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Sitten und Bräuche Hier könnt Ihr über die Sitten und Bräuche unserer Altvorderen diskutieren. Wie können diese ins heutige Leben integriert werden? Welchen Sinn hatten und haben diese?

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Alt 06.04.2008, 14:06   #1 (permalink)
Neugieriges Pflock-Goggle
 
Registriert seit: 30.03.2008
Beiträge: 6
Bräuche, Rituale Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett

Hallo Ihr Lieben!
habe vor einiger Zeit meine Hebammenarbeit an den Nagel gehängt und suche neue Wege. Was mich interessiert ist ob Euch Bräuche und Rituale bekannt sind, die speziell Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett und so was betreffen.
Weites Feld, sehr spannend und hoffentlich von Euch zu beleuchten.
Freue mich auf eventuelle Erfahrungsberichte oder ähnliches.

vielen Dank und liebe Grüße
Heilrun ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.04.2008, 22:13   #2 (permalink)
Milvus milvus
 
Benutzerbild von Eira Redkite
 
Registriert seit: 21.01.2007
Ort: Halle (Saale)
Alter: 32
Beiträge: 42
Ja, superspannendes Thema!

Ich kenne den Brauch, dass die Nachgeburt / Plazenta im Garten vergraben wird und ein Bäumchen darüber gepflanzt wird - quasi als Lebensbaum, der zusammen mit dem Kind aufwächst. Leider ist das nicht immer möglich, vor allem nicht, wenn man im Krankenhaus entbindet.

Die Idee finde ich aber ganz toll, wir haben schon drei Lebensbäume im Garten und bald kommt der vierte Senker dazu !
__________________
Dw i ar fy ngwyliau yma!
("Ich mache hier Urlaub!")
Eira Redkite ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.04.2008, 15:04   #3 (permalink)
Neugieriges Pflock-Goggle
 
Registriert seit: 30.03.2008
Beiträge: 6
ein wenig weiß ich ja schon

wie gesagt traf ich 1992 das erste mal mit einem heidnischen Brauch zusammen als unsere Berufskundelehrerin den Ursprung der Bezeichnung "Hebamme" erklärte.
Stammt vom germanischen Hevi-anna ab. Also "Hebe-Ahnin" Ahnin=Großmutter natürlich. Der Brauch bestand wohl darin, dass nach der Geburt die Hevi-anna
dem Vater das Kind zu Füßen legte. Erkannte er es an, dann "hob" sie es auf und reichte es ihm. Nach welchen Kriterien er entschied ist nicht eindeutig. Man weiß aber, dass er zum Beispiel dem Kind seinen Speer o.Ä. reichte. Griff das Kind zu, war es ein gutes Zeichen. (so abwegig ist das nicht, die Reflexe werden heute noch geteste um zu sehen ob ein Kind gesund ist - natürlich nicht ausschließlich) Ob ein Kind "lebenfähig" war oder nicht, hatte damals natürlich eine ganz andere Bedeutung. Außerdem spielte der Geisterglauben eine Rolle.
Dann, so habe ich gelesen und weiß nicht mehr wo, soll geschaut worden sein, nach welchem der Ahnen der kleine Sprößling kam. Danach wurde der Name ausgewählt. Fand man keinen, dann gab es einen "neuen" Namen, mit dem das Kind einer Gottheit geweiht wurde. (Thorgerd, Urda...) Bitte mich unbedingt berichtigen wenn es jemand ander weiß!!!!!!!! -so habe ich mir immer versucht zu erklären, dass es Namen gibt, die einem Gott zu geordnet werden und andere nicht.
Ob, wie in anderen Kulturen die Zeit der Namensgebung mit dem Abfallen des Nabelschnurrestes zusammen hing, weiß ich nicht. In dieser Zeit wird in vielen Naturkulturen das Kind noch in Ruhe gelassen, es gilt als noch nicht "gelandet" und muss langsam ankommen.
kann jemand das sagen?

Die Idee mit der Plazenta und dem Baum, den man drauf pflanzt ist sehr schön.
Man kann sie in jedem Fall auch aus der Klinik mitnehmen. Sie gehört Dir ja!
Außerdem zählt sie, medizinisch betrachtet zum kindlichen Gewebe. Sprich sie gehört eigentlich dem Kind.
Allerdings heißt sie nicht desshalb Mutterkuchen, weil das Kind sie essen soll.
sondern sie ist das absolute Wunderding für die Gesundheit der Mutter.

