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| In welcher Welt leben wir eigentlich Ein Tounge-in-Cheek-Board. Was es ist? Findets heraus! |
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| | #41 (permalink) |
| Traumfängerin | @ Siat Ich stimme Dir vollkommen zu und vertrete deine Meinung. Ich würde auch lieber daheim bleiben und mich auf meine Kinder konzentrieren, zumindest, bis sie in den Kindergarten kommen, dann kann man ja in der Zeit arbeiten gehen. Was hat es für einen Sinn, Kinder zu bekommen, nach einem Jahr wieder Vollzeit arbeiten zu müssen und die Kinder in die Krippe zu geben? Für mich ist das kein Anreiz. Interessant finde ich auch, dass viele Leute jetzt vermehrt Kinder bekommen, weil sie in dem Jahr Elternzeit mehr Geld bekommen, als noch vor ein paar Jahren mit dem Erziehungsgeld, machen sich aber null Gedanken, was nach dem Jahr kommt, meist das böse erwachen. Ich würde lieber auf alles verzichten und Zeit für meine Kinder haben. Nur wer Kohle hat, kann seinen Kinder Abi und Studium finanzieren und hat Zeit, sich vernünftig um die Erziehung zu kümmern. Das sehe ich auch so.
__________________ Liebe Dich selbst, dann können alle anderen Dich gern haben. Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit,das Geheimnis der Freiheit ist der Mut. Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben. |
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| | #42 (permalink) | |
| Rude Boy Action Registriert seit: 21.01.2007 Ort: Saarbrücken/Dortmund Alter: 21
Beiträge: 594
| Zitat:
__________________ My mom's always complaining, That nothing can save my soul. I don't give a damn about anything, Just football, drinks and Rock'n'Roll! | |
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| | #43 (permalink) | |
| madadh na h-oidhche :) Registriert seit: 23.01.2007 Ort: Ebudes
Beiträge: 1.542
| Zitat:
Außerdem hat das irgendwie nicht so viel mit dem Thema hier zu tun.
__________________ omnia mutantur ~ nihil perit ~ mare aeternum est | |
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| | #44 (permalink) |
| WaLDgRÜnLeBeNsFaRbenFroH | Dabei darf man auch nicht vergessen, dass oftmals die anderen Kinder dafür sorgen, dass Kinder den Mund nicht aufkriegen. Mir selbst ist das so ergangen, im Gymnasium. Jedes Mal, wenn ich etwas gesagt habe, haben die Anderen gelacht, wenn es nicht richtig war. Weil dies oft geschah, hab ich irgendwann aufgehört, etwas zu sagen, weil es mir jedes Mal so weh getan hat. So etwas kann auch Versager produzieren. Auch im Sport, wenn ich mich gequält habe, den eng gesteckten Anforderungen wenigstens ein Stück weit nachkommen zu können, wurde ich oft ausgelacht. Dieses Verhalten hat dazu geführt, dass ich mich kaum noch traute aus Angst vor den Beschämungen. Im Anschluss war ich oft krank. Das waren schon erste psychosomatische Anzeichen, wovon ich damals aber noch nichts wusste und das Lehrer und Eltern nicht interessiert hat. Menschen sind nun mal unterschiedlich sensibel. Für die weniger Sensiblen ist das alles wenig problematisch, aber für sehr sensible Schüler kann dies weit reichende Folgen haben. Wenn Mensch immer wieder gesagt bekommt "dies kannst Du nicht", immer wieder ausgelacht wird, kann es dazu kommen, dass Mensch sich selbst gar nichts mehr zutraut, was dann als Versagen bewertet wird. Die Gründe für solches Versagen haben damals keinen Lehrer interessiert, es gab nicht einmal Gespräche, in denen ich hätte beschreiben können, was diese "Funkstille" und das Versagen auslöste. Auch zuhause blieben die Ohren verschlossen. Es gab Nachhilfe aller Arten, die aber mMn noch viel mehr Druck aufgebaut haben. Erwartungsdruck, dem ich wiederum nicht entsprechen konnte, was den Eindruck des "ewigen Versagens" noch verstärkte. Insofern wurde versucht, dem Versagen mit noch mehr Druck zu begegnen, was noch mehr Versagen auslöste. ![]() Als ich später auf Real- wechselte, wurde es etwas besser, aber trotz allem blieb das Gefühl zu versagen und den Anforderungen nicht genügen zu können noch jahrelang und teilweise sogar bis heute erhalten.
