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| Sitten und Bräuche Hier könnt Ihr über die Sitten und Bräuche unserer Altvorderen diskutieren. Wie können diese ins heutige Leben integriert werden? Welchen Sinn hatten und haben diese? |
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| | #1 (permalink) |
| Heidschnuckel Registriert seit: 16.03.2007
Beiträge: 87
| scheint ja auch ein wirklich rein christlicher Feiertag zu sein, jedenfalls hab ich bisher keine anderen Hinweise, Bezüge gefunden. Oder kann da irgendjemand noch anderslautende Aussagen/Hinweise beisteuern ? |
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| | #2 (permalink) |
| Gesperrt Registriert seit: 12.01.2008 Ort: Ennepe-Ruhr-Kreis Alter: 41
Beiträge: 265
| zumindest hat der Name (Fron = Herrn) 'des Herrn Leichnam' etwas rein christliches.. Aber doch, er hat eine heidnische Bedeutung: Ich bin am Fronleichnam geboren und habe daher neben dem kalendarischen Geburtstag noch einen, der immer auf einen Donnerstag fällt - und ich bin Heide *gg* |
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| | #4 (permalink) |
| Alter Bote Registriert seit: 15.05.2008 Ort: kurpfalz Alter: 57
Beiträge: 4
| Ich würde beim Wortstamm erstmal auf "Fro" ("Freyr") als Oster- und Fruchtbarkeitsgott der germanischen Mythologie schließen. Seine ganze Leiblichkeit und Pracht entfaltet sich jetzt, in dieser Jahreszeit, umfassend - "Fronleichnam" also in heidnischer Deutung als Fest der Leiblichkeit von Fro. Könnte man etymologisch, kalender- und mythenkundlich natürlich noch viel weiter ausführen, vielleicht ein andermal mehr dazu. |
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| | #5 (permalink) |
| Skaldenmetbrauerlehrling Registriert seit: 08.01.2008 Ort: Südpfalz Alter: 46
Beiträge: 875
| Puhhh, da wagst Du Dich aber in tiefes Wasser. Ich will ja nicht bezwefeln, dass die frühen Christen auch hier ein heidnisches Fest in Ihren Sinne mit eigenen Sinninhalten belegt haben, aber den heutigen Namen auf Freyr runterzubrechen scheint mir doch sehr an den Haaren herbeigezogen; denn der hat mit Sicherheit nicht den Leichnam Jesu aus dem Felsengrab genommen. Zudem ist die Sprachwurzel von "Fro" höchstwahrscheinlich das althochdeutsche Wort Frowe oder Fruwe und bedeutet "Frau", somit bedeutet Fronleichnam nicht mehr und nicht weniger als: Der Tag, an dem die Frauen den Leichnam Christi salbten und bandagierten. Solltest Du doch mehr wissen, dann wüsste ich es auch gerne. ![]() Bernd |
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| | #6 (permalink) |
| Alter Bote Registriert seit: 15.05.2008 Ort: kurpfalz Alter: 57
Beiträge: 4
| Gemach, gemach: „Leichnam“ ist im Althochdeutschen („lihhamo“: Mansion, ahd. Lesebuch, Heidelberg 1932, S. 157) und im Mittelhochdeutschen („licham“ – „lichnam“ist entstellt - : Lexer, „Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch“, Leipzig 1910, S. 146) nicht der entseelte, sondern der Körper schlechthin mit Haut und Farbe, Gestalt und Aussehen; „Fronleichnam“ ist also der Körper des Gottes, der irdische Körper mit anderen Worten, der durch Ihn beseelt und erfüllt ist. Fro / Freyr aber ist der Frühlingsgott, dessen Attribute im Christentum dann z.T. Christuis zugeschrieben wurden. Das christliche Fronleichnamsfest wurde offiziell im 13. Jahrhundert begründet. Es galt damals auch als ein Fest des Sieges über die "Ketzer" - was wunder, wenn man vorchristliche Elemente so "genial" aufnehmen, umdeuten und in ihr Gegenteil verkehren konnte. Dreihundert Jahre später bekämpften die Reformatoren (Luther voran) vor allem dieses Fest des katholischen Kirchenjahres als "unbiblisch", da der Protestantismus versuchte, das Christentum nach dem Motto "sola scriptura" ("allein durch die Schrift") wieder auf seine biblischen Ursprünge zurückzuführen und alles an heidnischen Relikten auszutilgen. Da schließt sich dann der Kreis. |
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| | #8 (permalink) |
| Drache vom Dienst (Admin) | Ob Wikipedia da zuverlässig ist, weiß ich nicht: Fronleichnam – Wikipedia Klingt aber natürlich anders ... Mich würde interessieren, ob sich das etymologisch wirklich so gut zuordnen lässt. lg SF
