Neujahr in verschiedenen Religionen

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      Neujahr in verschiedenen Religionen

      Gerade fiel mir Meris Thread mit den Segenswünschen zum kemetischen Neujahr ins Auge - und das bringt mich auf eine interessante Frage.

      Mir war vorher gar nicht bewusst, dass die Sommersonnwende eine derartige Bedeutung in Kemet hat, weil es in Ägypten aufgrund der geografischen Lage ja gar nicht so grosse Schwankungen in der Tageslänge gibt wie in Nord- und Mitteleuropa.

      Mein Verständnis hinsichtlich der Bedeutung des Sonnenlaufs für eine bestimmte Kultur oder dazu gehörige “regionale“ Naturreligion ist, dass Feste die sich terminlich an Sonnenwenden oder Tagundnachtgleichen orientieren, besonders da vorkommen, wo die Sonne Lebensspender oder auch Gefahr für landwirtschaftliche Abläufe ist, und somit wesentlichen Einfluss auf das Überleben der Menschen dort hat.

      Für Ägypten hätte ich die zentrale Rolle dafür dem Nil und seinen Überschwemmungen zugeschrieben, weil es dort eigentlich nie so wenig Sonne gibt, dass nichts gedeihen könnte, und das Wasser eigentlich eher das ist, was nicht jederzeit in der für die Landwirtschaft sinnvollen Menge verfügbar ist.

      In Kemet ist also der höchste Sonnenstand und der längste Sonnentag der Tag an dem das Jahr anfängt. Ich verstehe allerdings noch nicht so ganz, warum. Das Verständnis von Anfang und Ende ist bei den Kemeten anscheinend ein anderes als bei den Kelten. Oder ich übersehe etwas bei den klimatischen Bedingungen in Ägypten.

      Im westlichen Kalender ist der 1.Januar Neujahr, was kurz nach der Wintersonnwende liegt, und wohl der Kombination aus solaren und lunarem Kalender, der aus einer Mischung keltischer, germanischer, christlicher Vorstellungen gemischt mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen von Astronomen und Mathematikern gebastelt wurde zuzuschreiben ist.

      Wicca und Hexen ebenso wie viele weitere nicht streng rekonstruktionistische europäische “Heiden“ sehen Samhain als Ihr Neujahr, also je nach Art der Festlegung entweder die Nacht 31.Oktober zu 1. November oder den 11. Neumond nach der Wintersonnwende des Vorjahres, was üblicherweise mal ein paar Tage vor, mal ein paar Tage nach der vorgenannten kalendarischen Festlegung liegt. Hierbei spielt zumindest bei den “Kelten“ auch der Bezug zum bäuerlichen Jahr eine Rolle - in der Natur ist jetzt die winterliche Ruhephase angesagt.

      Wie und warum legen eigentlich eure Religionen den Termin für Neujahr fest?
      Im antiken Griechenland, gab es zwar Kalender, aber diese waren vor allem dafür gedacht, innerhalb eines Jahres wichtige Tage zu benennen. Da wichtige Polis jeweils einen eigenen Kalender nutzten, gab es kein einheitliches Neujahrsfest.

      Ab 153 v. Chr. wurde in Rom am 1. Januar das Neujahrsfest begangen. Bereits am Tag zuvor, herrschte oftmals ein buntes Treiben in der Stadt. Am Neujahrstag wurde gefeiert und man machte sich kleine Geschenke, wie Feigen, Palmzweige, Datteln und Honig. Die Süßigkeiten sollten anzeigen, wie angenehm das kommende Jahr verlaufen sollte. Gutes Essen und viel Wein gehörten ebenfalls zum Fest.

      In der Kaiserzeit, wurden auch dem Kaiser gern Geschenke gemacht (wer denn an ihn herankam), und durfte auf noch größere Gegengaben hoffen. Zugleich wurden die Geschenke auch immer wertvoller (Öllampen, Geld, Spardosen etc.).

