ägypten, Babylon,
      Skandinavien, Frankreich, Rom, Indien oder sonst wo, es scheint, als
      ob die sog. von den Göttern bestimmten Herrschern in erster Linie
      ziemlich unliebsame Genossen waren, Leute die für das staatliche
      Gelingen nötig waren, die daran gemessen wurden, ob sie viele
      landwirtschaftliche Erträge brachten, Feinde in die Knie zwangen und
      sich durch Heldentaten einen Namen machten.

      Je komplexer die
      Gesellschaften und ihre Götter wurden, so ungleicher wurden sie
      auch. Es gab immer mehr Verbote und Restriktionen die nur bestimmte
      gesellschaftliche Schichten betrafen, mit der Entwicklung der Schrift
      dann auch Gesetzestexte, Schulden, Abgaben. Die Rituale wurden immer
      Prunkvoller und abgefahrener, manchmal wurden einem göttlich
      bestimmten Herrscher zig Leute und Sachgegenstände geopfert, riesige
      Gebäude gebaut oder Hügel aufgeschüttet.

      Clanstrukturen und
      Familien wurden immer mehr in der persönlichen Individualität
      aufgelöst, die Kontrolle über Sexualität viel den Herrschern
      selbst zu, die sich gewisse Sonderrechte sicherten.

      Diese hedonistischen
      Gesellschaften ließen sich natürlich auch nicht ohne Sklaven und
      Prostitution für die „göttliche“ Oberschicht aufrecht erhalten.

      Das Christentum stellt
      hier natürlich keine Ausnahme da, doch gibt es daran genügend
      Kritik, dass ich das hier wohl nicht auch noch ausführen muss oder?

      Wenn man sich Kulturen
      anschaut, die keinen Polytheismus hatten, sondern Schöpferahnen,
      Ahnenverehrung, oder regionale Animistische Glaubenssystem, fällt
      dort auf, das die Regeln und Restriktionen in der Gesellschaft für
      alle Gelten, jedoch abhängig von Geschlecht, Alter und einigen
      wenigen Indikatoren für Status, aber sonst kein Abweichungen von den
      Regeln bestehen. Es gibt harte Strafen (z.B. bei vielen australischen
      Stämmen). In den polytheistischen Hochkulturen hingegen, können
      Gesetze durch Abgaben oder Bußzahlungen gebrochen werden, sind auch
      stark von ökonomischen oder gesellschaftlichen Status abhängig.

      Animistische und gottlose
      Kulturen haben meist größere Hemmungen, Tabus zu brechen und haben
      deswegen ökonomisch, so wie militärisch kaum eine Chance, gegen
      theistische Hochkulturen zu bestehen, die nicht mehr ihre
      unmittelbare Umgebung als heilig betrachten, sondern Transzendente
      Götter, die Macht über die Welt und Leben haben (Und diese an
      menschliche Herrscher übertragen). Irgendwann werden sie von diesen
      Assimiliert oder ausgerottet. Aus sozialdarwinistischer Perspektive,
      können sie also nicht gegen sie bestehen.

      Nur ist es bemerkenswert,
      das diese Kulturen über 100.000 Jahre relativ friedlich lebten, weil
      sie wenig Bevölkerung hatten und wenig Ressourcen verschwendeten,
      nicht auf das Verteidigen von Territorien im großen Stil angewiesen
      waren. Ihre einzigen großen Feinde waren Naturkatastrophen und
      Tiere. Theistische Kulturen scheinen in erster Linie andere Menschen
      als Feinde zu haben, weil es immer Konkurrenzkampf gibt, auch darum,
      wer in der Gunst der Götter steht. War bei den verschiedenen
      christlichen Herrschern und Strömungen ja auch zu beobachten. Ob das
      nun ein Gott oder viele sind, ist wohl eher unwichtig.

      Warum verehrt man so etwas
      also? Was erhofft ihr euch Persönlich davon? Macht, Erfolg, Gegner
      ausschalten? Ich meine, für was war und ist das sonst alles da?
      Polytheismus kam ja erst auf, als sich die Lebensweise veränderte
      und war Teil des politischen Systems sog. Hochkulturen.

