Wie haltet ihr es mit der Religion?

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      Wie haltet ihr es mit der Religion?

      Heute möchte ich etwas zu einem Thema schreiben, wozu ich bisher noch nichts im Forum gefunden habe. Daher habe ich auch einen neuen Thread eröffnet. Falls dies der falsche Bereich sein sollte, bitte ich hiermit um Vergebung und dann sollten die Admins den Thread in die richtige Ecke verschieben.
      Im Dezember vergangenen Jahres las ich in der Tageszeitung eine Anzeige, wonach der Bundesinnenminister zu einer Veranstaltung zum Thema »Wie hältst Du’s mit der Religion? Glauben als Kitt oder Keil unserer Gesellschaft?« einlädt. Damals stellte ich mir sofort die Frage, warum bei solchen Veranstaltungen immer nur dieselben Protagonisten am Tisch sitzen sollten, also Christen, Juden, Muslime? Warum nicht auch Gläubige von Religionen die in Deutschland nicht so weit verbreitet, aber existent sind. Warum sollten sich die Heiden verstecken und nicht mitreden?
      Also schrieb ich kurzentschlossen, und trotz des begrenzten Kontingents, eine Bewerbung und siehe da, als ich nun in mein Postfach sah, fand ich meine Einladung - freu.
      Natürlich gehen mir jetzt dazu, es ist nur noch eine Woche Zeit, tausend Gedanken durch den Kopf. Themen und Probleme gibt es genug und in einer globalisierten Welt, leben wir in Deutschland nicht auf der einsamen Insel der Glückseligkeit. In Deutschland tummeln sich Religionen aus aller Herren Länder und sie alle müssen miteinander auskommen.
      Auch wenn ich natürlich nur für meine Person sprechen kann, habt vielleicht auch ihr noch einige Anregungen zu diesem Themenkomplex.

      Was sind typische heidnische Positionen zu diesem Thema, worauf würdet ihr viel Wert legen, was ist euch wichtig?

      Tischdiskussionen wird es zu folgenden Inhalten geben:
      1. Mein Gott, Dein Gott, Kein Gott: Welche Erfahrungen mit Religion haben Sie im Alltag?

      2. Kitt oder Keil? Was bedeutet religiöse und Weltanschauliche Vielfalt für unser soziales Miteinander?

      3. Verstehen, Verständnis, Verständigung: Was brauchen wir, damit unser Zusammenleben in Vielfalt gelingt?

      Bin schon ganz gespannt auf euer Feedback.
      Gnothi seauton ... und Du erkennst die Götter, und deinen Platz im Universum.
      zu Punkt 3 fällt mir folgendes ein, wobei ich hierzu nicht "heidnisch" sein muß:

      Ich sehe meine Religion als nicht mehr und nicht weniger als es ist: MEINE Religion. Das heißt ich versuche sie nicht anderen aufzuzwingen, oder mich moralisch über andere zu stellen.
      Dazu letztendlich gehört auch, die die sich für überlegen halten und oft am lautesten Ihre Wahrheit kundtun in die Schranken zu weisen.


      Einerseits finde ich es gut, daß Du hier Energie investierst, andererseits fürchte ich daß nicht viel dabei herauskommt.
      Ich möche Dir auch empfehlen -falls organisatorisch möglich- Dir noch Beistand mitzunehmen, manchmal tauchen bei solchen Veranstaltungen rhetorisch geschulte Leute auf, die Einzelpersonen verbal platt machen.

      Ich wünsche Dir persönlich, daß Du auf der Veranstaltung auch gute Kontakte knüpfen kannst.
      Hallo Agnosco,

      Agnosco schrieb:

      typische heidnische Positionen


      ich befürchte, hier haben wir auch schon eines der vielen "Probleme" oder eher "Missverständnisse".
      "Typisch heidnische" Positionen wirst Du (zumindest hier) nicht finden.
      Meine Erfahrung nach ist es so, dass Du bei 10 Heiden mindestens 15 verschiedene Antworten dazu bekommst.
      Das Heidentum (TM) gibt es nicht. Und wer anderes behauptet, ist es nicht wert, das man ihm oder ihr zuhört! (MEINER Meinung)
      Ich sehe den Begriff "Heidentum" vielmehr als einen Sammel-, oder Überbegriff für eine Vielzahl von verschiedenen religiös-und spirituellen Pfaden, die sich sowohl auf (prä-)historische, vorchristliche Kulturen, Kulten und Religionen begründen können (wie z.B. Celtoi/CR und Druidentum, Hellenismus, Kemetismus, CDR (Cultus Deorum Romanorum), Schamanismus... Um nur ein paar zu nennen) stützen (können), die sich aber auch erst im Laufe der Jahrhunderte bis hin zu den letzten Jahr(zehnt)en entwickelt haben (wie z.B. Wicca, auch die ganze hermetischen Orden, die Göttinnenbewegung... ) .
      Das Heidentum ist unglaublich bunt und vielfältig. Auch in der jeweiligen Ausübung.
      Meines Erachtens kann man da nicht genug drauf hinweisen! :D

      Dh. Du kannst Dir hier vermutlich Anregungen holen, aber "typisch heidnisch" sind diese nicht ;) .
      Bitte dran denken.

