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In welcher Welt leben wir eigentlich Ein Tounge-in-Cheek-Board. Was es ist? Findets heraus!

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Alt 15.01.2009, 09:08   #1 (permalink)
Drache vom Dienst (Admin)
 
Benutzerbild von StarFire
 
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Beiträge: 2.699
Blog-Einträge: 34
Die Gesundheitsreform droht ...

Schön zusammengefasst hier:
http://www.patientinformiertsich.de/...ember_2007.pdf
__________________
Handle, ehe es da ist / Lenk es ehe es wirr wird / Der Weise geht zurück den Weg, den die Menschen gingen / um den Dingen zurückzuhelfen zu ihrer Natur / und wagt nur eines nicht: wider die Natur zu handeln.

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Alt 16.01.2009, 02:10   #2 (permalink)
Ordo-Templi-Orientis
 
Benutzerbild von Soror Aeternitas
 
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Ort: Amersfoort
Alter: 33
Beiträge: 883
Das liest sich wie ein schlechter Science Fiction Roman. Mir bleibt echt die Spucke weg.
Ab wann sollen diese ungeheuerlichen Aenderungen den grausame Realitaet werden?
Und ist das alles fest?
Kein Hausarzt mehr...
Chronisch Kranke, alte Leute,... auch ein Weg sich dieser zu entledigen.
Dann wird es ja wohl bald eine Art Sterbe Steuer geben, weil die Zahlen wohl um einiges steigen werden. Eine neue Einnahmequelle....

Himmel ist das pervers!

Und wieder bin ich froh aus D weg zu sein.
__________________

Soror Aeternitas ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2009, 07:26   #3 (permalink)
inderPupilleellipuPredni
 
Benutzerbild von Regenbogen
 
Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 1.113
Blog-Einträge: 27
Die gleichen Fragen wie Soror Aeternitas habe ... offensichtlich gilt für mich nicht:

Patient informiert sich.

Und eigentlich kann hier ja nur noch gelten:

Patientin formiert sich

bei soviel Zynismus und Kälte, die einem aus diesen Plänen entgegen schlägt.

Was, wenn meine Dreieinigkeit aus Körper-Geist-Seele mal ins Wanken gerät und ich mich dann an einen Case-Manager wenden muss, um wieder ins Lot zu geraten?
Wenn er dann Sch ... baut bei seinen Cases, ... und ich nicht mehr zur Gewinnmaximierung beitragen kann , fallen dann lediglich die Aktien ...( also bei mehreren Millionen solcher Cases natürlich) und der Manager seilt sich im Schweinsgalopp aus der oberen Etage ab ... nicht ohne die obligat Eine Millionen Euro im Handtäschchen natürlich?
Mir stellte es ja schon sämtliche Haare zu Berge, als ich im Sommer diesen Jahres erstmals den Begriff "Humankapital" in meinem Gehirn dechiffrieren musste ... aber dies hier schlägt dem Fass den Boden aus ...

Mich erinnert das ganze wie Dich , Soror Aeternitas, an einen Sci Fi ... nur, ob er Wahrheit werden muss?

Pink Floyd sangen vor ein paar Jahrzehnten: All in All we're just another Brick in the Wall

http://www.youtube.com/watch?v=M_bvT-DGcWw

--- hmmmm sind wir das ??

Wir sind doch reichlich über die Kinderschuhe hinausgewachsen und müssten uns nicht verhackstücken lassen zu systemkonformen Würstchen ....

Die Kids zum Schluss des Videos ... randalieren ...

