Mantra, Chant & Affirmation-Ein Versuch der Unterscheidung (Teil 3)

Nachdem ich das letzte Mal den Chant ein wenig näher beleuchtet habe, möchte ich mich in diesem Artikel der Affirmation zuwenden.

Affi…-Was?
Wortherkunft:
Das Wort stammt vom Lateinischen „affirmatio“, dass „Versicherung, Beteuerung“ bedeutet.
Verwendet wird dieser Begriff im Sinne einer „Bejahung“, „positive Wertung“, „Zustimmung“, „Bestärkung“, „Versicherung“ oder „Zuordnung“.

Den Begriff findet man in unterschiedlichen Bereichen wieder. Neben den spritiuellen, religiösen und esoterischen Breichen (worauf ich dann gleich zu sprechen kommen werde) findet man ihn z.B. auch in der Sprachwissenschaft, der Psychologie oder der Logik.

Affirmation in Religion, Spiritualität und Esoterik
Im Groben gesagt handelt es sich bei Affirmationen um bewusst ausgedrückte, positive (positiv formuilerte) Haltungen, die das System (d.h. den Menschen, seine Haltung, sein Handeln, seine Interaktion etc. pp. ) aus sich selbst heraus positv beeinflussen.
Mit Hilfe von Affirmationen, also positiven, sich selbst bejahenden Sätzen, die kontinuierlich ins Gedächtnis geholt werden,  wird versucht, die eigenen Gedanken umzuprogrammieren, um eine gewünschte Veränderung im Leben des „Anwenders“ herbei zu führen. „Positives Denken“ gehört z.B. ebenfalls in diese Kategorie der Affirmation.

Was eine Affirmation von Chant und Mantra unterscheidet ist, m.E. dass mit Affirmationen werden ganz konkrete Ziele verfolgt, werden, die darin bestehen, sich selbst, das eigene Verhalten und Denken (bewusst) zu verändern.
Affirmationen sind Werkzeuge, mit deren Hilfe wir unsere Denkmuster, und die mit ihnen verbundene Verhaltensmuster verändern können.
Denken, Fühlen und Handeln, diese drei bedingen sich und hängen wechselseitig voneinander ab. D.h. wenn ich mein Denken veränder(n kann), hat dies automatisch auch einen Einfluss auf mein Fühlen und Handeln.
Allerdings darf man sich dies auch nicht in der Form vorstellen, dass ich mir einen positiven Satz formuliere, den ein paar mal vor mich hinsage und *schnips* nächsten Monat ist das gewünschte Ergebnis da. U. U. kann dies eine unbestimmte Zeit in Anspruch nehmen.

 

Wie funktionieren Affirmationen überhaupt?
Der Schlüssel der Affirmationen liegt in der Wiederholung.
Unser Gehirn braucht eine gewisse Anzahl von Wiederholungen, damit es etwas lernt und sich in ihm einprägt (ich habe Zahlen gelesen von 2000 Wiederholunge aufwärts).
Im Prinzip ist das wie das Austreten eines neuen Pfades: Erst sind nur die Fußspuren im Gras vorhanden, dann wird ein Trampelpfad und schließlich ein Weg draus, und das Begehen des Pfades wird einfacher.

Durch das stete Wiederholen der Affirmation programmiert man sich also selbst und versucht so einen alten, limitierenden Glaubenssatz zu ersetzen.

Es gibt dazu verschiedene Möglichkeiten, die (individuell) verschieden gut funktionieren.
Die eine Möglichkeit ist, dass ich einfach ein anderes Verhaltensmuster haben möchte, und dementsprechend einen positiven Satz formuliere, den ich immer wieder wiederhole.
Die andere (etwas komplexere) Möglichkeit ist die, dass ich erst einmal bei mir nachforsche, was für ein Glaubenssatz-muster (es können auch mehrere sein!) mich überhaupt daran hindern, ein bestimmtes (gewünschtes) Verhalten an den Tag zu legen.
Dieser wird dann entsprechend positiv umformuliert und dann (wie oben) immer wieder wiederholt.

Allerdings gibt es bei der Formulierung und Entwicklung von Affirmationen (meiner Erfahrung nach) einige Dinge, die es sich lohnt zu beachten.

1. Vorsicht mit direkten Formulierungen
Wenn ich mich so umhöre, dann gibt es sehr viele Menschen, die der Ansicht sind, eine Affirmation müsse direkt und in der Gegenwartsform formuliert sein, damit sie auch wirksam ist.
Man müsse also sagen:

  • „Ich bin selbstbewusst.“
  • „Ich bin erfolgreich.“
  • „Ich bin liebenswert.“
  • „Ich bin schön.“

usw.

Die Wirksamkeit solcher Affirmationen hängt allerdings meiner Erfahrung nach davon ab, in wieweit ich fähig bin, meine inneren Zweifel zu überwinden.
Oder anders herum gesagt: Wird eine Formulierung wie z.B. „Ich bin schön.“ verwendet, kann diese bei vielen inneren Widerstand und Zweifel aufrufen, die die Wirkung der Affirmation verpuffen lassen können.
Gedanken wie:

  • „Ach, daran glaubst du doch selbst nicht!“
  • „Was soll den bloß der Quatsch?“
  • „Eigentlich mache ich mir doch eh nur ewas vor.“

Nähren dann mehr unsere Zweifel, und machen die Wirkung von Affirmationen ggf (fast) wirkungslos.

