Liebe Leute, wir sind auf eine andere Forensoftware umgezogen. Dieses Forum bleibt als Archiv erhalten, wir sind jetzt hier zu finden:
Das neue PanPagan-Forum
Die Accounts sind nicht mit umgezogen, deshalb müsst ihr euch neu anmelden
Ergebnis 1 bis 7 von 7

Thema: NeoplatonikerInnen hier?

  1. #1
    Rauchender Alchemisten-Käfer
    Registriert seit
    04.04.2013
    Alter
    30
    Beiträge
    238

    NeoplatonikerInnen hier?

    Hallo liebe PanPaganUser,


    in der Schulbildung bekommt man den Eindruck, die ersten Philosophen haben sich radkal von der Religion getrennt. Eine meiner Meinung nach von der Erleuchtung des 18. Jhs. geprägte Projektion. Durchaus haben die ersten Naturphilosophen andere Antworten auf die Fragen ihrer Umwelt gesucht, als die Mythen, lehnten deshalb Religion nicht ab. Auch Sokrates grüßte am Morgen seiner Hinrichtung noch den Sonnengott. Doch davon wollte ich gar nicht anfangen.

    Ich beschäftige mich gerne mit der Spätantike und der Konfrontation Heidentum-Christentum. Die Spätantike (und das (Früh)Mittelalter) sind für uns heutige Heiden ja wichtig, da viele von uns da anknüpfen zu versuchen, wo es aufgehört hat. Na jedenfalls ist da auch immer wieder die Rede vom Neoplatonismus. Kaiser Julian, der versuchte, das Heidentum wieder zur Staatsreligion zu machen, bezog sich neben der traditionellen Kulte und der Mysterienkulte ja eben auch auf dem Neoplatonismus, eine Philosophie, die, wie mir scheint, auch sehr viel mit Mystik zu tun hat.

    Auch ich will mich, eben weil ich Polytheist bin, mit Neoplatonismus und auch Gnostizismus beschäftigen. Zugang zur Fachliteratur habe ich. Ich wollte auch keinesfalls jetzt, dass einer der hiesigen User mir eine Zusammenfassung des Neoplatonismus liefert (willkommen ist's natürlich immer!). Ich hätte nur gern gewusst, ob es hier vielleicht Experten zu diesem Thema gibt, die ich bei eventuellen Fragen zu Rate ziehen könnte? Mein Wissen bezüglich dieses Themas beschränkt sich eben darauf, dass ich zu wissen meine, die Neoplatoniker haben eine Vorstellung eines übermächtigen, unbekannten Gottes. Neben diesem gibt es dann auch noch den Demiurg, den Schöpfergott der Welt, den sie oft mit Zeus identifizieren. Durch das Erlangen von Wissen, und hier bin ich mir nicht sicher, ob das nicht eine gnostische Lehre ist (ich muss mich halte damit auseinandersetzen!), durch das Erlangen von Wissen jedenfalls, soll man die materielle Welt hinter sich lassen können damit man nach dem Tode eins werden kann mit dem höchsten Gott oder der Weltenseele..

    Also falls es hier ExpertInnen oder Interessierte gibt: euer Rat ist mir sehr Willkommen!

    LG,
    Serapion
    [CENTER]~ [I]Ich könnte ein Reh verspeisen! Wem gehört das Reh auf der Wiese?[/I] ~[/CENTER]

  2. #2
    Panta rhei
    Registriert seit
    21.01.2007
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    527
    hmm.. leicht verwirrt bin* mit Neuplatonismus kann ich eher was anfangen, die Wortverwandtschaft ist verdächtig
    Du bist die Sternenschrift am Himmel dort, im Herzen hier die Liebeschrift bist du. Du bist die Ruh', die Unruh' bist du auch, das Gift und auch das Gegengift bist du. Du Ebb' und Flut, Windstill' und Sturm und Meer, Schiffbruch und Schiff, und der drin schifft, bist du.
    Was trifft der Sinn, und was ihn trifft, bist du. *Rumi

  3. #3
    Rauchender Alchemisten-Käfer
    Registriert seit
    04.04.2013
    Alter
    30
    Beiträge
    238
    Haha, dann wird das ein Fehler meinerseits sein! Ich kenne es vor allem als neoplatonisme(Niederländisch für 'Neo-' oder eben 'Neuplatonismus').
    [CENTER]~ [I]Ich könnte ein Reh verspeisen! Wem gehört das Reh auf der Wiese?[/I] ~[/CENTER]