Regenbogen
__________________
"Grün – warmes und gutes Licht. Magenta – aztekisch. Tlapali, altes Kaktusfeigenblut, die lebendigste und älteste [Farbe]. (Erde. (Gelb) Teil der Sonne und der Freude. (Blau) Elektrizität und Reinheit Liebe. (Blattgrün) Blätter, Traurigkeit. (Blau) Entfernung. Auch Zärtlichkeit kann von dieser Farbe sein. (Rot) Blut? Ach, wer weiß!" - Frida Kahlo


Geändert von Regenbogen (16.01.2009 um 09:06 Uhr)
Regenbogen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2009, 12:48   #4 (permalink)
Skaldenmetbrauerlehrling
 
Benutzerbild von Bernd
 
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Ort: Südpfalz
Alter: 46
Beiträge: 875
Tja, dann lest mal das folgende, hab ich die Tage im HSP ausgegraben:

"Offener Brief an Gesundheitsministerin Ulla Schmidt

Hallo, hier ist das Volk!

Es war in der Endphase des bayrischen
Wahlkampfes, Frau Schmidt, als wir uns
begegnet sind. Die Umfragen sagten voraus,
dass die CSU die absolute Mehrheit verlieren
würde. Die bayerischen Genossen sahen das
Morgenrot am Horizont aufziehen und boten
alles auf, was Rang und Namen hatte, um die
SPD aus dem Keller zu holen. Auch Sie, Frau
Schmidt, mussten an die Front, nach
Marktoberdorf. Den Auftritt im Modeon hätten
Sie sich sparen können. Außer einigen
SPD-Vertretern, einer Handvoll wackerer Leute
mit Ver.di-T-Shirt, einigen misstrauisch
blickenden Ärzten und einem, der mittlerweile
370, von mir initiierten
Bürgerpatientenstammtische war niemand da,
der Sie hören wollte. Das genau, liebe Frau
Schmidt, ist Ihr Problem. Sie boxen mit
Brachialgewalt die nächste Etappe ihrer
horrenden Gesundheitsreform durch, für die
sie einen kleinen, nicht ganz unwichtigen
Faktor verloren haben: das Volk.

Die Leute haben schon lange das Vertrauen in
ihre Kompetenz und die Lauterkeit Ihrer
Absichten verloren. Gerade dämmert der
Bevölkerung, dass Sie ihr in 2009 weitere
sechs Milliarden Euro aus der Tasche ziehen
wollen, für eine bürokratische Monstrosität,
von der noch zu reden sein wird: den
Gesundheitsfonds. Abgesehen von der Tatsache,
dass es sich um eine Ausgeburt politischer
Hilflosigkeit handelt, mit der das deutsche
Gesundheitswesen vollends zerrüttet wird,
haben wir es mit einem asozialen Akt zu tun.
Man schätzt, dass die mit dem
Gesundheitsfonds verbundene Anhebung der
Beitragssätze jeden Versicherten ca. 125 Euro
kosten wird. Das ist die größte staatliche
Geldabschöpfungsaktion seit dem Coup mit der
Erhöhung der Mehrwertsteuer im Jahr 2006. Der
Stern bezeichnet Ihr neuerliches Reformwerk
kurzerhand als "Murks". Ein Etikett, das Sie
begleitet, seit Sie Gesundheitsministerin
sind. Deshalb kommt niemand mehr, wenn Sie
reden.

Die Leute schalten den Fernseher aus, wenn
Sie in Talkshows auftreten. Und nun haben Sie
auch noch mich an der Backe, die in ihrem
Buch die Folgen Ihrer Politik offen legt, die
von Geschädigten bundesweit als Referentin
eingeladen wird um den Leuten den Sand aus
den Augen zu wischen, den Sie systematisch
einstreuen. Die in Ihren Vorträgen Sie und
Ihre Politik als eine Gefahr für unser
Solidarsystem bezeichnet und findet Sie und
Ihre Helfer sollten schnellstens abgewählt
werden, bevor unser Gesundheitswesen total
ruiniert ist.