__________________ Nimm Dir jeden Tag die Zeit, still zu sitzen und auf die Dinge zu lauschen. Achte auf die Melodie des Lebens, welche in dir schwingt. Gautama Buddha |
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| | #45 (permalink) | |
| Rauchender Alchemisten-Käfer Registriert seit: 01.02.2007
Beiträge: 210
| Zitat:
Viele Grüße Dr. O. | |
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| | #46 (permalink) |
| Träumer Registriert seit: 29.08.2008 Ort: Winterthur (Schweiz) Alter: 21
Beiträge: 20
| Menschen sind verschieden, Interessen sind verschieden. Ich persönlich finde es idiotisch dass Leute, die überhaupt nicht Sprachbegabt sind (wie ich z.B.), in der Schweiz gezwungen werden Französisch zu büffeln. Hingegen war ich in Mathematik stets unterfordert dass ich mir hin und wieder geleistet habe eine Leere Prüfung abzugeben und eine Lektion frei zu nehmen. Mittlerweile bin ich Physiklaborant und war wohl der einzige der Klasse der keine Minute daran verschwendete auf die Abschlussprüfung zu lernen (und dazu noch zum besseren Abschlussdrittel zu gehören). Auch Berufsmaturität (Schweizer Fachabi wenn ich mich nicht irre) habe ich ohne einen Finger zu krümmen bestanden obwohl mich mein Französischlehrer in der Sekundarstufe (Die Stufe direkt unterm Gym) vor der ganzen Klasse fertig gemacht hatte dass ich es eh zu nichts bringen werde. ![]() Tja... ich finde unser Bildungssystem (D, A und CH) sollte mehr auf Menschlichkeit und nicht auf Leistung gehen... Individuelle Förderung... ich nehme an wenn die Schüler weder unter noch überfordert sind haben sie auch intelligenteres als Pausenhofschlägereien im Kopf ![]() Gruss |
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| | #47 (permalink) |
| Pipou Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 63
| Ich kann Pachamacha nur recht geben! Ich persönlich war mit unserem Schulsystem sehr zufrieden, richtig faule Eier als Lehrer hatte ich nur zweimal und die wurden auch sofort ausgesiebt - funktionierte also sehr gut. Und ich war nicht auf einer Eliteschule sondern auf staatlichen Schulen, mit teils minder gutem Ruf. Das einzig wirlich schlechte an der Schule waren die Kinder. Kaum andere Wesen können so grausam sein wie Kinder, wenn man immer nur fertig gemacht wird kann man eben nicht lernen. Aber daran ist dann wirklich nicht die Schule schuld sondern dämliche Eltern die nichtmal in der Lage sind ihre Kinder zu erziehen. Ansonsten könnte man noch anmerken, dass die Schule evtl etwas zu "soft" ist, der Übertritt an die Uni ist da doch ein harter Schock. Da könnte man vielleicht etwas besser vorbereiten. |
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| | #48 (permalink) |
| Drache vom Dienst (Admin) | Wesensbildung und Manieren wird an den Schulden ja nicht unterrichtet. An einer örtlichen Schule wurde von ein paar Jahren ein Experiment begonnen. Man richtete eine freiwilligen Benimm-Unterricht ein. Es gab' nicht mal Anlaufschwierigkeiten. Der Kurs wurde wegen Überbuchung *g* in der ganzen Schule eingerichtet und gut angenommen. Der Kurs hat sich innerhalb kürzester Zeit auf das Schulklima, auf die Noten und auf den Umgang untereinander ausgewirkt. Inzwischen ist er fester Bestandteil bei den Wahlfächern. Und das an einer Hauptschule mit ursprünglich schlechtem Ruf und hohem Ausländeranteil. .... geht anscheinend doch .... lg SF
__________________ Handle, ehe es da ist / Lenk es ehe es wirr wird / Der Weise geht zurück den Weg, den die Menschen gingen / um den Dingen zurückzuhelfen zu ihrer Natur / und wagt nur eines nicht: wider die Natur zu handeln. |
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| | #49 (permalink) |
| Thor´s Echo Registriert seit: 13.04.2007 Ort: geistig im Sauerland Alter: 26
Beiträge: 230
