Nach selbsternannten Obergoden spinnende Druiden...

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    Was ich bei dem Autoren vor allem gruselig finde, ist sein Umdeuten der Geschichte - bzw. sein einseitiges interpretieren von historischen Fakten, die so dargestellt werden, dass die Organisation Kirche von jeder Schuld befreit wird.

    Mir sind fast diejenigen lieber, die historische Ereignisse (Kreuzzüge, Holocaust, etc.) gänzlich leugnen, da bei denen leichter erkennbar ist, welches Geistes Kind die sind, als solche Leute, die zwar zugeben, dass etwas stattgefunden hat, aber ihre Gruppe (staatliche, ethische, verwaltungstechnische, ect.) in Bezug auf das Geschehen von jeder Schuld freisprechen.

    O-Ton des Autoren: Papst Urban II. war davon überrascht, dass die Kreuzfahrer "Deus lo vult" skandierten.

    Echt, ey, na so was! Da predigt man ihnen vom gerechten Krieg und ruft dazu auf, mit Waffengewalt das Heilige Land zu befreien und argumentiert mit "Wenn euch aber die Liebe zu Kindern, Verwandten oder Frauen abhält, dann macht euch klar, was der Herr im Evangelium sagt: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und jeder, der um meines Namen willen Haus, Vater, Mutter, Frau, Kinder oder Äcker verlässt, der wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen." und fordert sie auf, sich auf den Weg zum Heiligen Grab zu machen um "jenes Land dem gottverdammten Volk zu entreißen und in Besitz zu nehmen." und dann ist der Papst ÜBERRASCHT, dass die Zuhörer glaubten, dass das Gottes Wille ist! So was aber auch, tz tz tz... 8| (*)

    Oder die Hexenverfolgung: Klar war das juristisch gesehen eine von staatlichen Organen ausgeführte Verfolgung und in seltensten Fällen eine von kirchlichen Gerichtbarkeiten ausgeführte oder letztendlich umgesetzte. Aber wer bitte hat vorher den geistigen Brandstifter gespielt und all die nötige Vorarbeit geleistet, (Stichworte: Misogynie und dämonologisches Weltbild) die nötig war, damit weltliche Gerichte die Rechtfertigung und Legitimation hatte, Menschen um ihres Seelenheils willens zu foltern und zu töten?

    Was ich eigentlich sagen wollte: Ich kann es gerade noch nachvollziehen, wenn Leute sich ein(en) Gott(esbild) erschaffen, dem sie Unfehlbarkeit zusprechen. Aber eine Organisation fehlbarer Menschen auf Kosten der Wahrheit von jeder Fehlbarkeit loszusprechen, das ist echt gruselig.

    Na gut, ich habe aber auch schon als Kind, lange vor jeder Auseinandersetzung mit Kirchengeschichte nie verstanden, was denn in der Aufzählung im Gottbekenntnis gleichgestellt mit dem Glauben an Gott und an theologischen Inhalt wie die Vergebung der Sünden und der Auferstehung auch der Glaube an die heilige katholische Kirche, zu suchen hat. (Egal ob man nun unter der Bezeichnung die Gemeinschaft der Gläubigen verstand oder aber die Kirche als organisierte und verwaltete Institution der entsprechenden Glaubensgemeinschaft.)


    (*) Wenn man den Gedankengang mal weiterspinnt, "Deus lo vult" also ein Missverständnis der Zuhörer war, wie hat es denn dann folgerichtig tatsächlich heißen müssen? "Urban (aka Ecclesia) lo vult", doch wohl, oder?
    "Learn and learn, ask and ask, do not be ashamed." — Paracelsus

    Umo schrieb:

    Wenn man den Gedankengang mal weiterspinnt, "Deus lo vult" also ein Missverständnis der Zuhörer war, wie hat es denn dann folgerichtig tatsächlich heißen müssen? "Urban (aka Ecclesia) lo vult", doch wohl, oder?


    Der ist echt gut. :thumbsup:

    Mir gefällt es trotzdem immer noch nicht, dass in einer katholische Tageszeitung einfach mal so der Versuch unternommen wird, die eigene Geschichte zu bagatellisieren, statt Verantwortung zu übernehmen. Es gibt eben auch unter Katholiken Leute, die aus der Geschichte nichts gelernt haben oder nichts lernen wollen.
    Gnothi seauton ... und Du erkennst die Götter, und deinen Platz im Universum.

    Agnosco schrieb:

    Es gibt eben auch unter Katholiken Leute, die aus der Geschichte nichts gelernt haben oder nichts lernen wollen.


    Es gibt vor allem die gigantische Masse derjenigen, die die Geschichte gar nicht kennen. :/

    Das sehe ich als das größte Problem. Die Leute, deren religiöse Erziehung mit der Erstkommunion/Konfirmation (oder meinetwegen auch Firmung) abgeschlossen war, stellen wohl einen Großteil der Gläubigen. (Ist in anderen großen Religionen wohl ähnlich.)
    Und was erzählt man denen da beim Unterricht? Die weichgespülte Kinderbibelversion, in der all die gruseligen, dunklen Seiten der Bibel, weggelassen werden, da man das den zarten Kinderseelen ja nicht zumuten kann. In den Kirchenräumen, in denen der Unterricht stattfindet, hängen dann Portraits von Leuten wie Maximilian Kolbe und deren Geschichte wird erzählt. Von Leuten wie Alois Hudal erfährt man da nichts. Man glaubt also, Leute wie Kolbe waren exemplarisch für die Haltung der Kirche in der NS-Zeit.