Anderthalb Monate vor Ihrer Nullnummer in
Marktoberdorf hatten sich an gleicher Stelle
etwa 1.000 Menschen versammelt, weil sie das
Vertrauen in die deutsche Gesundheitspolitik
verloren und die Überzeugung gewonnen hatten,
dass sie von den Architekten des
gesundheitspolitischen Umbaus - angefangen
von Horst Seehofer bis zu Ihnen und Angela
Merkel - verraten und verkauft werden.
Weitere 500 Leute mussten an diesem Tag ins
Foyer ausweichen. Und etwa die gleiche Anzahl
von Menschen stand vor der Tür und wurde
wegen Überfüllung von den Ordnungskräften
wieder nachhause geschickt. Aufgerufen zu der
Veranstaltung hatten Ärzte. Als Initiatorin
der Bürgerinitiative
Renate Hartwig | Patient informiert sich | Eine Patienteninitiative | Design by: Ingrid Sperber und Autorin
des Buches "Der verkaufte Patient" war ich
als Referentin eingeladen.

Man müsse mich einfach "totschweigen"; so
formuliert man es in Ihrer Zunft. Das wird
nichts nutzen, inzwischen sind zu viele
informiert über die Pläne dieser
Gesundheitspolitik! Klar, meine Positionen
sind Gift für Ihre politischen Absichten.
Wenn sich das erst einmal in Deutschland
herumspricht wohin die Reise geht, wird es
2009 im Wahlkampf noch schwieriger werden
damit Stimmen zu bekommen! Sie wissen was ich
fordere: Den Erhalt des solidarischen
Gesundheitswesens. Ich rufe deshalb zu einem
demokratischen Widerstand gegen den
Ausverkauf unseres Gesundheitssystems an die
Konzerne auf. Ich bekämpfe die
Gesundheitskarte, weil ich sie für einen
dreisten Akt klammheimlicher
Wirtschaftsförderung und für einen
milliardenschweren Betrug am Beitragszahler
halte. Ich bin strikt gegen den
Gesundheitsfonds, weil er die katastrophalen
Folgen der Seehoferschen Krankenkassenreform
kaschiert, prolongiert und zementiert, statt
sie an der Wurzel zu sanieren. Ich halte es
für einen Skandal, dass Politik und
Gesundheitsfunktionäre das Arztgeheimnis
aushebeln, um den Konzernen Zugang zu
Patientendaten zu verschaffen.

Ich brandmarke das politisch inszenierte
Attentat auf die Haus - und Fachärzte; die
vorsätzlich in den Ruin getrieben werden,
damit die Konzerne sich auch noch den
ambulanten Bereich einverleiben können. Ich
protestiere dagegen, dass man den "Patienten"
abschafft und ihn sukzessive zum "Kunden" der
Gesundheitsindustrie macht. Ich finde es
empörend, wie Klinikmitarbeiter - Pfleger,
Schwestern und Ärzte - verheizt werden und
unsere Krankenhäuser künstlich auf Übernahme
getrimmte Gesamtpakete gemanagt werden, damit
sie Rhön & Co in die Hände fallen können.
Kapitalgesellschaften, die Sie dann auf ihre
Weise "sanieren" - mit speziellen
Haustarifen, mit gezielten Auslagerungen
einzelner Bereiche, und der Schaffung eines
Medizin- und Pflegeproletariats; billig,
billiger, am billigsten - nur um die Gewinne
zu steigern. Im Ernstfall werden, wie überall
in diesem Kapitalmarkt, Gewinne privatisiert
und Verluste sozialisiert! Der weltweite
Bankenskandal zeigt genau wie das geht!

Sie, Frau Schmidt, machen Krieg gegen die
halbe Republik - gegen Beitragszahler,
Patienten, Ärzte, Schwestern, Pfleger,
Klinikmitarbeiter - und Sie brauchen sich
nicht zu wundern, wenn sich immer mehr Leute
fragen: Für wen arbeitet die Frau eigentlich?