| vllt nicht nur Versager, sondern auch psychisch gestörte prodzuieren, wenn ich da an meine Grundschulzeit denke hatte es mal in einem anderen Thread erwähnt, dass meine Grundschullehrerin meiner Mutter empfohlen hat mich zum Schulpsychologen zu schicken. Ich hab einfach mal rumgeschaut, was denn ein Schulpsychologe hauptsächlich macht: (wikipedia) Typische Fragestellungen und Untersuchungen betreffen: * spezielle Lernstörungen wie Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (LRS, Legasthenie) oder Rechenschwierigkeiten (Dyskalkulie) * Begabung und Leistungsversagen, Überforderung, Unterforderung (Lernbehinderung, Hochbegabung, besondere Begabungen) * Konzentrations- und Aufmerksamkeitsverhalten mit ADHS, Probleme der Lernhaltung und der Lerntechnik * Verhaltensauffälligkeiten in der Klasse und Fragen der sozialen Integration (aggressives Verhalten, Schüchternheit, Mobbing) * Schulangst, Prüfungsangst, Motivation Meine Noten lagen immer im Schnitte von 2-3 und ich bin gerne zur Schule gegangen, auch wenn ich diese eine Lehrerin nicht leiden konnte. Ein Kind merkt, wenn ein Erwachsener es nicht mag. Daher war ich in ihrem Unterricht recht still. Ich schätze das war das einzige, was ihr auffiel. Ansonstne war ich ihrer Meinung nach für die Realschule ungeeignet, trotz des guten Notendurchschnitts. Gut, dass meine Mutter das anders gesehen hat. Sie hat sich schon mal von Lehrern in die Erziehung reinreden lassen. Meine Schwester war Hauptschülerin und meine Mutter wollte, dass sie die 9. Klasse aufgrund der schlechten Noten nochmal wiederholen sollte, die Lehrer meinten das würde schon klappen mit der 10. Hat´s auch, aber mit dermaßen schlechten Noten, dass sie erstmal keinen Ausbildungsplatz bekommen hat. Naja, vllt meinte meine Lehrerin, dass es mir ebenso ergehen wird auf der Hauptschule. Meine Schullaufbahn sah dann aber so aus Realschule mit 1,3 abgeschlossen, Abi mit 1,4 und das Studium mit 1,7. Will damit nicht angeben, nur es ist wieder ein Beispiel wie falsch das System wieder gearbeitet hätte, hätte man mich wie die Lehrerin es wollte, auf die Hauptschule geschickt. Ich glaub auf der Hauptschule wäre ich zum Schläger mutiert *g*, denn Hauptschulen sind schon n hartes Pflaster und ich bin leicht (negativ ) zu erregen und ich denke auch, dass ich aufgrund der Unterforderung aufgehört hätte mich für die Schule zu bemühen. So denke ich jedenfalls darüber...
__________________ ~Cuimhnich có leis a tha thu - Gedenke der Menschen, von denen du abstammst~ Dis iratis natus! |
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| | #50 (permalink) |
| Ze'ev ha-shalom Registriert seit: 13.04.2007 Ort: Aquisgrana Alter: 22
Beiträge: 111
| So, dann belebe ich mal den Thread wieder (angesichts des Datums des letzten Eintrages schon eine Übung in angewandter Nekromantie )Es liegt in jedem Fall etwas im Argen im deutschen Schulsystem und dieses Etwas ist meiner Ansicht nach ein Zusammenspiel diverser Faktoren. Zum einen ist die grundlegende Ausrichtung der deutschen Gesellschaft gegenwärtig diejenige einer reinen Leistungsgesellschat - die Reduktion des Menschen auf ein Produkt des Bildungssystems zum alleinigen Zweck, als Rädchen im Getriebe der Wirtschaft zu dienen. Es findet auf eine gewisse Weise eine ideologische Indoktrination statt wie in den sozialistischen Staaten, nur mit einer anderen Zielsetzung. Dort wurde der Mensch begriffen als Komponente der homogenen, in gewisser Weise gleichgeschalteten Gesellschaft, der seine Funktion innerhalb dieser Gesellschaft zu erfüllen hatte. Diese Indoktrination erfolgte mit Hilfe der Suggestion bestimmter Ideale, wie oft in totalitären Gesellschaften: in den sozialistischen Staaten die Ideale der wirtschaftlichen und politischen Gleichheit, im Dritten Reich das Ideal der Volksgemeinschaft und der Überlegenheit. Totalitäre Staatsführungen hatten die Kraft eines abstrakten Ideals als Motivator erkannt und die Gesellschaft damit nach ihren Vorstellungen beeinflusst. In der heutigen BRD herrscht hingegen eine ideallose Indoktrination