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| | #1 (permalink) |
| Fluffy Bunny Registriert seit: 01.01.2009 Alter: 20
Beiträge: 1
| Pilze Grüß euch! Habe da eine Frage die mich beschäftigt. Vor einigen Tagen, hat mir n Kumpel Pilze andrehen wollen (bewusstseins verändernde, durch die man angeblich halluzinationen bekommt und nur noch im geringen maße sein Handeln lenken kann). Da ich Drogen gegenüber kritisch eingestellt bin, lehnte ich dankend ab. Nun wusste er aber dass ich mich sehr für die Sitten und Gebräche der Germanen interessiere und verwies mich auf die angebliche Tatsache, dass u.a. die Germanen, bevor sie ihre Kämpfe und Schlachten bestritten Pilze aßen, zum einen um zum weniger Anfällig für Schmerzen zu sein und zum anderen nicht mehr darüber nachdenken zu müssen was sie tun. Ich hielt dieses Argument zwar für absurd weil ich im hier und jetzt lebe und nicht vorhabe demnächst einen Kampf auszutragen aber dennoch stellt sich mir die Frage: wie viel ist dran?..Gab es wirklich Stämme bei denen es Sitte war sich vor Kämpfen Pilze reinzupfeifen? Wäre für mich jedenfalls wenig Sinnvoll, da man im Kampf Mann gegen Mann und bei Schlachten sowieso viel taktieren muss um Feinde zu bezwingen, was wie ich denke zugedröhnt nur bedingt möglich ist. Weiß jemand mehr darüber..? Hoffe ich bin in diesem Forum an der halbwegs richtigen Adresse für die Frage! LG. Fafnir |
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| | #2 (permalink) |
| Wurzeldepp Registriert seit: 22.01.2007 Ort: Im Naabtal- südlich des Fichtelgebergs Alter: 33
Beiträge: 97
| Hallo! :] Das grundlegende Problem bei solchen Fragen ist, dass die alten Völker Europas fast keine schriftlichen Aufzeichnungen über ihre Kulturen hinterlassen haben. Was wir zu wissen glauben, beruht weitgehend auf den Aufzeichnungen römischer oder christlicher Autoren, die das Ganze von aussen und noch dazu aus nicht allzu wohlwollendem Blickwinkel betrachtet haben. Das mit den Pilzen ist ein weit verbreitetes Gerücht unter "Druffis", meistens, um den eigenen Konsum zu rechtfertigen. Ähnliches hört man in solchen Kreisen auch immer wieder über alle anderen bekannten Kraftpflanzen, vor alllem über jene, die man in Head Shops kaufen oder selber sammeln kann. Unsere Vorfahren werden ihr botanisches Umfeld mit Sicherheit konstruktiv zu nutzen gewusst haben, aber wie das im Einzelnen aussah, kann man heute kaum noch mehr als mutmassen. Von den Berserkern heisst es, dass sie sich vor dem Kampf in eine Art aggressive Trance hineinsteigerten, die so genannte Berserkerwut. Aufgrund der in alten Schriften beschriebenen Symptome mutmassen Ethnobotaniker, dass hier möglicherweise auch Zubereitungen von Fliegenpilz und ähnlichen enthemmenden Götterpflanzen zur Anwendung kamen. Und der originale Met soll auch diverse heute nicht mehr verwendete psychoaktive Zusatzstoffe enthalten haben, das Wort "Pils" kommt angeblich daher, dass manchen Bieren früher Bilsenkraut beigemengt war... Bei den Pilzen, die dein Kumpel dabei hatte, handelte es sich wahrscheinlich um irgend eine der weit verbreiteten Psilocybe- Gattungen, die sind relativ leicht zu erwerben bzw. in freier Wildbahn zu finden. Enthemmend wirken sie durchaus, allerdings auch stark antidepressiv und harmonisierend, so dass ich aggressive Tendenzen bei Konsumenten eher ausschliessen würde. Das ist eher bei Nachtschattendrogen wie Stechapfel, Bilsenkraut, Zaunwinde etc. der Fall. Oder eben beim Fliegenpilz. ;]
__________________ Geselle ist, wer was kann. Meister ist, wer was ersann. Lehrling ist jedermann. Inschrift der Handwerkersäule in Trier Mier wissmer ahnn Scheisdrähgg. A. S., steinpfälzischer Energetiker |
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| | #3 (permalink) |
| Nebelkrähe | Puh, was'n Thema am frühen Morgen im Jungen Jahr *ächz* Tjo @ Fafnir, von mir bekommst du in Bezug auf Berserker, Ulfhednar auch nur ein paar Brocken wilde Spekulation, denn wie Xreature bereits feststellte, genaues weiß man nicht. Es gibt Hinweise auf ekstatische Raserei im Zusammenhang mit Kriegs-, Kampfhandlungen. Z.B. Waffenfunde in Opfermooren. Diese (ziemlich sicher) erbeuteten und geopferten Waffen waren absichtlich unbrauchbar gemacht worden um sie dem menschlichen Gebrauch zu entziehen und ausschließlich den Göttern zugänglich zu machen. Laut römischen Quellen galt dies manchmal auch für die gesamte Ausrüstung des besiegten Gegners, einschließlich Gefangenen, deren Pferden usw. Nicht immer und grundsätzlich, aber es gab solche Fälle. Heute spricht man bei ähnlichen Vorfällen übrigens von Massaker, Blutrausch, Kriegsverbrechen. Da