Wie haltet ihr es mit der Religion?

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      Das klingt sehr interessant, was du schreibst, artjulain.

      Bist du jemand, dessen Eltern und Großeltern schon in Oberschwaben lebten und der selbst sein Leben da verbracht hat?

      Nicht nur als jemand, dessen Ahnen aus unterschiedlichsten Teilen Deutschlands (teils Europa) stammen, und der in vielen Teilen Deutschlands und im Ausland gelebt hat, sondern auch als jemand, der sich intensiv mit der Geschichte von Landschaft und Menschen beschäftigt, tue ich mich besonders schwer mit einem "ewigen Kollektiv", da sich sowohl das Gesicht - und ich wage zu sagen auch der Geist - unserer Landschaften durch den menschlichen Einfluss über Generationen hinweg gewaltig gewandelt hat.

      In dem Eckchen namens "Oberschwaben" vielleicht nicht so gewaltig, vielleicht war da der Übergang von den keltischen Vindeliker über Raetiern hin zu katholischen Schwaben recht behäbig fließend und die Landschaftsnutzung blieb vielleicht auch weitgehend die selbe.

      Das kann man aber sonst von kaum einer Landschaft sagen.

      Da wo die Römer sich noch vor dem undurchdringlichen Wald gegruselt haben, waren einige Generationen später die Wälder faktisch nicht mehr vorhanden. Die offenen Heideflächen und Moore die es dann im frühen Mittelalter gab, waren Generationen später durch Moorbrand und Entwässerungen in Gründland verwandelt, das heute als landschaftsprägend gilt, wenn man z.B. mal durch Schleswig Holzstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen fährt.

      Schönes Beispiel ist das schottische Hochland. Da verbindet jeder gleich eine weite, dünnbesiedelte Heidelandschaft mit. Gibt's so aber erst seit 3 Jahrhunderten. Ist nix mit "ewig".
      Oder der Ruhrpott. Ende des 18. Jahrhunderts lebten da noch einige wenige hundert Bauern von der Landwirtschaft. Dann Pow!!! Bergbau, Verstädterung, Industrialisierung, Zuzug Zehntausender aus Polen, Ostpreußen und Oberschlesien. Nix mehr zu Erkennen von der einstigen rheinisch-bäuerlichen Besiedlung.

      Mit der Selbstidentifikation will ich gar nicht anfangen bei Landschaften, die Umwälzungen wie Völkerwanderungen, Reformation und Gegenreformation, den 30-jährigen Krieg, ständigen Herrschaftswechsel mit Gebietsschwund und -zuwachs, Auswanderungswellen nach Hungersnöten und Pest, die ganze Landstriche entvölkert haben, napoleonische Besatzung und Integration von Millionen Vertriebener aus den deutschen Ostgebieten nach dem II WK hinter sich haben. Viele regionale "Selbstverständnisse" Deutschlands sind erst in den letzten hundert Jahren entstanden. Das ist vielen Lokalpatrioten gar nicht bewusst.

      artjulain schrieb:

      Ich bin verbunden im ewigen Kollektiv einer landschaftlichen Hamingja, deren Heil von Menschen der Vergangenheit geschaffen wurde, und aus dem sich mein eigenes Heil erzeugt um darin wieder einzugehen - für die nächste Generation die sich im Geist dieser Landschaft bewegt.


      Ich glaube, da benutzt du den Begriff nicht so ganz richtig. Hamingja ist an eine Sippe gebunden, nicht an ein Land. Nur weil eine Sippe z.B. von Norwegen nach Island ausgewandert ist, hat sich bei der Landname ja nicht deren "Sippenglück" gewandelt.
      "Learn and learn, ask and ask, do not be ashamed." — Paracelsus

      fee schrieb:

      Dass uns Bescheidenheit als eine Tugend verkauft wird und Stolz als Anmassung per se ist auch auf dem Mist der Reichen und Mächtigen gewaxen...wär möglich...


      Das Gefühl des Stolzes wird und wurde von den Mächtigen im Gegenteil sogar gefördert und genutzt um die Mengen zu lenken.