      Als die Saturnalien, die ursprünglich nur am 17. Dezember gefeiert wurden, durch kaiserliche Beschlüsse erst bis zum 23.12. dann bis zum 30.12. ausgeweitet wurden, bildete das Neujahrsfest einen rauschenden Abschluss. So wundert es nicht, dass auch an diesem Tag, wie während der Saturnalien, vor allem der Würfel rollte. Das Würfelspiel um Geld war in Rom außerhalb dieser Zeiten verboten. Zweifellos das Verbot, welches im antiken Rom am meisten missachtet wurde. :whistling:
      Die ganz Durchgeknallten sprangen zum Neujahrsfest in den eiskalten Tiber. Da konnte man nur viel Spaß wünschen. :thumbsup:
      Gnothi seauton ... und Du erkennst die Götter, und deinen Platz im Universum.
      Auch wenn die Griechen und wahrscheinlich auch viele andere frühere Religionen und Kulturen keinen einheitlichen Termin für Neujahr hatten - was mich interessiert, ist die Frage, aus welchem Verständnis heraus die Festlegung entstand, und ob / an welches astronomische, landwirtschaftliche, gesellschaftliche, religiöse Ereignis Neujahr gekoppelt wurde.

      Also sowas wie “Religion x feiert die Geburt ihres wichtigsten Gottes als Neujahr“

      Neujahr ist ja ein Neuanfang, und mich interessiert, woran dieser Neuanfang in verschiedenen Religionen festgemacht wurde.
      Sorry Eule, da war ich vom eigentlichen Thema etwas abgewichen.

      Bei den Girechen kan ich da im Moment wenig beitragen. Wie gesagt waren die Kalender sehr unterschiedlich und dienten nicht zur Jahreszählung. Wichtiger war den Griechen wohl der Vierjahresrhythmus der Olymischen Spiele.

      Bei den Römern wurde der Neujahrstag auf das Datum festgelegt, an dem die neuen Konsuln ins Amt eingeführt wurden.
      Gnothi seauton ... und Du erkennst die Götter, und deinen Platz im Universum.
      Ich denke nicht. Ich hatte bei meinen ersten Post auch Schwierigkeiten, das ganze prägnant in Worte zu fassen.

      Das ist mir erst klarer geworden, als ich an deiner Antwort erkannte, dass es missverständlich war, worauf ich raus wollte.

      Da ich von antiken griechischen Kalendern gar keine Ahnung habe, aber andererseits weiss, dass sie durchaus Astronomie und Landwirtschaft betrieben haben, nehme ich schon an, dass wichtige Punkte der Kalender vielleicht mit diesen Dingen zu tun hatten. Vielleicht auch mit Daten wie Stadtgründung, Geburtstag des Stadtgründers oder ähnlichem. Und dann vermutlich eben den Vierjahres Zyklus der Olympiade dazu als gemeinsamer Kalender für alle.

      Agnosco schrieb:

      Bei den Römern wurde der Neujahrstag auf das Datum festgelegt, an dem die neuen Konsuln ins Amt eingeführt wurden.


      Genau! Vor 153 v. C. war der 1. März das römische Neujahrsfest. An diesem Tag wurde den Göttern Mars und Juno geopfert. Jeder erster Tag des Monats war ein Festtag und hieß "Kalendae" (aus dem sich unser Wort Kalender abgeleitet hatte). Die Kalendae ianuarii wurden zu den wichtigsten Kalendae und hießen in der späten Kaiserzeit einfach nur noch "Kalendae". Diese wurden auch bei den Griechen gefeiert und kamen vom Balkan zu den Slawen (Koljada).

      Ich dachte, dass das Athener Neujahr im Sommer anfing, und zwar am ersten Neulicht nach der Sommersonnenwende. Genau also andersherum als bei den Römern (und bei uns), da im römischen Kalender das Jahr am ersten Monatstag nach der Wintersonnenwende anfängt (der Kalendae bezeichnete ursprünglich auch das Neulicht).

      Eule schrieb:

      Mein Verständnis hinsichtlich der Bedeutung des Sonnenlaufs für eine bestimmte Kultur oder dazu gehörige “regionale“ Naturreligion ist, dass Feste die sich terminlich an Sonnenwenden oder Tagundnachtgleichen orientieren, besonders da vorkommen, wo die Sonne Lebensspender oder auch Gefahr für landwirtschaftliche Abläufe ist, und somit wesentlichen Einfluss auf das Überleben der Menschen dort hat.