      Warum macht ihr das
      persönlich?
      An all diesen Entwicklungen war nicht die Religion schuld, sondern der aufrechte Gang. Denn wenn du da mal genauer guckst, wirst du feststellen, dass diese ganze Entwicklung mit dem Glauben an metaphysischen Mächte begann, als die Gattung Homo sich nicht mehr von Ast zu Ast schwang.

      Warum machst du das persönlich, aufrecht gehen? Was erhoffst du dir davon?
      Philosophie = Liebe zur Weisheit. Nicht: Ich gebe die mir gefälligen Bruchstücke der Erkenntnisse antiker Philosophen in eigenen Worten wieder. Sapere aude!
      Hallo Mischlingskind,

      Mischlingskind schrieb:

      Warum werden heute eigentlich wieder Götter verehrt, wenn
      die Geschichte eigentlich eher dafür spricht, dass dadurch die Welt
      nicht besser wurde, sondern immer mehr in Chaos und Zerstörung
      versank?

      Ich halte einen Zusammenhang zwischen der Verehrung von Gottheiten und einer "Welt, die in Chaos und Zerstörung versinkt" für ziemlich konstruiert.
      Es sind nicht die Götter, die dafür verantwortlich sind, sondern die MENSCHEN.
      WIR sind für unser Leben und für unser Treiben hier auf der Erde verantwortlich, und damit auch dafür, ob hier "Chaos und Zerstörung" herrscht oder nicht.
      Auch sind die GötterInnern nicht dafür verantwortlich, was MENSCH aus seinem religiösen Vorstellung heraus für (wahnwitzige) Ideen produziert (dabei beziehe ich auch ganz bewusst die abrahaminischen Religionen mit ein).
      Ich halte es für mehr als nur eine bequeme Denkweise, die "Schuld" einer "überirdischen"/"spirituellen"/"göttlichen" Macht zuweisen zu wollen, weil diese nämlich davon ablenkt, das WIR Menschen für unser Glück und Unglück vollkommen selbst verantwortlich sind.

      Und woher kommt denn diese gruslige Vorstellung, dass "damals" die Menschen ach so "Naturverbunden gewesen seien"? Das sind unhaltbare Thesen und verklärte Sichtweisen, die sich nur innerhalb der Eso-und Licht-und Liebe-Heiden-Szenen findet. Und falls Du solche Sichtweisen haben solltest, solltest Du vermutlich eher an DEINEM/N Bild/ern der Vergangenheit arbeiten. ;)

      Mischlingskind schrieb:

      Polytheismus kam ja erst auf, als sich die Lebensweise veränderte
      und war Teil des politischen Systems sog. Hochkulturen.

      Quod est demonstrandum ;)
      Wie kommst Du denn darauf, dass Polytheismus erst mit einer Veränderung der Lebensweise veränderte? Bitte ein paar Quellen dazu.
      Über die pähistorische Religion und Spiritualität wissen wir nämlich GAR NICHTS! Nada!
      Von demher ist diese Annahme ziemlich an den Haaren herbei gezogen.

      Mischlingskind schrieb:

      Was erhofft ihr euch Persönlich davon? Macht, Erfolg, Gegner ausschalten?

      "Erhoffen" ist das falsche Wort.
      Mit den Göttlichen, die mich begleiten, habe ich eine innige Verbindung und eine gewisse Art der "Beziehung" (jap, ist ganz und gar unverified personal Gnosis!).
      Meine Rituale oder "Gottesdienste" feier ich in erster Linie, um mich mit Ihnen zu verbinden, um die Schöpfung(skraft, die Sie repräsentieren) zu ehren.
      Und ja, sicher wende ich mich auch an Sie z.B. bei Krankheit, bei Hindernissen, die sich auftun können, um Beistand in verschiedenen Situationen.
      Warum, weil ich (Achtung! wieder UPG!) das Wirken "meiner" BegleiterInnen in meinem Leben erlebe, weil Sie mir in Träumen und/oder Visionen begegnen, weil ich Ihr Wispern im Rauschen eines Flusses oder dem Wind in den Blättern eines Baumes vernehme. Und weil Sie mir auch durch andere Menschen begegnen können.
      Jaaaa... Natürlich weiss ich, dass meine UPG´s auch als "Zufälle" oder sowas abgewiegelt werden können. Aber nu, es ist meine Wahrnehmung ;)

      Und was es mir "heut zu Tage" bringt, "meine" GötterInnen zu verehren?
      Kaum zu glauben, aber es erfüllt mich einfach, mit Liebe, mit Freude, mit Glück, Zufriedenheit, Ausgeglichenheit.
      Mit Dingen, die (mir!) weit mehr bedeuten, und wichtiger sind, als "Macht"&Co ;)

      LG
      Siat
      Von den Hohen erschaffen
      zu lernen, zu lehren, zu wachen
      Geboren in der Sterne Welten
      Wandern und wandeln sie
      Die Drachen
      ©Siat



      Forenregeln
      ANB´s
      Danke für deine
      Ausführliche Antwort.

      Soweit ich das verstehe,
      zählt für dich deine persönliche Beziehung zu den Göttern und
      Göttinnen, deine religiöse Praxis und die ganz spezielle
      Auswirkung/Wechselwirkung auf dich, also das du dadurch mit Freude,
      Liebe usw. erfüllt bist.

      Das ist für mich
      nachvollziehbar und erhellend, weil ich eigentlich von einem anderen
      gedanklichen Standpunkt an die Sache gegangen bin.

      Nämlich der, dass
      Religion eine gemeinschaftliche Auswirkung und Funktion hat, also
      weniger persönlich als kollektiv ist, ebenso die Auswirkungen der
      Religiösen Praxis und diese oft Teil eines politisch Systems ist und
      eine Gemeinschaftsordnung betonen soll.

      Es gibt Forschung zum
      Thema, wie Religionen sich entwickelt haben (könnten) und es ist,
      sofern man diesen Arbeiten Glauben schenkt, ersichtlich, dass eine
      Entwicklung zusammen mit der Veränderung der Lebensweise und dem
      Wertesystem stattgefunden hat.

      z.B. hier:
      link.springer.com/article/10.1007/s12110-016-9260-0

      Ich würde deine
      persönliche Art Religion zu praktizieren, jetzt ganz klar in die
      aktuelle Zeit stellen, da du ja nicht gezwungen bist an kollektiven
      religiösen Festen teilzunehmen, keinem Gottkönig oder Stammesführer
      huldigen musst, dein Überleben nicht vom gelingen von Ackerbau und
      Tiergeburten abhängt, nicht von der Güte deiner Vorfahren und ihrem
      Besitz, und du ein relativ selbstbestimmtes Leben führen kannst.
      Ebenso individualistisch ist auch dein Glaube (Korrigiere mich, wenn
      ich Unsinn erzähle!)

      Solche
      Individualisierungen lassen sich ja weltweit beobachten, dort wo
      westliche Werte und Wirtschaftsweise sich etablieren können und sie
      betreffen nicht nur Religionen abseits vom Mainstream, auch die
      evangelische Kirche(Persönliche Beziehung zu Gott) ist ein gutes
      Beispiel für so eine Entwicklung, oder die ganzen unabhängig
      praktizierenden Buddhisten. Auch im Esoterikbereich wird ja heute
      eher zusammengestellt, als einer spezifischen Idee gefolgt, alte
      Ideen zu neuen Kombiniert, oder völlig individualistische
      Perspektiven wie z.B. bei Gespräche mit Gott oder Gespräche mit
      Seth, vertreten.

      Also letztendlich
      Konzepte, in denen Götter nicht mehr existieren und auch nicht nötig
      seien, da die „Macht“ bei der individuellen Person und ihrer
      Einstellung zur Welt zu suchen und zu finden sei. Das persönliche
      Schicksal ist dann nicht mehr durch den Lauf der Welt und ihrer
      Akteure(z.B. Götter) festgelegt, sondern der Lauf der Welt gestaltet
      sich individuell aus den Fähigkeiten, der Wahrnehmung eines
      Individuums und seinen Entscheidungen.

      LG

      Das Foren-Ungeziefer ;)