    Diese Menschen, die nie mit kontroversen Standpunkten konfrontiert wurden und so auch nie einen Anlass hatten, sich mit (ihrer) Religion auseinanderzusetzen, die würden ja auch nie auf die Idee kommen dass das, was ein Dr. phil. - also irgendwie ein Experte - zu einem Thema erklärt, zu hinterfragen ist. (Und die Fakten stimmen ja auch! Sie sind nur tendenziös und lückenhaft, um es mal nett auszudrücken.)
    "Learn and learn, ask and ask, do not be ashamed." — Paracelsus
    Also ganz stimmen die Fakten auch nicht. Der gute Herr schreibt, dass mit den Christen die Bibliotheken in den germanischen Raum kamen. Er meint damit Bildung und stetige kulturelle Weiterentwicklung. Da könnte man glatt auf die Idee kommen, sich für diese Entwicklung beim Christentum zu bedanken.

    Zuerst aber einmal sind Bibliotheken keine christliche Erfindung. Vielmehr griffen sie auf Bibliotheken und wie man diese einrichtet und führt, aus der antike zurück. Dort wurden diese von Heiden geschaffen.

    Bibliotheken gab es übrigens mit ziemlicher Sicherheit schon vor dem Christentum im germanische Raum. Die Römer gründeten zwar oftmals keine öffentlichen Bibliotheken, in Rim solebr Gabe s gar keine!, besaßen diese aber privat. Es ist kaum vorstellbart, dass es bei den vielen gebildeten Römern, die auch in den Städten am Rhein lebten, dort keine privaten Bibliotheken gegeben haben soll. Übrigens, kann man gern einmal die Zahl der Analphabeten zur Zeit der heidnischen Römer und des christlichen Mittelalters vergleichen.

    Weiterhin wollte man eine kulturelle Entwicklung nur im christlichen Sinn haben. So wurden, teilweise und sogar auf Anordnung christlicher Herrscher, heidnische Bibliotheken im Mittelmeerraum niedergebrannt. Da ging viel Wissen verloren und was das mit Fortschritt zu tun hat, erschließt sich mit leider nicht.

    Die Proteste gegen das Vorgehen Karl des Großen, das verschweigt der Autor des Artikels geflissentlich, nutzten nebenbeigesagt gar nichts. Die Kirchenoberen distanzierten sich so deutlich von dem Heidenschlächter, dass er später vom Papst zum Kaiser gekrönt wurde.
    Dieses Beispiel zeigt uns, wie man ein Geschichtsbild verändern kann, wenn einige Fakten nur mal weggelassen werden.

    Der Mann schreibt also aus historischer Sicht und bei genauer Betrachtung ziemlichen Unsinn.
    Gnothi seauton ... und Du erkennst die Götter, und deinen Platz im Universum.

    Agnosco schrieb:

    Also ganz stimmen die Fakten auch nicht.


    Bei meiner Aussage zu den "stimmenden Fakten" hatte ich mich auf seine Radiosendungen zu den Themen Kreuzzüge und Hexenverfolgung bezogen. Zum Zeitungsartikel in Bezug auf die Neuheiden und den teils unsinnigen Aussagen darin hatte ich mich ja schon geäußert und ähnliche Kritik wie du geübt. (Stichworte "Bibliotheken" und "Kulturbegriff".)

    Agnosco schrieb:

    Die Kirchenoberen distanzierten sich so deutlich von dem Heidenschlächter, dass er später vom Papst zum Kaiser gekrönt wurde.


    Hö? :huh:
    "Learn and learn, ask and ask, do not be ashamed." — Paracelsus

    Eule schrieb:

    es ist schon ziemlich erschreckend dass momentan in so ziemlich jeder Religion Fundamentalisten, Hardliner, Fanatiker die Deutungshoheit über religiöse Inhalte und vor allem auch über den Umgang mit Angehörigen anderer Religionen beanspruchen und munter drauflos agitieren.


    Tja, ich denke, da kommt wohl "Fluch" und "Segen" einer (organisierten Buch-)Religion zum tragen, die ein/oder mehrere Oberhaupt/-häupter besitzt, das/die die Deutungshoheit für eine Schrift in Anspruch nimmt, und seinen Anhängern vermittelt, dass allein der (auserwählte) Klerus von Gott dazu auserwählt ist, die "Wahrheit" verkünden zu dürfen.
    Otto-Normal-Gläubige/r ist dazu wahrscheinlich nicht "heilig" genug... :rolleyes:

    LG
    Siat
    Von den Hohen erschaffen
    zu lernen, zu lehren, zu wachen
    Geboren in der Sterne Welten
    Wandern und wandeln sie
    Die Drachen
    ©Siat



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    ANB´s
    Es zieht sich durch alle Religionen. Egal ob wir hier vom selbsternannten Obergoden, von spinnenden Druiden, von Kreationisten für die die Hälfte der Wissenschaft nicht existieren darf, von Fatwas verkündenden und Krieg legitimierenden Scheichs, von Kreuzzüge als richtig und rechtmässig bezeichnenden christlichen Theologen, von Konvertiten nicht anerkennenden und Muslime per se als Rechtlose betrachtenden ultrakonservativen jüdischen Rabbinern oder von Muslime diskriminierenden und tötenden buddhistischen Mönchen reden.

    Und ich hab bestimmt noch einige Personen und Gruppen nicht genannt weil sie mit gerade nicht einfallen.