      - Du bist das stolze Mitglied einer Kaste, dass seine Kinder nicht in eine niedere Kaste einheiraten lassen würde.

      - Du bist der stolze Christ, der das heilige Land nicht in den schmutzigen Händen der Heiden lassen wird!

      - Du bist nicht ein Mechaniker, nein, du verstehst dich als Angestellter Toshibas, dessen Ehre mit dem Ansehen der Firma steigt und fällt.

      - Du bist der stolze Spross der überlegenen weißen Rasse, der alles tun wird, damit Vertreter minderwertige Rassen ihm nicht die Butter vom Brot klauen.

      - Du ein stolzer Deutscher, der natürlich in der Wehrmacht dient und nicht etwa ein pazifistischer Vaterlandsverräter!

      Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Den Stolz der Massen zu lenken ist herrschaftsfestigend und profitfördernd. Schon immer gewesen.

      P.S.: Außerdem klappt das nur so mit dem "Teile und Herrsche", wenn der stolze Anhänger der einen Partei nie auf den Gedanken käme, den Vertreter der gegnerischen Partei zu wählen, selbst wenn der die besseren Argumente und Standpunkte vertritt.

      Oder Markentreue - natürlich bleibt man seiner Marke treu, da man ein stolzer Anhänger der vermeintlich überlegenen Auto-, Bier- oder Elektronikmarke ist und von dem Glanz deren Erfolge etwas auf einen abfärbt.
      "Learn and learn, ask and ask, do not be ashamed." — Paracelsus
      Und genau das ist dein Problem Umo

      Ob die Höfe meiner Stammfamilie sich bis ins 14. Jahr zurückverfolgen lassen, oder ein kleines Mädchen aus Kroatien vielleicht noch nicht mal hier geboren wurde, tut nichts zur Sache. Die Hamingja von der ICH spreche bezieht sich nicht auf seinen nordischen Bedeutungs-Ursprung, sondern setzt ihn für ein vollkommen neues Lebensgefühl - als Nachkommen einer ideellen Sippe der Landschaft um etwas zu beschreiben was sich so am besten beschreiben läßt.

      Er erhebt Neolithen - Bronzezeitler - Kelten - Römer - Sueben und Alamannen allesamt zu Ahnen des Menschen der sich in ihnen wiedererkennt - nicht mehr nichts weniger. Das nennt man "Narration" und unsere Narration ist stark landschaftsbezogen.

      Und wenn der Löwenmensch vor 40.000 Jahren vom "Urschwaben" erschaffen wurde, mag dir das in den Ohren klingeln, aber es ist Teil unsere Narration - und jetzt ?


      Und wenn wir uns den Neolithen vom Federsee als Nachkommen verwandt fühlen - was nun ?


      "Wir wollten Emotionen zeigen" sagen Gregor Adarczyn und Rogerio Brienza und huldigen IHREM Biberacher Schützenfest - als die "Oberschwaben" als die sie sich fühlen - und schon sind sie ein Teil dessen - jenseits aller Herkunft


      Und der alte Festchoral, wird der nur von den Alteingesessenen gesungen, und von den Zuwanderern ignoriert, da nicht Teil ihrer Geschichte ? - Wenn du genau hinhörst, klingt da durchaus ein harter deutschrussischer Akzent heraus - aber SIE sind das, als was sie sich fühlen.


      Ich bin auf deine persönliche Narration oder deine individuelle Verortung mit keinem Wort eingegangen, warum sollte ich ? - sie hat das Recht für sich zu stehen.

      Bei allem was ich von dir gelesen habe, machst du dagegen keinen Hehl daraus, daß du den jeweiligen Verortungen anderer gegenüber eher skeptisch gegenüber stehst - wer also sollte sich mit dir in einem Gemeinsamen wiederfinden das mehr birgt, als das was lediglich noch der Mensch dem Menschlichen hegt ? - nun gut Menschen sind wir ja alle.