      Ich versuche mal die Fragen aus meinem Blickwinkel heraus zu beantworten:

      Agnosco schrieb:

      1. Mein Gott, Dein Gott, Kein Gott: Welche Erfahrungen mit Religion haben Sie im Alltag?

      Sie sind sehr zwiespältig. Zum einen hat es leider noch immer den Effekt, wenn ich mich als Heidin "oute", das mir die Menschen mit einem gewissen Argwohn begegnen, bzw. mich belächeln nach dem Motto: "Ah, so eine Eso-Spinnerin", oder "Ah, jemand der Ungläubig ist/den Teufel verehrt/ bekehrt werden muss".
      Zum anderen ist es leider in Deutschland ja immer noch so, dass ich durch meinen Glauben zum Teil in meinem Arbeitsleben eingeschränkt fühle. Ich hätte nach meiner Ausbildung zur Physiotherapeutin einen Job in einem Krankenhaus bekommen können, wo´s mir sehr gut gefallen hat...
      Dumm nur, dass dafür die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche Voraussetzung gewesen ist. :rolleyes:
      Aber das ist wohl auch ein Punkt, damit haben ja nicht nur Heiden ein Problem, sondern auch andere Nicht-Christen.
      Mein persönliches Erleben ist z.B. auch, dass das Tragen von religösen Symbolen ja auch noch immer so ein Thema ist.
      Ich fand es z.B. sehr spannend (und gleichzeitig diskriminierend!), dass zwar das Kreuz bei der Arbeit zu tragen kein Problem ist, aber es Probleme damit geben kann, wenn Frau ein Kopftuch, ein Bindu auf der Stirn oder ein Pentagramm und den Hals trägt.
      Wenn das Tragen von religiösen Symbolen (während der Arbeit) verboten sein soll, dann bitte für ALLE und nicht nur für Menschen, die nach Gusto herausgepickt werden!

      Agnosco schrieb:

      2. Kitt oder Keil? Was bedeutet religiöse und Weltanschauliche Vielfalt für unser soziales Miteinander?

      Spannung (sowohl im positiven als auch im negativen Sinne), Verantwortung und Herausforderung (für alles Seiten).
      Ich bin ein absoluter Fan von von religiöser und weltanschaulicher Vielfalt, weil sie ebenso die Vielfältigkeit der menschlichen Natur, die Vielfältigkeit von (religöser, weltanschulicher, spiritueller) Inspiration und Kreativität, und die Mannigfaltigkeit der Erfahrungsmöglichkeiten des Göttlichen wiederspiegelt, wie die unglaubliche Vielfalt, in der wir Menschen das Göttliche erleben können und dürfen.
      Das bringt aber auch mit sich, das wir spirituell so erwachsen werden müssen, das wir eben nicht wie die Kleinkinder auf den anderen zeigen und schreien: "Mein/e Papa/Mama ist aber stärker als deine/r!", sondern lernen zu sagen: "Du hast zwar eine/n andere/n Papa/Mama als ich, aber ich respektiere Euch in Eurer Andersartigkeit." (Wobei es für mich durchaus eine Einschränkung gibt: Gewalt in egal welcher Form ist untolerierbar!)


      Agnosco schrieb:

      3. Verstehen, Verständnis, Verständigung: Was brauchen wir, damit unser Zusammenleben in Vielfalt gelingt?

      Verständnis für einander, und dafür, das wir, jede/r von uns selbst, seinen/ihren Weg zu gehen hat, und wir, jede/r für uns selbst, letztlich unserem Gewissen und unserem Gott/Göttin/Götter/Innen dienen müssen. Denn letztlich müssen wir alle allein die letzte Reise antreten, und uns allein dem stellen, was auch immer hinter den Schleiern auf uns wartet.

      Die Einsicht, das "unser Wissen nur Stückwerk" (wie es die Bibel so schön schreibt) ist, und wir alle nur einen kleine Teil dessen Begreifen und Erfahren können, was das Göttliche in Seiner/Ihrer unermesslichen Größe, Weisheit und Vielfalt "ausmacht" oder gar darstellt.

      Die Erkenntis, das WIR es sind, die das Göttliche mit unseren Vorstellungen, was Gott/Göttin ist oder nicht ist, was Er/Sie von uns erwartet (oder nicht) usw., einschränken. Das WIR es sind, die einen Keil zwischen uns als Menschheit treiben, weil wir meinen, das der Glaube, die Religion und die Weltanschuung des anderen "schlechter" und/oder "minderwertiger" ist, als die eigene.


      Bis hierher erst mal meine Gedanken dazu.