      Landwirtschaftliche Abläufe ist wohl der Knackpunkt. Völker, die keine Landwirtschaft betrieben, kamen gut mit einem Lunarkalender klar.
      "Learn and learn, ask and ask, do not be ashamed." — Paracelsus
      @Umo

      den Begriff Landwirtschaftliche Abläufe darf man in diesem Kontext meiner Meinung nach etwas weiter fassen. Auch wenn keine Felder bestellt werden wie es ein Landwirt in unserem Verständnis tut, sondern beispielsweise zu einer bestimmten Jahreszeit bestimmte Pflanzen (-teile) oder Früchte gesammelt werden, ohne dass man sie angebaut hat, oder wenn eine KuLtur Vogeleier oder Jungtiere einer bestimmten Art auf dem Speisezettel hat, oder die Tatsache dass eine bestimmte Tierart sich zur Paarung an bestimmten Orten versammelt (Wanderung von Lachsen z.B.) es ermöglicht diese besonders leicht zu erlegen, hat das etwas mit dem Sonnenlauf, den damit einhergehenden Temperatur Verhältnissen und der davon beeinflussten Vegetation zu tun.

      Auch Nomaden, die mit ihren Tieren ziehen, oder ausschliesslich sammelnde und jagende Völker, die jahreszeitlich ihrer Nahrung folgen, haben im weitesten Sinne landwirtschaftliche Abläufe, nach denen sie ihr Leben richten.

      Ich weiss nicht, ob es Kulturen und zugehörige Religionen gibt, die einen rein lunaren Kalender verwenden oder verwandten - solltest du ein Beispiel kennen, gerne her damit!

      Ich frage ja weil ich es nicht weiss, und mir bewusst ist, dass es andere Jahreszyklen geben kann und muss als die mir vertrauten. und weil ich neugierig bin, welche Erklärungen und Begründungen wann das Jahr anfängt oder endet es noch so in der Welt gab oder gibt.
      Der 1. März steht dann vielleicht mit Rom selbst als Stadt in Verbindung. Wenn ich es recht in Erinnerung habe, wird die Vaterschaft bei Romulus und Remus ja Mars zugeschrieben. Und Juno gilt als Schutzgöttin (ähnlich wie mittelalterlich-christliche Schutzheilige eine Stadt) Roms.
      Ja, er war der Vater der Stadtväter. Es wird angenommen, dass Mars ursprünglich das Numen ("göttliche Kraft") war, das mit der Fruchtbarkeit der Felder in Verbindung gebracht wurde. Nach dem Winter wurde diese Kraft aktiviert. Mars sollte die Felder vor allem schützen, was die Ernte misslingen lassen könnte (aus dieser Schutzfunktion entwickelte sich wohl der Kriegsaspekt). Am 1. März soll zudem sein Schild aus dem Himmel gefallen sein und ein besonderes Priesterkollegium, das sich aus zwölf Männern zusammensetzte, die Salier oder "Springer", führte am 1. und weiteren Tagen im März wilde Tänze und Sprünge zu Ehren des Mars auf.

      Die Göttin Juno wurde, genau wie Janus, irgendwie mit jedem ersten Tag des Monats verbunden. Am 1. März fanden ihr zu Ehren die Matronalien statt, ein Fest, an dem nur die Matronen (verheirateten Frauen) teilnahmen. Sie bekamen Geschenke von ihren Männern und brachten gemeinsam mit diesen, jede in ihrem jeweiligen Haus, der Juno ein Speiseopfer dar mit der Bitte, die Ehe zu beständigen.

      Ursprünglich gab es zwischen den Festlichkeiten für Mars und Juno keine Verbindung, doch als nachher die griechischen Mythen ins lateinische übersetzt wurden und Juno (Hera) die Mutter des Mars (Ares) wurde, haben die Menschen sicherlich einen Zusammenhang gesehen. Ursprünglich scheinen die römischen Götter allerdings keine Verwandtschaften gehabt zu haben beziehungsweise ist darüber wenig überliefert.