      Was aber meine Kernaussage ist - Religion ist kein Problem des trennenden oder ausschließlichen mehr, sobald sich unter dem Bewußtsein eines höheren Gemeinsamen ihre Bedeutung privatisiert und gesellschaftlich relativiert - Laizismus benötigt stets eine höhere Idee als die der Religion, um zu bestehen. Und dann macht Religion auch wieder Spaß.

      Und das macht einen tief religiösen, "Revoluzer" dann auch schon mal zum Chef der Grünen, und als Chef der Grünen zum wertekonservativen Ministerpräsident von Baden-Württemberg, erst mit SPD dann mit CDU, und quer durch alle Bevölkerungsschichten zu einem der beliebtesten Männer im Land. Eben weil deine Vorstellung vom "Stolzen Parteianhänger" für uns flächendeckend obsolet sind. Und wir müssen darauf noch nicht mal stolz sein - des isch halt so.

      Und das ist der ganze Grund, warum ich euch hier mit Filmen bombardiere, man muss es sehen um es zu begreifen - eine verbindende Narration, in der kulturelle Herkunft und Religion "untergeht" - ist möglich.
      Tut mir leid, wenn du dich angegriffen fühlst von meinem Wunsch, zu verstehen, was du da vertrittst, Artjulain. (Denn anders kann ich mir deine Unterstellung, dass ich ein Problem hätte und deine Nachfragen nach "Und jetzt?", "Was nun"? nicht erklären.

      Ich habe verstanden, dass du einen Mythos erschaffen willst, bzw. meinst, dass der schon geschaffen und gelebt wird.
      So wie die Romantiker im Zeitalter der Kleinstaaaterei den Mythos von gemeinsamen Wurzeln und gemeinsamer Geschichte der Deutschen geschaffen und in die Vergangenheit projiziert haben, deutest du die Geschichte Oberschwabens als eine von der Urzeit bis heute reichende, machst das aber nicht wie die damals an einem politischen Konstrukt wie an einem Staat fest, sondern an einem bestimmten Stück Landschaft. Richtig?

      Was ich nicht verstanden habe, ist, als was genau du diese Landschaft siehst. (Wird das irgendwo in einem der Videos erklärt? Ich kann die nicht gucken, da ich gerade kein Gerät habe, dass die abspielen kann.)

      Einmal verstehe ich es nicht, weil du das Wort "Hamingja" nicht mit seiner altnordischen Bedeutung, sondern als Platzhalter für etwas völlig anderes verwendest.
      Zum anderen habe ich es nicht verstanden, weil ich meine, dass wir völlig andere Voraussetzungen und Erfahrungen haben, darum fragte ich danach, ob du da schon immer gewohnt hast und da auch deine Familie herkommt.

      artjulain schrieb:

      Ich bin auf deine persönliche Narration oder deine individuelle Verortung mit keinem Wort eingegangen, warum sollte ich ?


      Ich hatte sie als Erklärung gebracht, damit du nachvollziehen kannst, warum ich ein Problem habe, dass mit der Landschaft zu verstehen. Ich kann eine emotionale Beziehung zu einer Landschaft nachvollziehen, ich habe mich schon oft in einen bestimmten Ort oder ein Landesteil spontan "verliebt". Nur die Verbundenheit mit einem "ewigen Kollektiv einer landschaftlichen Hamingja, deren Heil von Menschen der Vergangenheit geschaffen wurde" kann ich mir allein darum nicht vorstellen, weil eben an einer Landschaft nichts Ewiges ist.
      Und das 'Heil' scheint mir eher in der "Narration" zu liegen und in die Landschaft projiziert zu werden.

      artjulain schrieb:

      Bei allem was ich von dir gelesen habe, machst du dagegen keinen Hehl daraus, daß du den jeweiligen Verortungen anderer gegenüber eher skeptisch gegenüber stehst - wer also sollte sich mit dir in einem Gemeinsamen wiederfinden das mehr birgt, als das was lediglich noch der Mensch dem Menschlichen hegt ? - nun gut Menschen sind wir ja alle.