Wen vertritt sie, diese Volksvertreterin? Wo
war/ist beispielsweise Ihre demokratische
Legitimation für die Einführung der
Gesundheitskarte? Die Finanzfachleute sagen:
Sie ist unbezahlbar. Die Datenschützer sagen:
Sie ist ein Sicherheitsrisiko erster Ordnung.
Die Juristen sagen: Sie ist ein Verstoß gegen
das Recht auf informationelle
Selbstbestimmung. Die Ethiker sagen: Sie ist
der Bruch des Jahrtausende alten
Arztgeheimnisses. Zwei deutsche Ärztetage,
das höchste Standesgremium der Mediziner in
der Republik, verurteilten das Projekt
Gesundheitskarte als gefährlich, illegitim,
unsinnig und kontraproduktiv. Sogar Laien
erschließt sich, dass man die versprochenen
Effekte (Vermeidung von Doppeluntersuchungen,
Doppelmedikation und Ärztehopping) auch
anders lösen kann, nämlich über den
Allgemeinmediziner, den freien Arzt und einer
guten Zusammenarbeit zwischen Haus- und
Facharzt. Sie treiben durch Ihre Politik die
Ärzte auseinander, zum Schaden von uns
Bürgerpatienten!

Sie wollen den Ärzten wie uns an den Kragen.
Bereits im Oktober 2000 tönten Sie in einer
Betriebsversammlung beim Pharmaunternehmen
Grünenthal, die Zahlungen der Kassen an die
Ärzte werden sukzessive reduziert, Ärzte
können sich ein zweites, privates Standbein
durch IGEL (Privatleistungen) schaffen!

Sie ziehen mit Ihrer rheinischen Frohnatur
seelenruhig dieses Milliarden verschlingende
e- Card Projekt durch, an dem sich IT Firmen,
Beraterfirmen und der Bertelsmannableger
Arvato eine goldene Nase verdienen. Da werden
ja nicht eben mal 2,50 Euro aus der
Portokasse abgezwackt. Allein die
Anschubinvestitionen für den gefährlichen
Schwachsinn bewegen sich ungefähr in den
finanziellen Dimensionen, die der gesamte
ambulante Bereich in einem Jahr kostet! Ich
sage in meinen Vorträgen immer: "Das ist, als
würde man die Elbe umleiten um für die Reeder
einer Handvoll Schiffe Gewinne möglich zu
machen!" Ein Strom von Geld - unser Geld,
Frau Schmidt, das Geld der Beitragszahler! -
fließt ins Nirwana!

Und Sie schämen sich nicht, das Wort
"Kostendämpfung im Gesundheitswesen" vor
einer miserabel bezahlten Krankenschwester,
vor einem chronisch Kranken, der um seine
Heilmittel kämpfen muss, vor einem jungen
Arzt, der ökonomisches Harakiri betreibt,
wenn er eine Praxis übernimmt, in den Mund zu
nehmen? Wundert es Sie, wenn diese Leute Sie
fragen: Für wen arbeiten Sie, Frau Schmidt?
Wer steht eigentlich hinter Ihnen - außer
Angela Merkel, dem Berliner
Lobbyisten-Verband (so es ihn in der
eingetragenen Form schon geben sollte), der
Bertelsmann-Stiftung und dieser netten Firma
KP (Kaiser Permanete) in den USA, zu der sie
bevorzugt reisen und uns erzählen, es ginge
Ihnen dabei um die Erfahrungen zum Thema
Prävention? Für wie dumm halten Sie uns
Bürger eigentlich?