      Liebe Grüße
      Siat
      Von den Hohen erschaffen
      zu lernen, zu lehren, zu wachen
      Geboren in der Sterne Welten
      Wandern und wandeln sie
      Die Drachen
      ©Siat



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      ANB´s

      Agnosco schrieb:

      Damals stellte ich mir sofort die Frage, warum bei solchen Veranstaltungen immer nur dieselben Protagonisten am Tisch sitzen sollten, also Christen, Juden, Muslime? Warum nicht auch Gläubige von Religionen die in Deutschland nicht so weit verbreitet, aber existent sind.


      Vielleicht wegen dem Unterschied von "Religion" (meist von einer größeren Gemeinschaft angenommener, bestimmter, durch Lehre
      und Satzungen festgelegter Glaube, der in irgendeiner Form festgelegt durch Bekenntnis, Organisation, etc.)
      und "Glaube"/Gläubige?









      "Learn and learn, ask and ask, do not be ashamed." — Paracelsus
      Erst einmal vielen Dank für die bisherigen Rückmeldungen.

      @Isarkiesel:
      Deinen Ausführungen zum Umgang mit Religionen kann ich nur zustimmen.

      Natürlich kann es tatsächlich sein, dass rhetorisch geschulte Leute auftauchen. Doch deshalb werde ich der Veranstaltung nicht fern bleiben. Große Ergebnisse erwarte ich nicht, wie sollte es auch dazu kommen? Doch zumindest einen erhlichen Meinungsaustausch sollte es geben. Auch in dieser Frage gilt, dass miteinander zu reden immer noch die beste Art ist, Probleme zu vermeiden oder zu lösen.

      @Siat:
      Du hast natürlich recht, die typisch heidnische Position kann es bei der Vielfalt der Religionen gar nicht geben. Da habe ich mich ungeschickt ausgedrückt. Eigentlich wollte ich nur wissen, wie die verschiedenen Heiden über diese Themen denken.

      Deine Anmerkungen zum ersten Punkt zeigen, dass es auch in Deutschland Luft nach oben gibt, wenn es um religiöse Toleranz geht. Das alle Religionen gleichbehandelt werden sollten, sehe ich auch so.

      Unter zweitens und drittens beschreibst Du eine sehr schöne Vision. Wäre toll, wenn diese eines Tages Wirklichkeit wird.

      @Umo:
      Das ist ein schwieriges Thema. Wann ist Glaube (mit religiösem Inhalt) eine Religion? Wer legt fest, ab wann ein/e Glaube/Religion eine Religion oder doch nur als Glaube zu sehen ist? Auf diese Frage findet man bestimmt so viele Antworten, wie man Leute fragt.

      Warum vor allem die drei Buchreligionen immer am Tisch sitzen, liegt vielleicht auch daran, dass sich Gläubige anderer Religionen nicht zu Wort melden, und lieber im Hintergrund bleiben. Doch Religionsfreiheit, und religiöse Toleranz sind auch für die kleinen Religionen von Interesse. Wer sich nicht zu Wort meldet, wird am Ende auch nicht wahrgenommen. Daher würde ich mich sehr freuen, wenn bei der Veranstaltung die Teilnehmer und Religionen ganz bunt gemischt erscheinen. Dennoch hege ich natürlich keine überzogenen Erwartungen.

      @Solasard:
      Auch Dir vielen Dank, für das Feedback. (Ich hoffe, hier gibt es kein Anglizismenschwein.)Was Du geschrieben hast, könnte man sich als Motto einrahmen.
      Gnothi seauton ... und Du erkennst die Götter, und deinen Platz im Universum.

      Agnosco schrieb:


      Das ist ein schwieriges Thema. Wann ist Glaube (mit religiösem Inhalt) eine Religion? Wer legt fest, ab wann ein/e Glaube/Religion eine Religion oder doch nur als Glaube zu sehen ist? Auf diese Frage findet man bestimmt so viele Antworten, wie man Leute fragt.


      Das finde ich eigentlich nicht. Religion ist für mich klar ein organisiertes Konstrukt, dessen Vertreter einen bestimmten Kanon ausgearbeitet haben, zu dem sich alle bekennen, die sich diesem Glauben zugehörig fühlen.
      Glaube hingegen ist etwas persönliches. (Und Spiritualität sogar etwas selbst erfahrenes.)

      Agnosco schrieb:

      Warum vor allem die drei Buchreligionen immer am Tisch sitzen, liegt vielleicht auch daran, dass sich Gläubige anderer Religionen nicht zu Wort melden, und lieber im Hintergrund bleiben.


      Oder aber weil das Individualisten sind, die niemanden außer sich vertreten wollen. (Weil sie eben die Erfahrung gemacht haben, dass sie nicht für andere Heiden sprechen können, weil eben, wie Siat schon sagte: Vier Heiden, fünf Meinungen.)
      "Learn and learn, ask and ask, do not be ashamed." — Paracelsus