      Ich verstehe deine Frage oder Aussage nicht. Ich hatte keine Absicht mich mit dir in der Gemeinschaft "Oberschwaben" oder sonst einer wiederzufinden. Ich will einfach nur verstehen, was du vertrittst, und haben erklären wollen, warum ich das, was ich meine verstanden zu haben, anders sehe als du.

      artjulain schrieb:

      Was aber meine Kernaussage ist - Religion ist kein Problem des trennenden oder ausschließlichen mehr, sobald sich unter dem Bewußtsein eines höheren Gemeinsamen ihre Bedeutung privatisiert und gesellschaftlich relativiert - Laizismus benötigt stets eine höhere Idee als die der Religion, um zu bestehen.


      Und dieses höhere Gemeinsame ist die Landschaft, wenn ich dich richtig verstanden habe. Genau da ist ja mein Verständnisproblem, als jemand, der nicht "ortsfest" ist, wie ich zu erklären versucht habe.
      Du ziehst keine politische Grenzen, sondern landschaftliche Grenzen. Du hast z.B. Oberschwaben als Gesamtheit definiert und nicht etwa das gesamte Alpenvorland als Heil der Gemeinschaft genommen. Warum?


      @ Fee: Mein eigentlich nicht überzeichneter, sondern konkret von Menschen so erfundener Stolz, war eine Entgegnung auf deine Vermutung, dass Reiche und Mächtige den Leuten diesen Stolz madig machen wollten. Das glaube ich eben nicht, da dieser Stolz sich als wunderbares Instrument erwiesen hat, Menschen zu manipulieren. Er wird also im Gegenteil von besagten Reichen und Mächtigen noch gefördert.
      "Learn and learn, ask and ask, do not be ashamed." — Paracelsus
      Ah ok,- nee auch sorum wird kein Schuh draus, Umo,- niemand kann mir meinen von anderen nicht nachvollziehbaren Stolz auf was auch immer madig machen ( nö will ja auch keiner), weil sich das was ich fühle einfach nicht in irgendwelche Regeln von aussen pressen lässt.
      (Das gilt doch für alle Menschen, dass sich Gefühle nicht nach Belieben ein und ausschalten lassen!)...wenn ich stolz bin, oder vllt noch besser, Freude daran finde, dass meine Ahnen lieber ihre Heimat verliessen als ihren Glauben aufzugeben ist das voll in Ordnung.

      Ich denke das ist der Unterschied zwischen diesem hochfahrenden Stolz, der keine Ursache hat und nur zur Abgrenzung, Ausgrenzung und zum Streit dient und diesem freudigen und glücklichen Stolz der so garnicht neidet und ausser sich freuen an den Leistungen, auch mal anderer Menschen, keine üblen Wurzeln hat.

      Ah und ich denke diesen arglosen Stolz meint auch Artulain, ein Stolz der Zusammengehörigkeit bedeutet,- über die tatsächlichen verwandsxhftlichen Beziehungen weit hinaus und auch was Herkunft angeht ist es vllt. wichtiger wo ich mich zu Hause fühle als wo ich zu Hause bin.

      Und ich wiederhole es nochmal gerne, Stolz wird zu oft als etwas dargestellt das nicht erstrebenswert sei. Darum ihr Untertanen schmeisst Euch auf die Knie und seid bescheiden verlangt wer ? ICH NICHT. Sondern das verlangte die Obrigkeit durch alle Zeiten...und gleich noch dazu eben die kirchliche Obrigkeit von vorn herein.

      Ich mutmasse sogar dass dazu der Monotheismus extra erfunden werden sollte um ne klare Linie ziehen zu können zwischen denen die dazu gehören und denen die gefälligst draussdn bleiben sollen.

      Ich denke, dass Reiche und Möchtige genau die Szenarien schaffen, die sie zum Machterhalt oder zur Bereicherung brauchen. Sollte Untertan weder an Rebellion noch am Stolz auf sich und auch nicht selbst erbrachte Leistungen hindern.

      Nuja bis dernext, fee
      *runtergekommene Meisterin*

      fee schrieb:

      Sondern das verlangte die Obrigkeit durch alle Zeiten...