Frau Schmidt und nun schicken Sie sich an,
"das wichtigste Projekt dieser
Bundesregierung" zu vollenden, die Einführung
des Gesundheitsfonds. Über die erbärmliche
handwerkliche Qualität dieses Instruments
haben Andreas Hoffmann vom STERN ("Der große
Pfusch") und Alexander Neubacher von SPIEGEL
online (Perverses System") schon alles
Wissenswerte gesagt. Ich muss das nicht
wiederholen. Die eigentliche Pointe an der
Sache haben beide - vielleicht aus
Platzgründen - nicht genannt. Der
Gesundheitsfonds ist nicht etwa ein
untaugliches Korrekturinstrument einer an
sich richtigen Krankenversicherungsstruktur.
Der Gesundheitsfonds ist die Pest, mit der
die Cholera ausgetrieben werden soll. Bevor
wir an der Doppelseuche sterben, schlage ich
vor, die Cholera an der Wurzel zu sanieren!
Was aber ist die Cholera des deutschen
Krankenversicherungswesens? Sie besteht in
einer, in seinen Grundzügen mittlerweile 17
Jahre alten, im Effekt fatalen
Weichenstellung, an der maßgeblich Horst
Seehofer, aber auch der SPD-Sozialexperte
Dressler mitwirkten, der Einführung des
Wettbewerbs unter den Krankenkassen - im
"Lahnsteiner Kompromiss" von 1992.

Beitragszahler sollten frei wählen können,
welcher GKV sie angehörten, und die
Krankenkassen sollten wie Unternehmen in der
freien Wirtschaft in Konkurrenz zueinander
stehen, d.h. sie sollten gezwungen sein den
Kunden möglichst gute Qualität zu möglichst
günstigen Preisen anzubieten. Verstärkt
wurden die negativen Folgen durch den
Umstrukturierungsprozess halbstaatlicher
Einrichtungen (in Form von Körperschaften des
öffentlichen Rechts) in pseudokonkurrierende
(Pseudo) Wirtschaftsunternehmen, im so
genannten Wettbewerbsstärkungsgesetz von
2007. Angeblich sollte hierdurch nun
endgültig die Versorgung der Versicherten
verbessert, die Bürokratie im deutschen
Gesundheitswesen entrümpelt und die
Krankenkassen zu mehr Transparenz und
Wirtschaftlichkeit verpflichtet werden. Edel
war die Absicht aber auch schon 15 Jahre
davor.

"Wettbewerb" klingt noch immer gut, auch wenn
sich die Leute langsam fragen, warum das seit
anderthalb Jahrzehnten gepredigt wird,
während den Beitragszahlen von Jahr zu Jahr
mehr abverlangt wird; die behandelten Ärzte
dagegen zu Bittstellern ihrer Leistung
wurden. Und über die es bezahlen, plus die
Betroffenen sind - die Patienten -
willkürlich hinweg entschieden wird.

Nun liegen die Dinge grundsätzlich nicht so
einfach, wie bei Bauer A und B, die auf dem
Markt vergleichbare Kartoffeln anbieten.
Krankenkassen produzieren eigentlich nichts,
es sei denn Kosten. Niemand ist je von einer
Krankenkasse geheilt worden. Eine
Krankenkasse ist ihrem Wesen nach ein "Kasse"
und dazu da, dass sie das Geld der
Versicherten auf dem schnellsten und
kostensparendsten Weg an den POH - den point
of health - bringt, dorthin, wo Menschen
Hilfe, Heilmittel, Therapie, Pflege usw.
erhalten. Die Initiatoren der Reform dachten
sich wohl: Jetzt treten die Krankenkassen in
einen Wettbewerb um die geringsten
Verwaltungskosten ein! Jetzt werden sie
Bürokratie abbauen! Doch eigenartiger Weise
ging der Schuss nach hinten los. Das zeigt
eine einzige Zahl: Heute haben wir in
Deutschland etwa 94.000 Arztpraxen, aber
gleichzeitig eine gigantische Blase von
140.000 (!!!) Kassenangestellten, die in den
Glaspalästen der derzeit ca. 220 GKVs in Brot
und Arbeit stehen. Monströse
Verwaltungsapparate konkurrieren nicht etwa
um die günstigsten Verwaltungskosten - nein,
sie liefern sich eine Milliarden von Euro
teure Schlacht um attraktive "Kunden" (sprich
möglichst gesunde Beitragszahler), und sie
verwenden ihr kreatives Potential, um die
Alten und Kranken ("Risikogruppen") zu
vergrätzen. Die Kassen tun, als wären sie die
Gesundmacher; sie erfinden Pseudo-Produkte,
sprechen von Leistungsspektrum, inszenieren
sich als Gesundheitskasse, heuern Legionen
von Beratern an usw. 50 Millionen Euro sind
bei der AOK für Beraterhonorare
"verschwunden". Schon vergessen, Frau
Schmidt?