Falls Bedarf ist, kann ich darüber mehr berichten, meistens müssen die Leute diesen Gedanken erstmal verdauen. (obwohl es sich langsam rumgesprochen haben dürfte)

jut, erstmal so viel. lasse mich gern inspirieren und nat. auch berichtigen.

liebe Grüße

Heilrun
Heilrun ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.04.2008, 17:05   #4 (permalink)
oder der Schwede?
 
Benutzerbild von paulderfinne
 
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Beiträge: 370
Zitat:
Zitat von Heilrun
Stammt vom germanischen Hevi-anna ab. Also "Hebe-Ahnin" Ahnin=Großmutter natürlich.
Entschhuldige meine Nörgelei, aber diese Etymologie (und die anschließende Erklärung mit dem "Kind vor die Füße legen") kam mir doch etwas suspekt vor. Und siehe da: In meinem Mackensen, Ursprung der Wörter, steht, dass das eine Volksetymologie ist. Also Vorsicht mit solchen Behauptungen von "Berufskundelehrerin"nen.
paulderfinne ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.04.2008, 17:53   #5 (permalink)
Eichelhäher
 
Benutzerbild von scréachóg
 
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Beiträge: 633
Zitat:
Zitat von Eira Redkite Beitrag anzeigen
Ich kenne den Brauch, dass die Nachgeburt / Plazenta im Garten vergraben wird und ein Bäumchen darüber gepflanzt wird - quasi als Lebensbaum, der zusammen mit dem Kind aufwächst.
Ja, das haben wir auch gemacht - und so wachsen nun in unserem Garten eine Eberesche, ein Holunder und ein Weissdorn...

Inwieweit man das jetzt nun "heidnisch" nennen kann, weiss ich nicht - aber das finde ich, ehrlich gesagt, auch nicht wichtig.
__________________
der firno situ - alte sitte schweiz
scréachóg ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.04.2008, 22:53   #6 (permalink)
Forums Oma
 
Benutzerbild von Lidania
 
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Beiträge: 3.029
Zitat:
Zitat von Heilrun Beitrag anzeigen
Stammt vom germanischen Hevi-anna ab. Also "Hebe-Ahnin" Ahnin=Großmutter natürlich. Der Brauch bestand wohl darin, dass nach der Geburt die Hevi-anna
dem Vater das Kind zu Füßen legte.

Also das finde ich jetzt überraschend. Bei den alevitischen Kurden in unserer Familie wird die Großmutter mit Kosewort "ebe" genannt und Mutter heißt "ana".
"ebe" wiederum ist auch gleichzeitig das Wort für Hebamme.
__________________
Wir haben nur diese eine Welt, die unser aller Mutter und Heimat ist.
Nur gemeinsam können wir sie uns erhalten.

Lidania ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.04.2008, 01:11   #7 (permalink)
Neugieriges Pflock-Goggle
 
Registriert seit: 30.03.2008
Beiträge: 6
dank an den "nörgelnden" PaulderFinne

das finde ich nun wieder spannend. ...da geht man das halbe Leben von etwas aus... Naja. Ich fände es schön, es berichtigen zu können - Es ist tatsächlich so, dass viele meiner Kolleginnen dann wohl vom falschen Ursprung ausgehen. Weißt Du wo ich es nachlesen kann?

Gibt es Quellen, wo man erforschen kann, welche speziellen Rituale die Germanen rund um dieses Thema hatten?

-------------------------------------------

Stimmt! ebe heißt Hebamme auf Türkisch. Habe mal einen Sprachkurs "Türkisch im Kreißsaal" belegt. Ana/Ane heißt Mutter.
Übrigens habe ich dort, bei den türkischen Familien auch den Brauchl kennen gelernt, dass die Hebamme dem Vater das Kind reicht und dafür ein Geschenk bekommt. (einmal sogar einen goldenen Ring, den der Vater während der Geburt trug. Der liegt jetzt auf meinem Altar) Da bei den türkischen Familien so gut wie niemals Hausgeburten vorkommen, zumindest hatte ich nie eine, weiß ich auch nicht, wie es dann währe - schade)

liebe Grüße
Heilrun
Heilrun ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.04.2008, 13:12   #8 (permalink)
oder der Schwede?
 
Benutzerbild von paulderfinne
 
Registriert seit: 21.01.2007
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Alter: 55
Beiträge: 370
Also, ich glaube, dass die Etymologie des Wortes Hebamme einfach nicht bekannt ist.
Was mich stutzig machte war der Wechsel Anne > Ahne >Amme. Da kenne ich kein anderes Beispiel.

Während ein Wechselsvon W > B in der sogenannten hochdeutschen Lautverschiebung überaus häufig ist, (Siehe beispielsweise Engl. have dt. haben, engl.. starve dt. sterben...)
bleiben n und m bestehen.
paulderfinne ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.06.2009, 12:32   #9 (permalink)
inderPupilleellipuPredni
 
Benutzerbild von Regenbogen
 
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Beiträge: 1.113
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Zitat:
Zitat von scréachóg Beitrag anzeigen
Ja, das haben wir auch gemacht - und so wachsen nun in unserem Garten eine Eberesche, ein Holunder und ein Weissdorn...

Inwieweit man das jetzt nun "heidnisch" nennen kann, weiss ich nicht - aber das finde ich, ehrlich gesagt, auch nicht wichtig.
Mir fällt dazu ein Spruch ein: "Ein Baum ist ein Liebesgedicht, das der Himmel an die Erde schreibt."
ich stelle mir gerade dieses dreifarbige Gedicht in Eurem Garten vor und muss lächeln .


Wg. der Frage, ob mensch das nun astrein heidnisch gemacht hat oder nicht ... :
Ich koche sehr oft in Abweichung von irgendwelchen Rezepten ... schmeisse manchmal wüst Dinge durcheinander ... und so findet sich schonmal Sauerkraut sonstwo ....
Mir schmeckt es meist ... Gästen nicht immer ... meinem Sohn auch nicht.

Bei diesen Kochaktionen - und als Rechtfertigung bei Schimpfe - ... kam mir irgendwann mal die Idee, dass ja ein Kochrezept nicht ... schon mit der Welt mitgeliefert worden ist, als die ins Leben kam ... sondern auch von i. welchen Sterblichen wie meinereine ... erfunden worden ist.

Uuuund so dürfen wir froh weitererfinden ... ... und "unseres" tun ... wie befreiend!! (und wenn es dann nicht nur mir schmeckt sondern auch den anderen, dann singt das Herz noch froher
!)


El Regenbogen

__________________
"Grün – warmes und gutes Licht. Magenta – aztekisch. Tlapali, altes Kaktusfeigenblut, die lebendigste und älteste [Farbe]. (Erde. (Gelb) Teil der Sonne und der Freude. (Blau) Elektrizität und Reinheit Liebe. (Blattgrün) Blätter, Traurigkeit. (Blau) Entfernung. Auch Zärtlichkeit kann von dieser Farbe sein. (Rot) Blut? Ach, wer weiß!" - Frida Kahlo


Geändert von Regenbogen (30.06.2009 um 13:54 Uhr)
Regenbogen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.07.2009, 02:55   #10 (permalink)
WaLDgRÜnLeBeNsFaRbenFroH
 
Benutzerbild von PachaMama
 
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Bin dem Link von Paulderfinne gefolgt und weiter... hab dabei "das deutsche Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm" gefunden u. darin die Etymologie des Wortes "Hebamme"/hewi-anna

Ansonsten fällt mir ein, dass Neugeborene durch eine Öffnung im Baum o. durch einen hohlen Baum gehoben werden, um ihnen Glück zu bringen bzw. als Symbol für die gut überstandene Geburt. In welcher Völkergruppe dies aber geschieht oder geschah, hab ich vergessen. Hab aber mal was ähnliches in einem Buch über Märchen aus Cornwall gelesen.
__________________
Nimm Dir jeden Tag die Zeit, still zu sitzen und auf die Dinge zu lauschen.
Achte auf die Melodie des Lebens, welche in dir schwingt.

Gautama Buddha
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