      Hast du ein Beispiel außerhalb des judäo-christlichen Kontextes, wo die Obrigkeit die Abwesenheit von Stolz verlangte? (Ich schiebe schon mal vorweg, dass wir gerade von Stolz sprechen und nicht von Gehorsam...)

      fee schrieb:

      Ich mutmasse sogar dass dazu der Monotheismus extra erfunden werden sollte um ne klare Linie ziehen zu können zwischen denen die dazu gehören und denen die gefälligst draussdn bleiben sollen.


      Es gab vor dem Monotheismus kein "Wir-Gefühl" bei den Menschen, keine sozialen Gruppen, die sich über Religions­zugehörigkeit, Stammeszugehörigkeit, sozialen Stellung u.ä. von anderen abgrenzte?
      "Learn and learn, ask and ask, do not be ashamed." — Paracelsus

      Umo schrieb:

      fee schrieb:

      Sondern das verlangte die Obrigkeit durch alle Zeiten...


      Hast du ein Beispiel außerhalb des judäo-christlichen Kontextes, wo die Obrigkeit die Abwesenheit von Stolz verlangte? (Ich schiebe schon mal vorweg, dass wir gerade von Stolz sprechen und nicht von Gehorsam...)



      fee schrieb:

      Ich mutmasse sogar dass dazu der Monotheismus extra erfunden werden sollte um ne klare Linie ziehen zu können zwischen denen die dazu gehören und denen die gefälligst draussdn bleiben sollen.


      Es gab vor dem Monotheismus kein "Wir-Gefühl" bei den Menschen, keine sozialen Gruppen, die sich über Religions­zugehörigkeit, Stammeszugehörigkeit, sozialen Stellung u.ä. von anderen abgrenzte?


      Ad eins: nein.

      Ad zwei: ?..na klar genau so.

      lg
      *runtergekommene Meisterin*

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „fee“ ()

      @Umo
      Tut mir leid, wenn du dich angegriffen fühlst von meinem Wunsch, zu verstehen, was du da vertrittst, Artjulain.

      Schönen Guten Abend
      1. Das hier ist für mich eine wertfreie Diskussion, ich fühle mich also nicht angegriffen
      2. Du willst eigentlich nicht wirklich etwas verstehen. Bei dem meisten was ich bisher von dir gelesen habe dieser Wunsch nur ein vorgeschobener, um mit deinen rhetorischen Mitteln dabei unauffällig die Weltbilder andrer Leute zu hinterfragen, und bitte versteh das nicht als Unterstellung, seh es als Hilfestellung um dir vielleicht eine selbstkritische Begutachtung deiner Rhetorik zu ermöglichen.

      Ich gebe dir ein paar Beispiele

      Ich habe verstanden, dass du einen Mythos erschaffen willst, bzw. meinst, dass der schon geschaffen und gelebt wird.
      So wie die Romantiker im Zeitalter der Kleinstaaterei den Mythos von gemeinsamen Wurzeln und gemeinsamer Geschichte der Deutschen geschaffen und in die Vergangenheit projiziert haben ... Richtig ?

      Falsch - rhetorisch zwar sehr gekonnt, aber mit Verstehen hat dieses Satzkonstrukt ja auch nicht viel zu tun - nicht wahr ?

      Mit einem"ewigen Kollektiv einer landschaftlichen Hamingja, deren Heil von Menschen der Vergangenheit geschaffen wurde" kann ich mir allein darum nicht vorstellen, weil eben an einer Landschaft nichts Ewiges ist.

      Das muss heißen - weil meiner Meinung nach .. usw. -

      Und das 'Heil' scheint mir eher in der "Narration" zu liegen und in die Landschaft projiziert zu werden.

      Und das erscheint dir eben falsch, und daß ich das jetzt in einem Paganen Forum mit Rubriken für natives Schamanentum diskutieren müsste, ist das eigentliche Problem. Aber ich kann es abkürzen :
      Narration oder Landschaft = Henne oder Ei
      (Schafft die Landschaft den Mythos oder der Mythos die Landschaft - lass es, da haben sich schon andere Geister dran zerrieben).