Mir wird schlecht. Von einer Kasse will ich
nur eins - dass sie meinen Arzt, meine
Medikamente und meine OP, zahlt, wenn ich
krank bin! Für mich ist eine gute Kasse eine
Kasse, von der man nichts hört und nichts
sieht. Mir tut jeder Euro meines
GKV-Beitrages leid, der im absurden
Selbstbeschäftigungszirkus der auf Business
getrimmten Kassen hängen bleibt. Das Elend
unseres Gesundheitswesens ist das Versinken
des Geldes in sekundären und tertiären
Bereichen. Unser Geld kommt nicht mehr dort
an, wo es hin gehört, am POH, also dort, wo
uns geholfen wird, wo wir gesundheitlich
tatsächlich versorgt werden. Die Misere,
ergibt sich aus den parasitären Wucherungen,
und der chronischen Vermehrung von
Trittbrettfahrern, zu denen ich die GKVs in
der derzeitigen Gestalt auch zähle.

Ich will von meiner Kasse keine Plakate,
keine Newsletter, keinen Adriaurlaub, keine
teuren Werbekampagnen, keine Bonus- und keine
Rabattaktionen, keine
Raucherentwöhnungskurse, keine Botox-
Kostenübernahme, keinen Sauna-Zuschuss, kein
Wellness-Dankeschön, keine DMP und keine
Callcenter -Betreuung.

Ich will dass dieser Sumpf politisch
trockengelegt wird. Ich verlange von der
Politik, dass sie das deutsche
Krankenkassenwesen auf seine Bestimmung
zurückführt. Wenn man 17 Kilometer in die
falsche Richtung gelaufen ist, muss man nicht
das Tempo erhöhen, sondern 17 Kilometer
zurück.

Aber davon ist bei Ihnen, Frau Schmidt, keine
Rede. Sie inszenieren gerade den nächsten
Gewaltakt, mit dem unsere Kassen mit absurden
Folgen auf Markt umgerüstet werden. Wo die
bisherigen Reformen nicht gegriffen haben,
weil die Kassen Wettbewerb auf ihre Weise
definierten - die eine Kasse war ein bisschen
geschickter im Abwerben von Gesunden, die
Nachbarkasse blieb auf den Alten und Kranken
sitzen - deshalb musste - flick, flick! - ein
Risikostrukturausgleich zwischen den Kassen
her. Und wo selbst diese administrative
Flickschusterei an ihre natürlichen Grenzen
kam, wird noch eine Bürokratie obendrauf
gesetzt. Der Gesundheitsfonds krönt diesen
Turmbau zu Berlin. Er kann und wird nicht
funktionieren. Das wissen Sie - und Sie
marschieren trotzdem immer weiter in die
falsche Richtung. Aus Krankenkassen müssen um
alles in der Welt "Läden" werden. Den Leuten,
Frau Schmidt, machen Sie immer noch vor, es
ginge Ihnen um Kostenersparnis durch
Wettbewerb. Das ist angesichts der Geschichte
dieser Wettbewerbsorientierung eine Farce.
Nein, das sollen die Leute nur glauben. Sie
haben ganz andere Ziele!

Ich will Ihnen sagen, was Sie beabsichtigen:
Sie wollen die Krankenkassen in eine Form
bringen, in der man sie verkaufen kann. Sie
brauchen die verkaufbare Einheit, die
verlockende Größe für Investoren. Es muss ein
Geschäft sein, eine solche Kasse zu besitzen.
Sie und Frau Merkel wollen das leidige Thema
Gesundheit vom Tisch haben. Es zieht den
Staathaushalt wie Blei in die Tiefe. Es ist
ein Loser-Thema. Es kostet Wählerstimmen.