2. Verwendung von indirekter Formulierung
Aus obig genannten Grund kann es ggf. ratsam sein, die Affirmation indirekt zu formulieren und ein wenig zu „umschreiben“.
Statt: „Ich bin erfolgreich“ z.B. dann eine Formulierung zu wählen wie: „Ich erlaube mir meine Erfolge zu genießen“ oder „Ich werde jeden Tag mehr und mehr meine Erfolge erkennen.“

Für indirekte Formulierungen haben sich z.B. folgende Satzfragmente als hilfreich erwiesen:

  • „Ich kann mir erlauben…“/“Ich erlaube mir…“
  • „Ich genieße es…“
  • „Ich werde jeden Tag…“
  • „Ich darf…“/“Ich kann…“
  • „Es ist gut für mich… „
  • „… jeden Tag mehr und mehr…“
  • „… immer mehr (und mehr)…“
  • „Schon bald merke ich…“

3. Experimentieren und auf das eigene Gefühl hören
Trotz dieser obigen Empfehlungen ist es immer wichtig, auf sein eigenes Gefühl zu hören.
Jeder Mensch ist ein Individuum, und bei jedem Menschen funktionieren „(Neu) Programmierungen“ anders.
Ein „Patentrezept“ oder eine allein selig machende Wahrheit wären zwar schön, sind aber nicht existent.
Anderslautende Ansagen können getrost in die Tonne gekloppt werden. 😉
Es braucht manchmal etwas Zeit und Geduld, um die Affirmation zu finden, die „fluppt“, die anfängt, in unserem Inneren zu „schwingen“.
Das bedarf manchmal etwas Geduld.
Die Veränderung von Verhaltens- und Denkmustern ist ein Vorhaben, das viel Zeit in Anspruch nimmt und (entgegen mancher Erwartungen) nicht in einer „Nacht-und-Nebelaktion“ verändert werden können.
Es ist wichtig, dass man sich mit der gefundenen Formulierung identifizieren kann und wohlfühlt. Alles, was innere Widerstände hervorruft, ist eher als kontraproduktiv einzustufen bzw. als ein Hinweis zu betrachten, dass es eventuell noch Bereiche (also noch (ggf. verborgene) Glaubensmuster) gibt, die vorher gelöst und verändert werden müssen, damit der, den man grade bearbeiten möchte, erfolgreich gelöst werden kann.

4. Immer bei Dir selbst bleiben
Ein sehr weises Sprichwort sagt: „Du kannst andere nicht verändern, sondern nur Dich selbst.“
Affirmationen dienen letztlich nur dazu, die eigenen Gedanken zu beeinflussen. Daher bleiben Formulierungen wie:
„Mein Partner wird mich immer lieben.“
oder
„Die Nachbarin wird immer freundlicher zu mir sein.“
recht wenig, weil diese nicht in unserem Einflussbereich liegen.
Andere Menschen haben ihren eigenen Kopf und haben ihre eigenen Gedanken, die von von außen, also von uns nicht (oder nur sehr schlecht) beeinflusst werden können.
Sind Probleme mit anderen Menschen vorhanden, so ist der beste Weg, sich zu fragen: „Was hilft mir, mit der Situation besser umzugehen?“, „Wie kann ICH besser damit umgehen?“, „Was kann ICH (in dieser Situation) tun?“
Affirmationen, die aus solcher Auseinandersetzung erfolgen können, könnten z.B. sein:
„Ich komme jeden Tag besser mit meiner Nachbarin zurecht“
oder
„Ich liebe meinen Partner auf eine gesunde Art und Weise.“

 

Affirmation gefunden.-Was nun?
Um eine Affirmation einzusetzen, damit sie ihre Wirkung entfalten kann, gibt es ganz viele unterschiedliche Möglichkeiten.
Die wohl häufigste Arten, die mir bisher aufgefallen sind:

  • Singen
  • (in Gedanken) vor sich her sagen
  • immer wieder und wieder, per Hand oder am PC, nieder schreiben

Andere Möglichkeiten wären z.B.:

  • auf Zettel schreiben und diese dorthin kleben, wo man sie oft sehen kann,
  • Kollagen erstellen
  • den Bildschirmschoner damit füttern
  • auf ein T-Shirt drucken
  • aufnehmen, und sich diese Aufnahme immer wieder anhören
  • usw.

Der eigenen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Die Beschäftigung damit soll dazu dienen, dass man die Affirmation verinnerlicht und sie sich verselbstständigt. Dh. sich als neuer/s, positiver/s Glaubenssatz/-muster integriert.
Dabei macht es, wie oben gesagt, die stete Wiederholung.
Es dauert eben, bis sich neue Denkmuster gefestigt haben.
Und je nach „Thema“ und natürlich auch der Intensität der Aufmerksamkeit, die hinein gesteckt wird, kann sich der Zeitraum sehr unterschiedlich gestalten.

 

Fazit
Eine Affirmation dient also dazu, ganz konkret persönliche Denk-und Verhaltensmuster zu verändern.
Dies kann z.B. durch eine Zielformulierung geschehen „Ich bin erfolgreich!“/“Ich erlaube mir, meine Erfolge zu genießen.“ oder dadurch, dass ich einen bestehenden Glaubenssatz umformuliere, um dessen limitierende Wirkung in meinem Leben aufzulösen.
Affirmationen wirken auf in ganz realer Weise auf uns ein.
Und auch, wenn hier und da gewissen Leute in der Eso-/Heiden-Szene  das ganz gern annehmen und behaupten: Es wirken bei Affirmationen weder „mystische Kräfte“, noch „Gottheiten“, „Krafttiere“, „aufgestiegene Meister“, „Engel“ oder dergleichen.
Was wirkt sind dabei ganz allein wir. 😉

 

LG
Siat

 


 

Quellen und Leseempfehlungen:
Wikipedia-Affirmation
Über die Wirkung von Glaubenssätzen-Carsten Bruns
Die Arbeit mit Glaubenssätzen: Als Schlüssel zur seelischen Weiterentwicklung; Gorchowiak, Klaus & Haag, Susanne:

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