      Und dieses höhere Gemeinsame ist die Landschaft, wenn ich dich richtig verstanden habe. Genau da ist ja mein Verständnisproblem, als jemand, der nicht "ortsfest" ist, wie ich zu erklären versucht habe.
      Du ziehst keine politische Grenzen, sondern landschaftliche Grenzen. Du hast z.B. Oberschwaben als Gesamtheit definiert und nicht etwa das gesamte Alpenvorland als Heil der Gemeinschaft genommen. Warum?

      Wie soll ich einem Menschen mit Laktoseintolleranz erklären wie lecker Milch schmeckt ?
      Welches Verständnis hättest du intellektuell für Menschen, die mindestens 1 x im Jahr ihre Zugehörigkeit zu einer Landschaft feiern, um daraus auch noch ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln, das jenes der Religion zu übersteigen vermag - wie haltet ihr es mit der Religion - war DAS nicht das Thema ? - Du weißt schon noch das dies das Thema war - irgendwann mal.

      Weil ICH diese Grenzen nicht ziehe - sie werden gezogen, und es obliegt nicht mir, sie neu zu ziehen - verstanden ? ;)

      Also - in diesem Sinne , wir müssen uns nicht ereifern , das war mein Beitrag zum Thema und er muss durchaus nicht weiter erörtert werden, und vor allem - man muss nicht alles verstehen.
      Also ich denke, dass sich auch in dieser Diskussion sehr gut nachvollziehen lässt, wo eines der Probleme im ›Heidentum‹ liegt.

      Da werfe ich das Wort Stolz in die Runde, in Bezug auf das Thema des Threads (Religion) und dann wird es erst einmal in alle Himmelsrichtungen auseinandergenommen. Als wie es hätte nicht jeder das Recht für sich zu entscheiden, worauf er stolz ist oder nicht. Das unterliegt nicht der Bewertung anderer und wer will darf darüber richten, wo es einen berechtigten Stolz gibt (mit Eigenleistung) oder nicht (dann eben ohne)? Beides kann positiv sein und negativ sein, wie das so eben ist, im Leben.

      An dieser Stelle erst einmal, ein dickes Danke an Fee, dass Du Dir deinen Stolz nicht nehmen lässt.

      Zur Erinnerung: Das Thema war ›Wie haltet ihr es mit der Religion?‹. Nachdem, was ich bisher beobachten konnte, stelle ich mir aber die Frage, wie sehr es hier eigentlich wirklich um Religion geht.

      Wir sind in einem paganen (heidnischen) Forum. Pagan (heidnisch) ist soweit i.O., wenn sich hier zugehöriger verschiedener Religionen treffen, die als heidnisch gelten. Das Wort Heide, wurde ursprünglich im negativen Sinne, für Religionen und deren gläubige genutzt, die außerhalb des Christentums standen. Ob nun jemand das Wort umdeutet ist dabei unerheblich, wenn die Erfinder dieser Bezeichnung es immer noch negativ nutzen. Ein Beispiel dafür ist, der hier bereits diskutierte Artikel ›Wenn die Natur zur Gottheit wird‹ aus der katholischen ›Tagespost‹.

      Sich nur und ganz allgemein als Heide zu bezeichnen, wird auch schnell als ein Verstecken hinter dem Oberbegriff wahrgenommen. Christen werden sich fragen, ja zu welcher Religion gehört er nun? Wieso bennt er sie nicht? Schämt er sich ihrer? Getraut er sich nicht, weil er ein ›Exot‹ ist?
      Wer sich zu einer Religion bekennt, sollte diese meiner Meinung nach auch klar benennen. Das sie pagan ist, wird dann automatisch gesehen. Das ist, auch eine Frage des (wertungsfreien) Stolzes.