Die Wahrheit ist: Sie antichambrieren schon
bei den potentiellen Käufern, bauen ihnen
Brücken, holen Sie ins Land. Das werden wir
Bürgerpatienten nach Kräften vereiteln.
Gesundheit ist nicht 1:1 in Markt zu
überführen. Gesundheit muss in weiten Teilen
die soziale Aufgabe einer solidarisch
verfassten Gesellschaft bleiben.

Deshalb waren - muss man schon fast sagen -
unsere Krankenkassen Körperschaften des
öffentlichen Rechts und damit Teil der
sogenannten "mittelbaren
Staatsverwaltung". Die Väter unserer
Republik wussten noch, was Sie, Frau Schmidt
und Angela Merkel nicht mehr wissen: Wenn der
Staat nicht für die Kranken und Armen
eintritt, tritt niemand für sie ein.

Und so kommen wir, Frau Schmidt, nach
Marktoberdorf zurück, der Ort an dem ich
Ihnen eine Schlüsselfrage stellte. Eine
Frage, die ich solange stellen werde, bis Sie
mir eine Antwort geben. Es ist die gleiche
Frage, die ich bereits beim Hausärztetag in
Bamberg zwei Monate zuvor an
Ministerpräsident Beckstein stellte: "Gibt es
mit der amerikanischen Kapitalgesellschaft
`Kaiser Permanente` einen Vertrag, einen
Vorvertrag oder Gespräche, die zu einem
Vertrag führen und aus welchem Grund fahren
Sie und weitere Gesundheitspolitiker in
schöner Regelmäßigkeit in die USA - und
landen dort immer bei Kaiser Permanente?"
Danach war Schluss mit Fragen an die
Ministerin und Sie gingen, na ja - Beobachter
sagten, Sie stürmten hinaus!

Ich weiß genau, warum ich ausgerechnet diese
Frage stelle, und sie in dieser Form stelle.
Die erste Hälfte der Frage ist die Schnur,
die den Vorhang über dem Skandal zur Seite
zieht. Die Antwort kann nur ein JA oder ein
NEIN sein. Aber was sahen wir in
Marktoberdorf nach meiner Frage an Sie? Das
gleiche kurze Stutzen, Stirnrunzeln und
einen-Tonblasser- um-die-Nase-werdend wie bei
Beckstein! Im Saal konnte man eine Stecknadel
fallen hören. Hörbares Durchatmen bei Ihnen,
dann Ihr aggressives Herausplatzen: "Ich
fahre in die USA so oft ich will, wann ich
will, mit wem ich will und werde weder Sie
noch jemand anderen danach fragen!"

Auch Beckstein war in Bamberg bei der Frage
explodiert. Dabei hätten sich Beckstein wie
Sie das Adrenalin sparen können. Mir hätte
ein Einfaches: "Nein, es gibt solche
Verträge, Vorverträge, oder Gespräche nicht!"
genügt. So habe ich Grund, mir erhebliche
Sorgen zu machen. Mit jedem Ausweichen, mit
jeder Beschwichtigung auf diese Frage wird
mein Misstrauen gegenüber den tollen
Auslegungen über Ihre politischen
Entscheidungen und Ihre Kontakte größer!

Eines Tages wird der Vorhang hochgehen. Dann
werden wir, das Volk, erkennen: Sie spielen
mit ein paar Gesundheitspolitikern auf der
politischen Bühne das Stück "Des Kaisers neue
Kleider". In den Hauptrollen Sie und die
Bundeskanzlerin. Neben den Souffleuren aus
der Lobbyistenszene sind die Nebenrollen gut
verteilt. Und doch, ich vermute, es wird sehr
peinlich.