liegt meiner Meinung einer der Kerne des Pudels sozusagen. Krieg ist ein zwar menschlicher aber außerzivilisierter Zustand. Möglich, dass Menschen mit einer animistischen Weltsicht, wie die antiken und völkerwanderungszeitlichen Germanen wohl eine hatten, sich für kriegerische Zwecke mit den entsprechenden Geistern und Göttern verbanden. Nicht alle und nicht immer, aber es gibt Hinweise, Überlegungen, Spekulationen in Richtung ekstatischer Kriegerkulte. Im Rahmen eines solchen bewaffneten Kultes um Kriegsgötter (Wodan z.B. ist nicht nur Kriegsgott, er steht nicht nur für Tod, wuotan bedeutet WUt, außer sich sein) gab es bestimmt allerhand Trance"techniken". Warum nicht auch Rauschdrogen? Inwieweit das "nur" kultische, spirtuelle Bedeutung hatte oder sich auch in konkreten Kriegsgeschehen niederschlug, wird wohl nie jemand genau feststellen können. Ich denke, dass es kein Kult für "jedermann" für den Alltag war. Gleichwohl mag das dahinterstehende Prinzip den meisten Menschen damals von der Sichtweise her eingeleuchtet haben und selbstverständlich erschienen sein. Aber "beliebt" war es bestimmt nicht. Soviel Nähe zu vernichtenden mächtigen Göttern ist furchteinflößend und der "Otto-Normal-Germane" wird zugesehen haben, dass er möglichst nüchtern in eine unausweichliche Schlacht zieht, diese überlebt und danach wieder unversehrt seinen Tagwerk nachgehen kann. In diesem Sinne, ein produktives, friedliches Jahr dir und einen klaren Kopf
__________________ insprinc schublandun. Geändert von wetterleuchten (02.01.2009 um 12:14 Uhr) |
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| | #4 (permalink) |
| Katzenschwester Registriert seit: 14.11.2008 Ort: Hammerfest\Norwegen Alter: 60
Beiträge: 76
| Eine ganz dumme Randbemerkung, die nichts mit dem Thema zu tun hat: Ich dachte, das Pils heisst Pils weil es nach PILSener Art gebraut wird. Mit BILSenkraut hat das wohl wenig zu tun....
__________________ Panta rhei Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist den Augen unsichtbar. |
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| | #5 (permalink) |
| Nebelkrähe | Bilsenkraut - Pils, das ist glaube ich eine Theorie von Hans Christian Rätsch. Tatasache scheint aber zu sein, dass Bier, ab später Römerzeit und weiter südlich im germanischen Sprachraum auch Wein, oft als Basis für allerhand pflanzliche Drogen (im medizinischen Sinn) verwendet wurde. Alles, was die Hausapotheke hergab: Schmerz- und Fieber lindernde Substanzen genauso wie Stärkungs- und Arzneimittel, Aphrodisiaka und allerhand Zaubermittel für und gegen alles mögliche. Teilweise waren die Mischungen abenteuerlich und auch nicht ganz ungefährlich. Von daher war die Erlassung des Reinheitsgebotes 1516 bestimmt nicht ganz undumm. Met wird hinsichtlich historischem Kult- und Arzneistatus mMn allerdings überschätzt. Wildbienen auszurauben ist nicht ganz ungefährlich und außerdem aufwendig. Ich denke, dass Honigwein eher ein Luxusgetränk mit Seltenheitswert war. Von systematischer Bienenzucht im antiken oder völkerwanderungszeitlichen Germanien ist mir jetzt nichts bekannt. Was aber nix heißen muss, vielleicht habe ich bis dato auch nur nix davon gehört. Und mit Psyllopil(s)zen hat das jetzt auch eher am Rande zu tun. Dient eher dem pharmazeutischen Themenhintergrund
__________________ insprinc schublandun. |
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| | #6 (permalink) | |
| Wurzeldepp Registriert seit: 22.01.2007 Ort: Im Naabtal- südlich des Fichtelgebergs Alter: 33
Beiträge: 97
| Zitat:
Wie gesagt: Da vermischen sich Druffi- Gerüchte mit halbgaren Mutmassungen über schwer zu sichernde historische Fakten. Vor ähnlichen Schwierigkeiten steht man ja beispielsweise auch bei den Runen: Es gibt keine vollständigen Aufzeichnungen über die tatsächliche, ursprüngliche Art der Verwendung und Deutung. Da bleibt uns eigentlich nur die eigene Inspiration und Kreativität. Ich persönlich arbeite schamanisch relativ viel mit dem Anreisen von Pflanzengeistern. Eine Möglichkeit, mit der Kraft der Pflanze zu arbeiten, ohne die Nachteile der Drogenwirkung in Kauf nehmen zu müssen. Im schamanischen Bereich wurden und werden Rauschdrogen und gerade Pilze meines Wissens auch in der Divination verwendet, z.B. soll Fliegenpilz recht gut dazu geeignet sein, Wahrträume herbeizuführen.
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| | #7 (permalink) | |
| Nebelkrähe | Zitat:
![]() Wo ist eigentlich Fafnir? Sitzt pilswerfend auf der Gnitaheide?
__________________ insprinc schublandun. | |
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