vor: als allein relevanter Faktor dient Geld. Persönliche Bereicherung wird als Zielsetzung Nummer eins betrachtet, der Mensch reduziert sich selbst auf ein Arbeitstier bzw. wird vom System in diese Schiene gepresst. Eine wie auch immer geartete vertikale Beweglichkeit, d.h. die Fähigkeit, tatsächlich aufzusteigen, wird vom System oftmals verhindert. Soll heißen: Arbeiterkinder werden vom Staat in keiner Weise bildungstechnisch gefördert, es existiert keine umfassende Erziehungskampagne, Bildung wird nicht als Kernwert der Gesellschaft angesehen. Von ihren Familien erhalten Arbeiterkinder meist keine Unterstützung, da ihre Eltern ja selbst nicht in den Genuss einer umfassenden Bildung kamen - da der Staat aber auch nicht eingreift, wird für einen großen Teil der Gesellschaft vertikale Mobilität, die größtenteils nur durch Bildung zu bewerkstelligen ist, nahezu unmöglich gemacht. Dies wirft das Kernproblem auf, ob sich der Staat insofern in die Familie einmischen darf, als dass eine umfassende Bildung von diesem gefördert wird - also eine umfassende Bildungspolitik betreibt, wie sie z.B. in den sozialistischen Staaten existent war. Dort diente dies zu einem beträchtlichen Teil natürlich der politischen Indoktrination, aber ich denke, dass dieser Nebeneffekt in westlichen Gesellschaften beseitigt werden könnte. Natürlich müsste der Staat dafür Finanzmittel investieren, und das ist eben das Hauptproblem, was bereits mehrere erwähnt hatten: es wird zu wenig Wert auf die Bildung i.A. gelegt. Der Staat unterminiert jedoch dadurch seine eigene Existenzgrundlage, denn dass es an Fachkräften der meisten Richtungen mangelt, kam ja besonders in den letzten jahren wieder verschärft zum Vorschein. Solange es an Finanzmitteln mangelt, ist es auch nicht möglich, die Selektionsmechanismen zu verfeinern, um die Unterschiede hinsichtlich der Begabungen genauer zu identifizieren und somit wirklich nach individuellen Fähigkeiten zu sortieren und nicht nach einem Gesamtbild (im Form des gegenwärtigen Abischnitts, welcher oft nicht aussagekräftig ist). In der UdSSR z.B. hatte grundsätzlich jeder das Recht, sich an der Universität einzuschreiben, der die Schule beendet hatte - die Notenlage war dabei irrelevant. Allerdings waren Einstufungsprüfungen eben EInschreibungsvoraussetzung - Einstufungsprüfungen auf den jeweiligen Fachbereich ausgerichtet. So wurde die Eignung des Studenten eben im spezifischen Feld überprüft und somit eine zweckdienlichere Selektion durchgeführt, als die Generalsierung mithilfe eines Durchschnittes, der eben individuelle Stärken und Schwächen nicht berücksichtigt. Natürlich ergab sich in einem solchen Falle das Problem der Prüfungsangst - falls der Einschreibende an dieser litt und durch die Prüfung fiel, war ein Jahr Wartezeit fällig, auch wenn seine Leistungen im verwandten Feld in der Schule durchaus annehmbar waren. Hier wäre das System zu perfektionieren, ein Hybrid aus zielgerichteten Einstufungsprüfungen und einer spezielleren Leistungsüberprüfung in der Schule wäre z.B. ein möglicher Ansatzpunkt. Es kann auch nicht angehen, dass Studienfächer / Ausbildungen nach ihrer wirtschaftlichen Rentabilität selektiert werden. Gerade Geisteswissenschaften im Bereich der höheren Bildung und die Ausbildung in der sozialen Branche sind für eine funktionierende westliche Gesellschaft meiner Meinung nach unerlässlich! Jedoch wird zugunsten der Naturwissenschaften, Ingenieurswissenschaften und vor allem Finanzen und Management konsequent der Abbau der oben erwähnten Zweige betrieben - was meiner Ansicht nach früher oder später, wenn in diesem Bereich keine Fachkräfte mehr vorliegen, zum Kollaps der Gesellschaft führen wird. Das obige sage ich übrigens als selbst angehender überzeugter Naturwissenschaftler nicht aus persönlichen Beweggründen... Das dritte Problem ist, dass in Deutschland (von anderen Gesellschaften kann ich nicht sprechen, da