      Mit dem Wort Heiden, wurden also Religionen angesprochen. Hier wird aber sehr viel über Individualismus geschrieben. Man will sein Eigending machen. Individualismus, wer es möchte, kann es gern machen. Aber sind reine Individualisten auch Heiden, im Sinne des Religionsverständnisses? Verbindet sich mit Religion nicht auch Gemeinschaft? Individualisten gibt es überall, in jeder Religion, denn jeder Mensch ist in gewisser Weis individuell. Gemeinschaft heißt auch nicht zwangsläufig unterordnen, aber einordnen. Wer das nicht möchte, bleibt ein reiner Individualist, meinetwegen mit paganen Tendenzen, aber ist dies dass neuen Heidentum, ist das eine Religion, eine Gemeinschaft? Dann kann doch gleich jeder seine eigene Religion machen, und sich zum Oberpriester erklären.

      Ich stimme auch Dir artjulain zu. Auch mir drängt sich bei manchem Beitrag, bei mancher Diskussion der Eindruck auf, dass es nicht um Inhalte zur Religion geht, sonder um die Lust auf kontrovers geführte rhetorische Debatten.
      Alles was in die Runde eingebracht wird, wird erst einmal kritisiert, infragegestellt, kleingeredet und ins negative Licht gezerrt. Aber wer hat schon Lust auf solche Diskussionen? Kein Wunder, dass hier so wenige Leute aktiv sind. Wer will sich so etwas schon ständig antun? Ich hatte ursprünglich gedacht, dass hier viel mehr los ist, doch die meisten User sind sehr passiv. Andere verlassen sogar verärgert das Forum.

      Wo ist die viel beschworene Toleranz der Heiden? Warum kann man nicht einfach nur zur Kenntnis nehmen, dass andere etwas anders sehen, als ich? Man kann ja gern Fragen stellen, aber wertungsfrei und nicht mit unterschwelliger Kritik oder Rechthaberei. Das hat auch etwas mit Respekt zu tun.

      Das Recht, des Weges zum Individualismus hat jeder, bitte schön. Aber man sollte nicht so tun, als findet man an dessen Rändern den Stein der Weisen. Schon der letzte heidnische Kaiser Ostroms hat dem eine Absage erteilt, als er die paganen Priester aufrief, sich mehr um die Menschen zu kümmern, auf sie zuzugehen. Das war der Vorteil der Christen, die damit die Menschen gewannen.
      Religion und Gemeinschaft gehören im positiven Sinne nach zusammen. Gerade weil der Kreis der Heiden (ich meine hier mal nicht die größeren Religionen aus Asien) so ein kleiner Kreis sind, werden sie ohne ordentliche Strukturen nicht weiter wahrgenommen. Was hilft eine Diskussion über den Artikel in der ›Tagespost‹ in diesem Forum? Nichts! Wird gar nicht bemerkt und eine echte Interessenvertretung findet nicht statt. Die Individualisten werden als Individuum auch nichts bewirken können.

      Wie halte ich es mit der Religion? Ich ordne mich nicht unter aber ein, und ich möchte auch die Interessen meiner Religion gut vertreten sehen. Das geht nur, wenn man auch einen gewissen Stolz entwickelt, denn wer sich nur kleinmacht, sich versteckt, wird auch nicht ernstgenommen.

      Zum Abschluss möchte ich gern die Diskussion in eine positive Richtung lenken. Immer wieder wird vor allem Trennendes betont. Wer sucht nach Gemeinsamkeiten? Ich schlage vor: Wir. Was findet ihr gut, wo seht ihr Gemeinsamkeiten, zwischen den verschiedenen heidnischen Religionen und Strömungen? Was verbindet die Heiden, bei aller Unterschiedlichkeit?

      Ich schlage aber einmal vor, um nicht völlig den Überblick zu verlieren, nicht unendlich in die Ferne zu streifen. Vielleicht sollten wir uns dazu erst einmal auf Kelten, auf die Germanen, auf die nordischen und antiken Religionen des Mittelmeerraumes konzentrieren. Aber vielleicht gibt es auch noch andere Vorschläge, ich bin gespannt.
      Gnothi seauton ... und Du erkennst die Götter, und deinen Platz im Universum.