Bis zu unserem nächsten Zusammentreffen,
freundliche Grüße

Renate Hartwig"
Bernd ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.01.2009, 11:23   #5 (permalink)
Fluffy Bunny
 
Registriert seit: 04.10.2008
Beiträge: 2
Hi...
Noch etwas ändert sich bezüglich unserer Gesundheitsversorgung, und das kann u.U. noch viel massivere Auswirkungen haben: Ende des Jahres tritt der Codex Alimentarius in Kraft. Und so gut wie keiner weiß es. Viel schlimmer aber: Wenn es die Leute erfahren, wird es ihnen so aufgetischt, als handle es sich um eine Optimierung (für sie). Es ist wichtig, dass sich so viele wie möglich informieren, und zwar noch innerhalb dieses Jahres. Es sollte sich da jeder die für ihn am verlässlichsten erscheinende Quelle suchen.

Besorgte Grüße
Fruitie ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.01.2009, 04:29   #6 (permalink)
Wiccander
 
Benutzerbild von peregrina
 
Registriert seit: 28.01.2007
Ort: Rheinland
Beiträge: 163
@Fruitie

Wäre nett wenn du erklären würdest wo du den Zusammenhang zwischen einem WHOStandard für Lebensmittelproduktion und -sicherheit und unserem deutschen Gesundheitssystem siehst. Selbst wenn man diesen Codex inhaltlich kritisieren kann (was man bei jedem Regelwerk tun kann und sollte) - was hat beispielsweise eine Vorschrift über den Nachweis einer geschlossenen Kühlkette beim Rinderhälftentransport aus Brasilien bis zum abgepackten Steak in der Kühltheke in deinem Supermarkt um die Ecke (nein, ich will nicht wissen ob du da Fleisch kaufst, es handelt sich nur um ein Beispiel) sowie über Mindeststandards zu Desinfektion und Reinigung von Schneidewerkzeugen die dieses Fleisch zerteilen, Räume in denen Fleisch verarbeitet wird mit deutschen Krankenkassen und Hausärzten zu tun?
peregrina ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.01.2009, 23:59   #7 (permalink)
Fluffy Bunny
 
Registriert seit: 04.10.2008
Beiträge: 2
Der Zusammenhang ist jedem greifbar, der sich in den Codex einarbeitet. Ein ganz kleiner Teil aus einer riesigen Liste, die sukzessive durchgesetzt werden wird: Vitamindosen in frei verkäuflichen Mitteln werden so stark herabgesetzt, dass es gesundheitlich kaum mehr wirksam sein wird; wer mehr will, zahlt entsprechend oder muss jemanden finden, der es ihm verschreibt.

Dein ironischer und - sorry - leicht arroganter Ton soll Überlegenheit suggerieren; er zeugt aber nur von Unkenntnis. Vielleicht lesen wir in ein paar Jahren nochmal voneinander?

Egal; wen es interessiert und wer sich für die entsprechenden Gesetz gebenden Institutionen interessiert, der wird sich selbst und andere aufklären.

P.S.: Nein, das ist keine V-Theorie.

und wech.
Fruitie ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.01.2009, 10:39   #8 (permalink)
Nebelkrähe
 
Benutzerbild von wetterleuchten
 
Registriert seit: 21.01.2007
Ort: Myrkwid
Alter: 47
Beiträge: 1.425
Blog-Einträge: 1
Wenn deine Aufklärerkollegen genauso kompetent sind wie du, Fruitie, dann dürft ihr euch jetzt schon auf Stürme von geradezu frenetischer Heiterkeit gefasst machen. Aber wie jedes Kind weiß, stärkt lachen das Immunsystem besser als jede Vitaminpille. Und das ist in Zeiten wie diesen ja auch kein Schaden. *merci dafür*
__________________
insprinc schublandun.
wetterleuchten ist offline   Mit Zitat antworten
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