  4. #4
    chaotischer stern
    Registriert seit
    22.01.2007
    Ort
    nähe hameln
    Alter
    33
    Beiträge
    90
    hallo serapion,
    ich würde mich jetzt nicht als neoplatonist (das wort wird auch im deutschen so verwendet) bezeichnen- aber ich ziehe durchaus inspirationen für meine spiritualität und magie aus dem neoplatonismus der spätantike. vor allem da ich stark mit hekate verbunden bin und sie im neoplatonismus eine wichtige göttin ist.

    was mich persönlich am neoplatonismus stört ist diese vorstellung das die materielle welt überwunden werden soll.

    der neoplatonismus hat ein system der theurgie hervorgebracht- theurgie ist eine form von magie die den theurgen die auf die verbindung zum göttlichen ausgerichtet ist- und auf die erlösung von der bindung an die materielle welt (und das erneute inkarnieren in diese). in der theurgie des neoplatonismus war hekate eine sehr wichtige göttin- da sie sich in allen drei welten manifestiert und selbst (in ihrer höchsten form) der übergang zum höchsten göttlichen ist. sie ist soteria (die erlöserin) die die seele des theurgen wieder in das erste göttliche feuer zurück führen kann.
    auf meinem blog habe ich einen artikel über hekates rolle in den chaldäischen orakeln (und diese wurden im neoplatonismus als heilige texte gesehen). Hekates Emanation- die Göttin der chaldäischen Orakel | Tempel der Hekate

    wenn du weitere informationen suchst empfehle ich dir folgende bücher:
    hekate soteira von sarah iles johnston (das buch handelt von hekates rolle im neoplatonismus)
    the goddess hecate von stephen ronan (gibt es auch als pdf- und hat ein sehr ausführliches kapitel über hekate im neoplatonismus)
    und auch von thomas lautwein- hekate die dunkle göttin (ebenfalls mit einem ausführlichen kapitel über hekates rolle im neoplatonismus).
    [B][I][COLOR="Indigo"]Helios Herrscher und heiliges Feuer, der Wegebeschützenden Hekate heiliger Speer, die ihn auf dem Olymp trägt und an den heiligen Wegkreuzungen der Erde weilt, bekränzt mit Eichenlaub und Geflecht und den Windungen wilder Schlangen- Sophokles[/COLOR][/I][/B]

  5. #5
    Rauchender Alchemisten-Käfer
    Registriert seit
    04.04.2013
    Alter
    30
    Beiträge
    238
    Hallo Dawnmedos!

    Danke für die Antwort und für die Literaturverweise. Von Hekates Rolle im Neoplatonismus hatte ich erst vor einiger Zeit in einem Werk Merkelbachs zum Mithraskult gelesen. Faszinierend! Hekate, bestehend aus der Dreifaltigkeit Athene-Artemis-Aphrodite.

    Anderswo hatte ich gelesen, dass auch Sallustius was zu den Göttern im Neuplatonismus geschrieben haben soll.

    Ich versteh, was du meinst. Auch ich fand und finde es schwierig, annehmen zu sollen, die materielle Welt sei schlecht. Aber erstens ist das ja kein Credo, und zweitens glaube ich, kann man das auch so sehen: die materielle Welt ist nicht schlecht im Sinne, dass sie "böse" ist, sondern nur dass sie eben verletzlich ist. Körper altern, werden krank und sterben... und das verursacht viel Trauer und Leid. Der Geist hingegen ist stärker und unverwüstlich (in neoplatonischen Sinne). Ich glaube, man kann das so sehen.

    LG,
    Serapion
    [CENTER]~ [I]Ich könnte ein Reh verspeisen! Wem gehört das Reh auf der Wiese?[/I] ~[/CENTER]

  6. #6
    Rauchender Alchemisten-Käfer
    Registriert seit
    04.04.2013
    Alter
    30
    Beiträge
    238
    Ich stelle es auch mal hier rein...

    Wikipedia genießt zwar den Ruf, dass man die dortige Info nicht kritiklos annehmen sollte, da jeder im Stande ist, da was zu posten, auch wenn die Moderatoren schon versuchen, die Info so richtig wie möglich darzustellen, Quellenmaterial aufgelistet wird und ich persönlich von einigen Dozenten der antwerpener Universität weiß, dass auch sie Wikipedia mit Beiträgen unterstützen. Daher poste ich mal kurz, was Wikipedia zu Sallustius neoplatonisches Werk über die Götter (und deren Rangordnung) zu sagen hat. Bitteschön:

    "In der Götterlehre stellt Salustios eine hierarchische Ordnung zwischen den verschiedenen Arten von Göttern auf. Das Unterscheidungsmerkmal sind ihre unterschiedlichen Funktionen bei der Erschaffung, Gestaltung und Bewahrung verschiedener Dinge. Das „Erschaffen“ ist nicht im Sinne einer Schöpfung aus dem Nichts oder Erzeugung zu einem bestimmten Zeitpunkt gemeint, sondern im Sinne einer zeitunabhängigen Ursächlichkeit. Salustios hält das physische Universum ebenso wie die geistige Welt für unentstanden und unzerstörbar. Die Götter teilt er in zwei Hauptarten auf: die überkosmischen (hyperkósmioi) und die innerkosmischen (enkósmioi).