__________________ Handle, ehe es da ist / Lenk es ehe es wirr wird / Der Weise geht zurück den Weg, den die Menschen gingen / um den Dingen zurückzuhelfen zu ihrer Natur / und wagt nur eines nicht: wider die Natur zu handeln. |
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| | #9 (permalink) |
| inderPupilleellipuPredni | Der Brauch der Marienprozessionen ist ja gerade in Bayern, Österreich, Italien und Spanien noch sehr lebendig --- Maria , "Die Göttin" wird durch die Felder getragen ... um diese zu segnen. So empfinde ich das ... insbesondere wenn ich diese Bilder hier ansehe. Belegen kann ich nix . marienprozession - Google Bilder marienprozession - Google-Suche |
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| | #10 (permalink) |
| ]TtUpAk HcIlMeIz[ | Öh, das gibt's aber nicht nur in Bayern. Ob das hier am Niederrhein jetzt direkt Marienprozessionen sind, weiß ich nicht, dass ich Messdiener war ist schon ne ganze Zeit her (würd ich auch nie wieder tun!). Aber an Fronleichnam finden hier Umzüge der Kirchen statt und dann trifft sich alles im Stadtpark, wo ein gemeinsamer Gottesdienst der Gemeinden stattfindet. Ich hab das Spektakel einmal mitgemacht - nie wieder. Bei knapp 30 Grad saßen wir in den dicken Kutten mit Kerzen in der Hand mitten im Stadtpark in der prallen Sonne, den Schweiß hätte man mühelos auf Flaschen ziehen können *puh*. Die Klamotten bestehen ja auch noch aus zwei Lagen und das Zeug ist ekelig dick. Schön im Winter, aber bei sommerlichen Wetterverhältnissen echt grausam.
__________________ Childhood is not from birth to a certain age and at a certain age The child is grown, and puts away childish things. Childhood is the kingdom where nobody dies. ~Edna St.Vincent Millay, 1937~ Meine Aufmerksamkeitsspanne ist sehr kur-... oh, ein Vögelchen! |
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| | #11 (permalink) |
| Ourewäller Registriert seit: 22.01.2007 Alter: 36
Beiträge: 26
| Dass diverse christliche oder weltliche Feste, die im Frühjahr und Frühsommer stattfinden - Ostern, Pfingsten, Maifeiertag, Christi Himmelfahrt, Fronleichnahm - hier und da Brauchtümer aufweisen, die man heidnisch interpretieren könnte, belegt für mich noch keine eindeutige "Abstammung" eines Festes aus heidnischen Ursprüngen - nicht zuletzt, da ja kaum jemand weiß, wie, wann und was die einzelnenen heidnischen Stämme hier Anno dunnemals gefeiert haben. Ich würde vorsichtiger argumentieren und sagen - die Umzüge zu Fronleichnahm - zum Beipsiel mit Blumenteppichen - oder auch die Wallfahrten zu Pfingsten oder die Feldersegnugen zu, öh, was weiß ich könnten einen Zusammenhang mit den heidnischen Versionen der Feste haben. Aber es könnte auch sein, dass sich das Himmlers Ahnenerbe Anno 1943 ausgedacht hat *eg*. Viele heidnisch anmutenden Brauchtümer (Frühlingsumzüge zum Beispiel) sind ja erst im 19./20, Jahrhundert aufgekommen und in einem romantischen oder völkischen Geiste bewusst so konstruiert worden. Und, wer weiß, vielleicht liegt es einfach in der Natur des Menschen, im Frühjahr Lust auf Feste und Draußensein zu bekommen und mal zu hoffen, dass das Zeug auf den Äckern auch gut wächst, was er dann gemäß seiner Religion "einkleidet". Übrigens - bei Fronleichnahm geht es um das "nachgeholte" Fest des letzten Abendmahls, also um die Wandlung Hostie - Leib Christi in der Eucharistie. Eigentlich wäre das Gründonnerstag dran, aber da hat man ja schon so viel Karfreitag und Ostern, also wurde es verschoben. Nur das am Rande. Bodecea
__________________ Ourewäller. Mer sinn so. Mer derfe des. |
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| | #12 (permalink) |
| Heidschnuckel Registriert seit: 23.01.2007 Ort: Lahntal Alter: 38
Beiträge: 58
| Moin, Fro und Frouwe bedeutet seinem Ursprung nach "Herr" und "Herrin" - wie Freyr und Freyja auch. Ich nehme also an, dass es sich doch wohl eher auf den lieben Herrn Jesus bezieht, anstatt auf die Frauen; Aber Genaueres entzieht sich meiner Kenntnis...(hab Starfires Link aus Zeitmangel jetzt nicht verfolgt) Grüße Kai
__________________ Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist dazu verurteilt, sie neu zu durchleben. (Friedrich Nietzsche) |
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