ich die Verhältnisse dort nicht kenne) spezifisch von Amtsseite oftmals Willkürentscheidungen getroffen werden, die oftmals Fehlentscheidungen sind, da nicht alle Faktoren, die zum Erfolg oder Misserfolg eines Kindes in der Schule beitragen, berücksichtigt werden. Siats Geschichte belegt das eindrucksvoll. Das ist aber weniger ein Problem der mangelnden Finanzierung, sondern m.E. das der deutschen Bürokratie (und im weiteren Sinne der GEsellschaft als solcher): Schubladendenken und das Abstempeln einer Person als irgendwas, oftmals, ohne dies rational begründen zu können. Ein Beispiel aus eigener Erfahrung, wenn auch nicht auf die Schule bezogen, aber damit untrennbar verbunden: mein Vater, seines Zeichens Migrant, hatte sein Studium in der UdSSR abgeschlossen, und zwar als Physiko-Chemiker im Bereich der metallverarbeitenden Industrie. In Deutschland angekommen, unterzog er sich fast augenblicklich einer Umschulung (die damals noch relativ problemlos bewilligt wurde) zum IT-Netzwerkspezialisten. Er schloss recht gut ab und fand auch eine Arbeitsstelle bei einem mittelgroßen Unternehmen, wo er 6 Jahre lang tätig war, bis das Unternehmen im Zuge der .com-Krise schließen musste. Nach einem Jahr vergeblicher Versuche, in seinem Tätigkeitsfeld wieder eine Arbeit zu finden, versuchte er eine weitere Umschulungsmaßnahme vom Arbeitsamt zu ergattern, im Feld der Datenbankadministration, da ihm dies als sichererer Zweig erschien, als Netzwerktechnik. Die Umschulung wurde ihm nicht bewilligt, da die zuständige Sachbearbeiterin -ohne ein persönliches Gespräch geführt zu haben- befand, aufgrund seiner bisherigen Laufbahn könne prognostiziert werden, dass er in Zukunft keine Arbeit mehr finden könne (und somit das Geld für die Umschulung verschwendet wäre). Worauf die Einschätzung beruhte, sagte sie nie: weder der gute Abschluss meines Vaters in seinem Studiengebiet in der UdSSR, noch die guten Leistungen während seiner Umschulung in Deutschland noch der Fakt, dass er problemlos eine Stelle gefunden hatte und 6 Jahre tätig war und zur vollen Zufriedenheit des Arbeitgebers im Zuge der Firmenschließung als einer der letzten entlassen wurde, interessierten das Arbeitsamt. Prognose: nicht arbeitsfähig. Warum? Vielleicht war die einzige Begründung doch der fremdländisch klingende Nachname? (Er hat übrigens die Umschulung mit Mühe und Not noch selber finanzieren können und arbeitet jetzt in der Datenbankbranche. Entgegen den Prognosen des Amtes.) Wenn bereits in der Arbeitswelt so selektiert wird, was ist dann erst in der Schule, wo eine solche Fehlentscheidung (im Bezug auf die Fähigkeiten des Kindes) ungleich größere Konsequenzen für die weitere Entwicklung des Kindes, für seine künftige Laufbahn hat? Das ist eben kein Problem der Finanzierung, sondern der Einstellung des Systems... Und noch eben zum Thema Migranten: die oben geschilderte Erfahrung legt den Schluss nahe -obwohl Einzelfall und statistisch nicht relevant-, dass diese eben nicht gefördert werden. Es wird eine Bringschuld der Migranten impliziert, die natürlich auch vorliegt - wenn diese aber erfüllt wird und der Migrant alles in seiner Macht stehende getan hat, um sich politisch, kulturell und auch wirtschaftlich zu integrieren, wird ihm nicht geholfen. Einerseits propagiert der Staat also Idealbilder gelungener Integration, legt Migranten nahe, sich sofern zu integrieren, um wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen etc. - und unterdrückt dann eben diese gelungene Integration durch solche Maßnahmen. Ist das nicht ein Widerspruch? Ähnlich schätze ich die Integration und damit den schulischen Erfolg von Migranten im Kindesalter ein - viele erbringen eben nicht nur aus Sprachmangel schlechte Leistungen, sondern evtl. auch aus dem Grund, dass sie von der Lehrkraft bereits stigmatisiert, als Versager gekennzeichnet werden, in keiner Weise gefördert werden - und schließlich auch selbst versagen. Wer das Glück hat, aus einer Familie des Bildungsbürgertums zu kommen, dem kann noch zuhause geholfen werden - aber gerade unter den Deutschtürken ist ja eine proletarische Herkunft sehr häufig. Und es liegt keinesfalls daran, dass die Eltern nicht die Bildung des Kindes in den Vordergrund stellen (wie oft bei deutschen Familien geschieht) - es ist häufig so (nach meinem subj. Empfinden und den Leuten, die ich kenne), dass gerade in typischen Gastarbeiterfamilien die Eltern den Kindern die Wichtigkeit der Bildung zu vermitteln versuchen, damit diese nicht das Los der Eltern ereilt. Nur helfen können sie eben nicht, da sie selbst nicht über die nötige Bildung verfügen, obwohl der Wunsch besteht - und da ist der Staat gefragt. Summa summarum kommt es mir eher so vor, dass in der deutschen Gesellschaft zum Großteil gar kein Interesse daran besteht, ein hohes Bildungsniveau (das in Deutschland unzweifelbar lange vorlag - es zählte nicht umsonst lange als Land der Dichter und Denker...) zu halten, und schon gar nicht von staatlicher Seite. Wie man dies ändern könnte, das Übel also sozusagen an der Wurzel packen könnte, entzieht sich völlig meiner Kenntnis. Ich weiß nur eins: ich bin felsenfest vom elementaren Grundrecht eines jeden Menschen auf Bildung überzeugt und fordere dieses auch für alle ein. Die Realisierung sei anderen überlassen, das ist nicht meine Aufgabe (ich habe mir mit meiner Studienwahl andere künftige Aufgaben auferlegt) - sondern die Aufgabe derjenigen Teile des Systems, die für solche Planungen ihr Gehalt beziehen. Und dass da geschludert wird, ist unverzeilich. Sorry für die übermäßige Beitragslänge. In diesem Sinne schalom.
__________________ Al taster pameha mimeni - beyom zar li. Hate elay, elay ozneha - beyom ekra maher aneni. Geändert von Iblis (16.03.2009 um 05:08 Uhr) Grund: letzten Absatz angefügt |
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| | #51 (permalink) | |
| Asperula odorata Registriert seit: 11.03.2007 Ort: An der Via Claudia
Beiträge: 92
| Zitat:
__________________ werde was du warst | |
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| | #52 (permalink) |
| Forums Oma Registriert seit: 20.01.2007 Ort: Bergisches Städtedreieck Alter: 61
Beiträge: 3.029
| Danke für deinen langen Beitrag Iblis. Du schreibst genau das, was ich auch in dieser Beziehung denke und gerade aus meiner Sicht als Lehrerin auch immer wieder anmahne. Aber leider entscheiden nicht Pädagogen über Bildung, sondern Finanzminister und die bedienen eher andere Lobbies.
__________________ Wir haben nur diese eine Welt, die unser aller Mutter und Heimat ist. Nur gemeinsam können wir sie uns erhalten. |
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| | #53 (permalink) |
| Wiccander Registriert seit: 02.02.2007 Ort: zwischen Rems und Murr Alter: 49
Beiträge: 127
| Wie hoch ist denn der Prozentsatz der "Pädagogen" in der Lehrerschaft?? Ich möchte niemandem zu nahe treten (grade dir als Lehrerin nicht, Lidania), aber ich glaube, das ist das große Problem. Wenn ich z. B. aktuell die Reaktion mancher Lehrer auf die Ereignisse in Winnenden ansehe: arg "pädagogisch" war das nicht. Oder wie würdet ihr es nennen, wenn ein Lehrer sagt:"Der soll nur kommen, den würde ich zu erst abknallen!" Zum einen gehe ich mal davon aus, dass man als Lehrer ohne Waffe zur Schule geht, zum anderen trägt so eine hirnlose Bemerkung auch nicht gerade dazu bei, den Schülern die Verunsicherung zu nehmen. Oder wenn jemand wirklich beschimpft wird, nur weil er nicht die Antwort gibt, die der Lehrer gerne hätte. Oder wenn der Lehrer mit ausgestrecktem Arm die 1. Strophe der Nationalhymne singt, um das III. Reich angeblich lächerlich zu machen. Oder wenn ein Punktesystem verwendet wird, das die schlechten massiv, die durchschnittlichen auch benachteiligt; die Guten aber noch besser macht- Oder wenn Lehrer sich alle Einwände der Schüler (und Eltern anhören), wider besseren Argumenten aber trotzdem so weiter machen wie zuvor In meiner 13jährigen Schullaufbahn habe ich maximal 2-3 wirkliche Pädagogen "genießen" können. |
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| | #54 (permalink) |
| ~~~~~~~~~~~ | zur Diskussion über mündliche Noten: ich hatte in Klassenarbeiten meistens durchschnittliche Noten. Im Unterricht habe ich mich fast nie gemeldet und hab deswegen oftne 4-5 im Mündlichen bekommen. Was mich dabei IMMER gestört hat war, dass die Klassenbeste ganz automatisch eine 1-2 fürs Mündliche in JEDEM Fach bekommen hat- obwohl die sich ungelogen einmal im Halbjahr gemeldet hat!!! Ist es also ok, jemandem mit nicht so guten Klausurnoten ne schlechte mündliche Note zu drücken- weil der "eh nicht gut ist"? Und beim Klassenbesten andersrum- der weiß das, "braucht" es aber nicht noch extra mündlich zu beweisen?? Und was ist mit dem Fall: jemand ist in den Klausuren nicht gut, könnte es mündlich aber gut bringen und meldet sich aber nicht, weil er sich nicht traut? Also sorry, aber wenn schon, denn schon. Ich hab mir geschworen, sollte ich jemals Lehrerin werden, würden die schweigsamen Klausurenhelden genauso eine fünf im Mündlichen verpasst kriegen wie andere, die im Unterricht nichts sagen! (Da haben einige Glück gehabt, denn ich bin nicht Lehrerin geworden |
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| | #55 (permalink) | |
| Forums Oma Registriert seit: 20.01.2007 Ort: Bergisches Städtedreieck Alter: 61
Beiträge: 3.029
| Zitat:
Und mancher Lehrer merkt dann halt nicht, warum seine Erklärungen nur für die Hälfte seiner Schüler was bringen, während die anderen es durchaus auch verstehen könnten, wenn er es nur auf andere Weise erklären würde.
__________________ Wir haben nur diese eine Welt, die unser aller Mutter und Heimat ist. Nur gemeinsam können wir sie uns erhalten. | |
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| | #56 (permalink) | |
| Ze'ev ha-shalom Registriert seit: 13.04.2007 Ort: Aquisgrana Alter: 22
Beiträge: 111
| Abend allerseits Zitat:
Andererseits waren die Erklärungen eines weiteren Quereinsteigers -derjenige war Chemiker- trotz Brillianz des Fachwissens nicht sehr hilfreich... An der Universität hingegen verfügen die Professoren ja nicht über eine pädagogische Ausbildung, aber auch hier kann ich ganz gezielt in "naturgegebene" Pädagogen mit großen didaktischen Fähigkeiten und Professoren bar jeglicher didaktischen Fähigkeiten unterteilen (bei letzteren macht es mehr Sinn, die jeweiligen Vorlesungen gemütlich zu Hause mit einem Lehrbuch nachzuarbeiten...wäre diese Möglichkeit doch auch in der Schule gegeben gewesen) Insofern ist meine Meinung, dass universitär vermittelte pädagogische Kenntnisse, praktisch ein theoretisches Grundgerüst der Pädagogik, nicht so essentiell sind wie eine angeborene didaktische Fähigkeit, sofern so etwas existent ist. Wer z.B. schon in der Schule Probleme hatte, den Mitschülern Dinge zu erklären, wenn er gebeten wurde, wird durch ein Pädagogikstudium kaum zum brillianten Didaktiker, obwohl sie/er die eigenen Fähigkeiten wahrscheinlich um einen gewissen Grad verbessern wird. Wer hingegen schon immer ganz gut "den Lehrer gespielt" hat, wird auch keine pädagogische Ausbildung brauchen. Shalom, Iblis
__________________ Al taster pameha mimeni - beyom zar li. Hate elay, elay ozneha - beyom ekra maher aneni. | |
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| | #57 (permalink) |
| makka tiamat | ohne das nicht so gute Schulsystem verteidigen zu wollen, gebe ich zu bedenken, dass die Lehrer heutzutage bis zur Hälfte der Schulstunden für die Sozialisation der Schüler verwenden müssen, da die Familie (sofern vorhanden) das nicht mehr leisten kann. Da bleibt nur noch die andere Hälfte der Zeit für Wissensvermittlung, vom Eingehen auf den Einzelnen ganz zu schweigen. ZumThema Begabung: Die heutigen Intelligenztests ermitteln nur die mathematisch-logischen Fähigkeiten mir gefällt ein anderer Ansatz viel besser: jeder kann mindestens sieben Begabungen haben: mathematisch sprachlich handwerklich künstlerisch sportlich / die Fähigkeit, sich im Raum zu bewegen sozial die Fähigkeit, übergeordnete Zusammenhänge zu erkennen wenn eine Begabung sehr stark ausgeprägt ist, ist oft eine andere schwächer ein weiterer Ansatz dazu: wenn ein Kind eine Begabung schon hat, sollten die schwächeren Ansätze gefördert werden, damit das Kind ausgewogen ist gefällt mir gut in meiner Biografie wars ich als Hochbegabte echt leid, mir ständig von den anderen Leuten anhören zu müssen, wie anders ich bin. Mit den Lehrern gabs nie Probleme lg anandie |
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| | #58 (permalink) |
| Wiccander Registriert seit: 02.02.2007 Ort: zwischen Rems und Murr Alter: 49
Beiträge: 127
| @Anandie: da hast du sicher recht. Ich war mathematisch-naturwissenschaftlich noch nie auch nur im mindesten begabt, und da dran hat sich auch nichts geändert, während mir Sprachen oft nur so "zufliegen". Meiner Tochter geht's genauso: der Klassenlehrer (Mathe und Physik) hatte um ein Elterngespräch gebeten, weil er in den Erzählungen der Latein-, Französisch- und Englischlehrerin seine "Problemschülerin" gar nicht wieder erkannte. Zum Glück scheint er das begriffen zu haben, denn er meinte, sie solle das "weiter ausbauen", sich halt wenigstens einmal in der Stunde auch in Mathe zu Wort melden, damit er weiß, ob sie überhaupt noch da ist. Er hat jetzt nicht viel davon gehalten, ihren Lernschwerpunkt auf Mathe zu verlegen, wohl wissend, dass sie da nie Klassenbeste wird. |
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| | #59 (permalink) |
| makka tiamat | @Suebin ".......dass sie da nie Klassenbeste wird" trotzdem nicht aufgeben meine Schwäche ist manuell, schlechte Schrift, Handarbeiten o graus usw. aber für mich war das völlig normal, länger zu brauchen wie die anderen als Kind wußte ich nichts über die Schwäche mit viel Übung kann ich nun schön schreiben, nähen, habe ausgebaut. und ich bin auch kein Sport As, aber es hat mir immer Spaß gemacht und ich habe viel Sport gemacht lg anandie |
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| | #60 (permalink) |
| Drachenseele Registriert seit: 19.05.2007 Ort: NRW Alter: 28
Beiträge: 303
| Naja meine Schulzeit war eh ziehmlich verkorkst, aber im großen und ganzen habe ich es nicht anders erlebt. Dabei ist es aber weniger so das wie hier gesagt versager produziert werden, sondern das viele lehrer schüler einfach nur schlecht reden. Dahmals an der Realschule hatte ich einen Mathelehrer, von dem immer Sätze kahmen, wie: "Wozu unterrichte ich euch über haupt noch, ihr seid doch eh die nächste Harz IV generation". Und da war er nicht der einzige. An den Schuhlen wo ich war galten schüler den meisten Lehrern generell als abschau. und benotet wurde meist weniger nach Leistung als denn nach Nase. Die die fleißig gekrochen sind bekahmen die guten noten. wohingegen Leute die sich zwar redlich bemüht haben aber nur leicht aus dem rahmen fielen gnadenlos gebügelt wurden. So etwas wie eine Klassengemeinschaft habe ich nie erlebt, denn jeder hat für sich versucht seinen hintern zu nach vorne zu retten, und wenn er dafür über die gesichter anderer steigen musste wurde das in kauf genommen. Das fürte schnell zu grüpchen bildung und intrigen klima worunter auch die Lehrn athmosphäre Litt. Ich bin nur froh das ich diese zeit hinter mir habe. Schule ist ein Ort von Demütigung, machtspielchen und gewalt. Ein microcosmus dessen was in unserer gesellschaft alles schief läuft, in dem man sehr schell den halt verlieren kann.
__________________ „An sich ist nichts weder gut noch böse; das Denken macht es erst dazu.“ William Shakespeare (1564 – 1616) |
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