    Die überkosmischen Götter sind in drei Rangklassen gegliedert. Der ersten Klasse gehören diejenigen an, welche die Wesenheiten oder Substanzen (ousíai) der (übrigen) Götter hervorbringen. Den zweiten Rang nehmen die Götter ein, welche den Intellekt (Nous) erschaffen. Zur dritten Rangklasse zählen die Götter, die für die Erschaffung der Seelen zuständig sind.

    Die innerkosmischen Götter sind die Schöpfer der sinnlich wahrnehmbaren Welt, in der die Menschen leben. Bei ihnen unterscheidet Salustios vier Arten. Jede Art umfasst drei Götter und hat eine besondere Aufgabe mit den drei Aspekten Anfang, Mitte und Ende, für die jeweils einer der drei Götter zuständig ist. Daraus ergibt sich, dass die Anzahl der innerkosmischen Götter zwölf beträgt. Dies entspricht der traditionellen, auch von Platon vertretenen Lehre von den zwölf „großen“ Göttern, wobei allerdings die in den Quellen überlieferten Listen teils verschiedene Namen nennen. Die erste Art bilden bei Salustios die drei Götter, welche die Existenz des Kosmos bewirken: Zeus, Poseidon und Hephaistos. Die Götter der zweiten Art, Demeter, Hera und Artemis, beseelen das Universum und verleihen ihm damit Leben. Zur dritten Art zählen diejenigen, welche für die harmonische Ordnung unter den verschiedenartigen Bestandteilen des Kosmos sorgen: Apollon, Aphrodite und Hermes. Die vierte Art besteht aus den Göttern, die den Kosmos bewachen und beschützen und seinen Fortbestand gewährleisten: Hestia, Athene und Ares.

    Die Zuordnung der Götter zu ihren Zuständigkeitsbereichen macht teilweise einen willkürlichen Eindruck. Salustios begründet seine Zuweisungen mit Eigenheiten der Götter, die auf deren Statuen kenntlich gemacht seien. Als Beispiel nennt er die Lyra, ein Attribut Apollons. Indem Apollon die Lyra stimmt, weist er auf seine Rolle bei der Gestaltung der harmonischen Weltordnung hin. Das Musikinstrument steht für musikalische Harmonie und symbolisiert so den kosmischen Einklang. Athenes Bewaffnung deutet ihre Aufgabe an, den Kosmos zu bewahren.[6]

    Die Götter, die nicht zur Zwölferordnung gehören, hält der Philosoph für bloße Erscheinungsformen der zwölf Götter seines Systems; er bestreitet ihre eigenständige Existenz. So macht er aus Dionysos eine Erscheinungsweise des Zeus und aus Asklepios eine Erscheinungsweise von dessen Vater Apollon.[7]

    Nachdrücklich wendet sich Salustios gegen die Meinung, die Götter seien Gemütsbewegungen wie Vergnügen oder Zorn unterworfen oder könnten durch das Verhalten der Menschen beeinflusst werden. Solche Wandelbarkeit sei ihrer unwürdig. Vielmehr verharrten sie ewig in vollkommener Güte; nie könnten sie jemand schaden. Die Behauptung, Gott wende sich von Übeltätern ab, vergleicht Salustios mit der Vorstellung, dass die Sonne sich vor denen verberge, die das Augenlicht verloren haben. Damit kritisiert der Philosoph – ohne sie zu nennen – die Christen, die an einen zürnenden Gott glauben und ihn zu besänftigen versuchen.[8] Für ein schweres Vergehen hält er die in der römischen Kaiserzeit übliche Vergöttlichung von Herrschern.[9]" Salustios (Neuplatoniker)

    LG,
    Serapion
    [CENTER]~ [I]Ich könnte ein Reh verspeisen! Wem gehört das Reh auf der Wiese?[/I] ~[/CENTER]

  7. #7
    Wiccander
    Registriert seit
    10.11.2013
    Ort
    nähe würzburg
    Alter
    52
    Beiträge
    134
    Eine solche Disskusion kümmert sich mehr um die Asche, als um die Erhaltung, Weitergabe des Feuers.

    lg. Sola

Ähnliche Themen

  1. Hier
    Von Jormungandr im Forum Jormungandrs Welt
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 24.01.2007, 19:43

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •