PanPagan
 


Zurück   PanPagan > Magische und philosophische Systeme > Schamanismus

Schamanismus Grundlegende Informationen und Diskussionen über Schamanismus und seine praktische Anwendung, seine Herkunft, wie man daran eilhaben kann...

Antwort
 
LinkBack Themen-Optionen Ansicht
Alt 10.01.2010, 16:44   #41 (permalink)
~**~*°*~**~
 
Benutzerbild von Wælceasig
 
Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 214
Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
Die übliche Lehrmeinung ist aber auch, das es keine rationale Grundlage für das Wirken eines Schamanen gibt

Ich nehme mal an, du sprichst von der heutigen Lehrmeinung irgendwelcher wissenschaftlicher Fächer wie Ethnologie oder Religionswissenschaft, bzw. nur eines bestimmten Faches.
Falls ja, welches?

Und kannst du mir sagen auf welche Grundlagenwerke sich diese Lehrmeinung stützt?
Wælceasig ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.01.2010, 18:28   #42 (permalink)
Draco Nobilis
 
Benutzerbild von Harser
 
Registriert seit: 23.01.2007
Ort: Berlin (Nordrand)
Alter: 40
Beiträge: 175
Zitat:
Zitat von Wælceasig Beitrag anzeigen
Ich nehme mal an, du sprichst von der heutigen Lehrmeinung irgendwelcher wissenschaftlicher Fächer wie Ethnologie oder Religionswissenschaft, bzw. nur eines bestimmten Faches.
Falls ja, welches?
Ich meine vor allem Religionswissenschaft, und auch Geschichtswissenschaft. Erstere sieht alles durch die monotheistische Brille, und da ist der Schamane Vertreter der animistischen Urreligion, und per se primitiv.

Die Geschichtswissenschaft konzentriert sich auf die Analyse, was geschehen ist, der Zweck, warum die Menschen damals etwas gemacht werden, wird eher am Rande behandelt, und die Frage der Wirksamkeit schamanischer Rituale in der Urzeit wird meines Erachtens oberflächlich behandelt nach dem Schema: "Die Götter besänftigen"

Die Ethnologie würde ich ausklammern, die sich in der Frage der Wirksamkeit der Rituale eher neutral steht, aber sie immerhin so detailliert wie möglich beschreibt.
Zitat:
Und kannst du mir sagen auf welche Grundlagenwerke sich diese Lehrmeinung stützt?
Statt Lehrmeinung sollte ich wohl eher Paradigma sagen, als Basisannahme, die nicht hinterfragt wird, die bedingungslos verausgesetzt, die im Idealfall nicht einmal formuliert werden muss.

Ein Lehrbuch kann ich jetzt nicht benennen. Meine (Vor-)urteile habe ich vor allem aus Diskussionen mit einem Wissenschaftler gewonnen, der sich mit der normalen Lehrmeinung über Schamanen auskannte und sie so auch vertreten hat.
__________________
Grüße
Harser
Harser ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.01.2010, 18:44   #43 (permalink)
Gesperrt
 
Registriert seit: 23.01.2007
Ort: das hübsche Sauerland
Alter: 28
Beiträge: 729
Blog-Einträge: 7
Ich find das Thema in diesem Artikel von Wurzelwerk auch sehr passend beschrieben.

Auf der Suche nach der europäischen Schamanentradition (1) WurzelWerk's OnlineMagazin
Ferun Namid ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.01.2010, 00:46   #44 (permalink)
Sternenfussel
 
Benutzerbild von calluna
 
Registriert seit: 30.04.2009
Ort: Multiversum
Beiträge: 264
Ha, Geisterwesen, war schneller! Diesen Artikel wollte ich auch gerade empfehlen. (Martin Marheineke schreibt ja generell sehr durchdachte und lesenwerte Artikel - das ist in diesem Fall auch nicht anders.)

Für die Ungeduldigen: Den gesamten Artikel hat der Autor auch schon beim Nornirs Aett publiziert. Hier der Links zum ersten Teil: Auf der Suche nach der europäischen Schamanentradition - Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt - für die weiteren Teile einfach auf den Link am Ende jedes Teils klicken.
calluna ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.01.2010, 18:09   #45 (permalink)
~**~*°*~**~
 
Benutzerbild von Wælceasig
 
Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 214
Hi, Harser

Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
Ein Lehrbuch kann ich jetzt nicht benennen. Meine (Vor-)urteile habe ich vor allem aus Diskussionen mit einem Wissenschaftler gewonnen, der sich mit der normalen Lehrmeinung über Schamanen auskannte und sie so auch vertreten hat.
Ich habe eher den Eindruck, deine (Vor-)Urteile beruhen eben darauf, dass du meinst, die persönliche Meinung dieses einen Wissenschaftlers sei Lehrmeinung oder Paradigma einer ganzen Wissenschaft, oder sogar mehrerer.

Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
Ich meine vor allem Religionswissenschaft, und auch Geschichtswissenschaft. Erstere sieht alles durch die monotheistische Brille, und da ist der Schamane Vertreter der animistischen Urreligion, und per se primitiv.
Kann das sein, dass du da Mircea Eliade, Frazer, Ellis-Davidson, Magaret Murray und andere Leuts von Anno Dazumal im Kopf hast, die zwar gerne in Heidenkreisen gelesen werden und auch fast immer als Quellenangabe in esoterischen Büchern über Schamanismus auftauchen, aber rein gar nichts mit der modernen wissenschaftlichen Lehrmeinung zu tun haben?

Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
Die Geschichtswissenschaft konzentriert sich auf die Analyse, was geschehen ist, der Zweck, warum die Menschen damals etwas gemacht werden, wird eher am Rande behandelt, und die Frage der Wirksamkeit schamanischer Rituale in der Urzeit wird meines Erachtens oberflächlich behandelt nach dem Schema: "Die Götter besänftigen"
Jetzt bin ich aber wirklich neugierig, welche modernen Historiker sich mit dem fachfremden Thema Schamanismus beschäftigen, so dass die Geschichtswissenschaft an sich dazu eine klare Stellung/ein Paradigma haben sollte...
Wælceasig ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.01.2010, 18:56   #46 (permalink)
Draco Nobilis
 
Benutzerbild von Harser
 
Registriert seit: 23.01.2007
Ort: Berlin (Nordrand)
Alter: 40
Beiträge: 175
Hallo Wælceasig,

ich bin gerne bereit, meine gegenwärtige Meinung zu überdenken, wenn ich irgendein handfesten Grund, ein Indiz dazu finde.

Also: Was ist denn deiner Ansicht nach die moderne wissenschaftliche Ansicht über den Schamanismus?
__________________
Grüße
Harser
Harser ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.01.2010, 22:06   #47 (permalink)
~**~*°*~**~
 
Benutzerbild von Wælceasig
 
Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 214
Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen

Also: Was ist denn deiner Ansicht nach die moderne wissenschaftliche Ansicht über den Schamanismus?
Wenn es so etwas wie die moderne wissenschaftliche Ansicht über den Schamanismus gäbe, dann würde ich das tun.
Nur so wie es aussieht, gibt es dieses von dir als vorhanden angenommene Paradigma nicht.

[Edit: So schreibt z.B. Hoppál: "In letzter Zeit hat die Zahl der Werke über den Schamanismus zugenommen, die Abhandlungen wetteifern geradezu mit einander und enthalten die widersprüchlichsten Definitionen." (Nach dem was ich gelesen habe, kann ich dem nur zustimmen... )]

Ich kann dir höchstens die Namen von Standartwerken bzw. Autoren nennen wie Juha Pentikäinen, Mihály Hoppál, Louise Bäckman, Åke Hultkrantz und Michael Oppitz um nur einige aufzuzählen.

Keiner von denen schreibt irgendetwas über "primitiv" oder misst etwas am Monotheismus. (Was nicht viel Sinn machen würde, da Schamanismus nicht als Religion, und somit auch unabhängig von dieser betrachtet wird.)

Definiert wird der Schamane meist über seine Funktion in der jeweiligen Gesellschaft. Von da aus weitergehend wird dann die Funktion des turkmenischen Schamanen oder des mandschurischen Schamanen betrachtet.

Ich fände es ja auch nett, eine klare, von allen geteilte Definition zu haben. Würde einiges leichter machen.
Und wenn es die gäbe, dann könnte man ja auch den traditionellen Schamanen vom Neoschamanen unterscheiden.

Geändert von Wælceasig (12.01.2010 um 22:23 Uhr) Grund: was vergessen...
Wælceasig ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.01.2010, 23:04   #48 (permalink)
Draco Nobilis
 
Benutzerbild von Harser
 
Registriert seit: 23.01.2007
Ort: Berlin (Nordrand)
Alter: 40
Beiträge: 175
Es ist mir schon klar, dass es nicht DIE Ansicht geben kann, trotzdem, den Begriff unschärfer fassend, kann man schon einen Mainstream identifizieren; auch wenn das auf schwammigen Grund ist, möchte ich dich einladen, das zu tun.

Wo du einwendest, dass Schamanismus für den Historiker etwas Fachfremdes ist, kann ich das selbe auch vom Religionswissenschaftler sagen, denn Schamanismus mag an eine Religion zwar angebunden sein, aber es ist keine Religion, und vom Ethnologen, dessen eigentliches Gebiet ja die Kultur, das Volk ist, deren ein Aspekt zwar Schamanismus sein mag, aber ein Aspekt unter vielen, genauso wie Kunst, Essen, Musik, wo auch der Ethnologe ein Fachfremder ist, da er nicht Kunstwissenschaftler, Ernährungswissenschaftler, Musikwissenschaftler ist. Es gibt nicht den Schamanismuswissenschaftler, und so wird das von anderen mitübernommen. Und offenbar am ehesten von den Ethnologen oder Anthropologen, wie die von dir erwähnten Pentikäinen (danke für diesen Hinweis, den werde ich mir mal genauer ansehen), Oppitz.

Was ich meine, kann ich vielleicht an dem von dir erwähnten Artikel von Heiko Grünwedel festmachen. Das ist ein schöner Artikel, liest sich prima. Und doch, finde ich, schleicht er sich wie die Katze um den heißen Brei herum ... da werden die Esser sehr genau beschrieben (der Schweizer und der Tyva), die Schüssel wird beschrieben (das Ritual ... meine Ansicht: das Ritual ist nur die Verpackung, nicht unwichtig, aber nicht der Kern des Ganzen), aber was in der Schüssel drin ist, wird nicht geschrieben, es schimmert nur an einer einzigen Stelle durch: "... spielt die performative, über die gemeinsame Zeit des Rituals hinauswirkende choreographische Kopplung und symbolische Verschränkung der Leben von Klient und Schamane eine entscheidende Rolle ... Klient und Schamane verbinden eine intentionale und symbolische Bedeutung mit dem Vollzug des Rituals, welche eingebettet ist in einen umfassenderen Deutungsrahmen von Krankheit, Gesundheit und die den Menschen umgebende Welt:" Ich lese da zwischen den Zeilen die Annahme, dass die eigentliche Wirkung des Rituals symbolischer Natur ist. Das bleibt hängen, weil nichts anderes dazu steht. Wie auch immer, über den eigentlichen Kern des Ganzen, das eigentliche schamanische Tun steht da nichts. Das ist, was ich in Berichten von Ethonolgen über Schamanismus immer wieder gefunden habe, sie sind wohlwollend den Menschen und der Sache gegenüber, aber beschreiben vor allem den kulturellen Aspekt, aber sind neutral gegenüber dem Aspekt der Wirkung bzw. Wirksamkeit. Das ist jetzt nicht schlimm, ich lese sowas trotzdem gerne, aber es hilft mir nicht so viel bei meiner schamanischen Arbeit.

Ich bin übrigens ablehnend der Annahme gegenüber, dass die Wirkung schamanischer Rituale im Symbolcharakter liegt, (eng verwandt mit der Annahme, dass die Wirkung psychologischer Natur ist). Meiner Erfahrung nach ist so etwas nur Nebeneffekt, unterstützendes Beiwerk, das eigentliche schamanische Tun ist mehr.
__________________
Grüße
Harser
Harser ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.01.2010, 23:23   #49 (permalink)
Draco Nobilis
 
Benutzerbild von Harser
 
Registriert seit: 23.01.2007
Ort: Berlin (Nordrand)
Alter: 40
Beiträge: 175
Mit Lehrmeinung meine ich auch das tatsächlich an den Unis vermittelte Wissen im Gegensatz zu den neueren Arbeiten von Wissenschaftlern, die erst noch in die Lehrpläne durchsickern müssen. Ich hab hier was gefunden ...

Zitat:
Uni Marburg, Pye, Michael
11 602 SE Themen der vergleichenden Religionswissenschaft: Schamanismus
... Beginn: 27.10.98

"Schamanismus" (oder "Schamanentum") bezog sich einst auf religiöse Komplexe vor allem sibirischer Völker, jedoch ist der Begriff inzwischen auf vergleichbare Phänomene in fast allen Regionen der Welt übertragen worden. Das Seminar hat drei Ziele. Erstens sollen sowohl fachgeschichtlich bedeutsame als auch neuere Arbeiten zum sibirischen Schamanismus besprochen werden. Zweitens soll anhand von Beispielen aus anderen Weltteilen (Lateinamerika, Südostasien, Afrika) durch einen vergleichenden Vorgang die Frage erörtert werden, wieweit es sinnvoll ist, den Begriff allgemeiner anzuwenden. Drittens könnte insbesondere auf die geschichtlich komplizierten Verwandlungen des (mit Nordasien verwandten) Schamanismus Koreas und Japans eingegangen werden. ...

Literatur zum Einstieg: Hans Findeisen, Schamanentum (1957) ... Mircea Eliade, Schamanismus und archaische Ekstasetechnik (1975).
das ist zwar schon etwas her, aber ich denke, dass solche Lehrveranstaltungen auch noch heute gemacht werden. Also: Eilade wird nicht nur von Heiden zitiert, sondern auch in den Unis als Lehrbuch benutzt, zusammen mit noch älteren Schinken.
__________________
Grüße
Harser
Harser ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.01.2010, 00:20   #50 (permalink)
~**~*°*~**~
 
Benutzerbild von Wælceasig
 
Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 214
Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
Es ist mir schon klar, dass es nicht DIE Ansicht geben kann,
Ist es das? Da du erst mit "der Lehrmeinung" und "dem Paradigma" kamst, hatte ich da einen gegenteiligen Eindruck.

Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
trotzdem, den Begriff unschärfer fassend, kann man schon einen Mainstream identifizieren; auch wenn das auf schwammigen Grund ist, möchte ich dich einladen, das zu tun.
Ich fürchte, ich verstehe deine Aufforderung nicht so ganz. Was möchtest du, was ich tue?

Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
Wo du einwendest, dass Schamanismus für den Historiker etwas Fachfremdes ist, kann ich das selbe auch vom Religionswissenschaftler sagen, denn Schamanismus mag an eine Religion zwar angebunden sein, aber es ist keine Religion, und vom Ethnologen, dessen eigentliches Gebiet ja die Kultur, das Volk ist, deren ein Aspekt zwar Schamanismus sein mag, aber ein Aspekt unter vielen, genauso wie Kunst, Essen, Musik, wo auch der Ethnologe ein Fachfremder ist, da er nicht Kunstwissenschaftler, Ernährungswissenschaftler, Musikwissenschaftler ist.
Auch hier verstehe ich nicht, was du willst. Ich kenne keine Historiker, die sich von der Sicht und herangehensweise ihres Faches mit Schamanismus beschäftigen.
Religionswissenschaften hingegen beschäftigen sich mit allen Dingen, die mit Religion, Glaube, Spiritualität und wie du es auch immer nennen möchtest, zu tun haben. Und Ethnologen sind Kulturwissenschaftler per se, und da Schamanismus ein Teil bestimmter Kulturen sind, beschäftigen sie sich eben auch damit.
Das sind Tatsachen - bei diesen beiden Wissenschaftszeigen gibt es eine Auseinandersetzung mit den Schamanismus aus der spezifischen Sicht und den Arbeitsmethoden und Werkzeugen des Faches. Das und nichts anderes habe ich sagen wollen. Im Gegensatz eben zur Geschichtswissenschaft.

Und was wolltest du mit deiner Aussage sagen?

Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
Das ist, was ich in Berichten von Ethonolgen über Schamanismus immer wieder gefunden habe, sie sind wohlwollend den Menschen und der Sache gegenüber, aber beschreiben vor allem den kulturellen Aspekt, aber sind neutral gegenüber dem Aspekt der Wirkung bzw. Wirksamkeit. Das ist jetzt nicht schlimm, ich lese sowas trotzdem gerne, aber es hilft mir nicht so viel bei meiner schamanischen Arbeit.
Wenn du erwartest, dass der Bericht eines Ethnologen dir bei deiner schamanischen Arbeit hilft, dann suchst du diese Hilfe wohl an der falschen Stelle. Es ist die Aufgabe des Ethnologen zu beschreiben und nicht zu deuten, was denn da nun feinstofflich geschehen könnte. Darüber Mutmaßungen anzustellen ist weder Ziel der Wissenschaft, noch hat sie überhaupt die Mittel und Werkzeuge dafür.
Wælceasig ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.01.2010, 00:29   #51 (permalink)
~**~*°*~**~
 
Benutzerbild von Wælceasig
 
Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 214
Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
Mit Lehrmeinung meine ich auch das tatsächlich an den Unis vermittelte Wissen im Gegensatz zu den neueren Arbeiten von Wissenschaftlern, die erst noch in die Lehrpläne durchsickern müssen. Ich hab hier was gefunden ...

das ist zwar schon etwas her, aber ich denke, dass solche Lehrveranstaltungen auch noch heute gemacht werden. Also: Eilade wird nicht nur von Heiden zitiert, sondern auch in den Unis als Lehrbuch benutzt, zusammen mit noch älteren Schinken.

Bücher, die in einer Einführungsveranstaltung den Studenten zum Lesen gegeben werden, sind in den seltesten Fällen "Lehrbücher" - Es sind Werke, mit denen der Student sich kritisch auseinandersetzen muss. Das man an Eliade (oder auch an Lévi-Strauss) nicht vorbei kommt, wenn man Ethnologie studiert, steht außer Frage da sie fachgeschichtlich eine große Bedeutung haben.
Das heißt aber nicht, dass die von den "großen Alten" des Fachs einmal vertretenen Ansichten heute noch gelehrt werden. In dem Sinne ist "Schamanismus und archaische Ekstasetechnik" ganz bestimmt kein Lehrbuch. Allein schon deswegen nicht, weil die Methoden mit denen Eliade zu seinem Material kam heute als unwissenschaftlich angesehen werden. Und das muss ganz bestimmt nicht erst in die Lehrpläne sickern, dass gilt schon seit Jahrzehnten.
Wælceasig ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.01.2010, 13:57   #52 (permalink)
Unholy Ghost
 
Benutzerbild von Kevin
 
Registriert seit: 17.09.2009
Ort: Geesthacht
Alter: 21
Beiträge: 48
Die Religionswissenschaft ist ebenso neutral wie die Ethnologie. Es wird nicht beurteilt, ob ein Ritual funktioniert oder nicht.
Ebenso wäre es theologische Exkursforschung, wenn man alles durch die monotheistische Brille sehen würde. Die Religionswissenschaft kann auch durchaus Religionen mit mehreren Göttern oder ohne Gott untersuchen und nachvollziehen.
Auch wird dem Schamanismus in der Religionswissenschaft keine marginale Rolle zugeteilt. In der Gewichtung steht es mit den 5 Weltreligionen auf einer Stufe in unserem Studium. Denn Religionswissenschaft betrachtet keine festen Religionsstrukturen sondern auch mit religiösen Phänomenen, wozu der Schamanismus eindeutig zugehört.
Zudem verschmelzen Ethnologie und Religionswissenschaft ziemlich. Wir haben bei uns an der Uni eben auch das Modul Ethnologie.

Zu der Lehrmeinung und zur eigentlichen Frage:
Es wird in der Religionswissenschaft überwiegend zwischen modernem und archaischen Schamanismus getrennt. Sicher gibt es wieder andere Wissenschaftler, die dem widersprechen, aber das gibt es ja überall.
Zudem ist nicht geklärt und wird es auch wohl nicht sein, ob der Schamanismus eine Religion sei oder eher ein Containerbegriff für verschiedene aber ähnliche religiöse Richtungen ist.
Kevin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.01.2010, 15:58   #53 (permalink)
Draco Nobilis
 
Benutzerbild von Harser
 
Registriert seit: 23.01.2007
Ort: Berlin (Nordrand)
Alter: 40
Beiträge: 175
Danke Kevin, für die Antwort!
Zitat:
Zitat von Kevin Beitrag anzeigen
Es wird in der Religionswissenschaft überwiegend zwischen modernem und archaischen Schamanismus getrennt.
Das würde ich auch so trennen. Wohlgemerkt, wenn die heutigen Schamanen der Ewenken oder sonstwem auch dem modernen und nicht dem archaischen zugeordnet werden.

Denn dem modernen Schamanismus kann man direkt beobachten, bei dem archaischen ist man auf Annahmen, Vermutungen, Interpretationen, Schlussfolgerungen angewiesen, mithin sind die Untersuchungsmethoden völlig anders.
__________________
Grüße
Harser
Harser ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.01.2010, 16:54   #54 (permalink)
Draco Nobilis
 
Benutzerbild von Harser
 
Registriert seit: 23.01.2007
Ort: Berlin (Nordrand)
Alter: 40
Beiträge: 175
Zitat:
Zitat von Wælceasig Beitrag anzeigen
Ist es das? Da du erst mit "der Lehrmeinung" und "dem Paradigma" kamst, hatte ich da einen gegenteiligen Eindruck.
So ist es doch immer. Man kann die Grundtendenz einer Richtung zusammenfassen, und das ist dann zwar etwas ungenau aber zum Überblick ausreichend, und dann kann man das differenzierter fassen, aber dann wird es auch komplizierter. Jedes Lexikon/Enzykopädie muss diesen Grat entlang gehen.

Zitat:
Was möchtest du, was ich tue?
Enzykloädisch zusammenfassen das Bild der Wissenschaftsrichtung, die du am besten kennst, über den Schamanismus.

Zitat:
Darüber Mutmaßungen anzustellen ist weder Ziel der Wissenschaft, noch hat sie überhaupt die Mittel und Werkzeuge dafür.
Es gibt, außer FSS und ählicher privater Institute, keine Wissenschaft des Schamanismus, und zwar als ganzes, und deswegen übernehmen verwandte Richtungen, wie die Ethnologie, das mit. Und Werkzeuge braucht man mE nicht für die Untersuchung, nur den Menschen, und Zeit. Und das hat die Ethnologie: der DAAD schickt den Heiko Grünwedel 5 Monate nach Sibirien, das ist doch schon mal was.

Zitat:
... Es sind Werke, mit denen der Student sich kritisch auseinandersetzen muss. ...
Sollte man sich nicht mit jedem Buch kritisch auseinandersetzen, sogar (oder gerade) wenn es sehr neu ist? (Mit Ausnahme natürlich, wenn es der Dozent es selber geschrieben hat ... aber das ist ein anderes Thema.)
__________________
Grüße
Harser
Harser ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2010, 14:33   #55 (permalink)
~**~*°*~**~
 
Benutzerbild von Wælceasig
 
Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 214
Hallo Harser

Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
Man kann die Grundtendenz einer Richtung zusammenfassen, und das ist dann zwar etwas ungenau aber zum Überblick ausreichend, und dann kann man das differenzierter fassen, aber dann wird es auch komplizierter. Jedes Lexikon/Enzykopädie muss diesen Grat entlang gehen.
Kann man das...?

Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
Enzykloädisch zusammenfassen das Bild der Wissenschaftsrichtung, die du am besten kennst, über den Schamanismus.
Ich soll etwas können, was Forscher, die sich ihr Leben lang mit dem Thema auseinandergesetzt haben, nicht/kaum konnten?

Der Artikel "Shamanism" in der Encyclopedia of religion hat 14 groß Quart Seiten allein über den sibirischen und innerasiatischen Schamanismus! (Den Abschnitt über den nord- und südamerikanischen Schamanismus, den südostasiatischen, afrikanischen und anderer Länder gar nicht mitgezählt.) Und es ist eher ein Überblick als eine Definition, da eine Definition von ethnologischer Seite aus eben kaum zu geben ist.

Im Wörterbuch Ethnologie gibt es nicht einmal einen eigenen Eintrag über Schamanismus. Die Schamanen werde da im Zusammenhang mit anderen "Trägern religiösen Charismas" wie Priestern und Propheten abgehandelt. Und auch hier gibts anstatt einer klaren Definition eher ein Abriss der Fachgeschichte mit Nennungen der Hauptvertreter und ihrer Thesen.

Bei den Religionswissenschaftler scheint es nicht anders auszusehen. Der Schamanismus-Artikel in der Theologische Realenzyklopädie meint: "Die Auffassungen über das Verbreitungsgebiet, das Wesen und die Geschichte des Schamanismus sind bis heute unterschiedlich." wirft dann eine ganze Reihe Fragen auf die beantwortet werden mit: "Die Entscheidung hierüber hängt von der Definition des Wesens des Schamanismus und der Funktion des Schamanen ab." und geht dann im einzelnen auf die jeweiligen Besonderheiten ein. (Dort heißt es auch, dass der Schamanismus doch eine Religion sein kann, wenn der Schamane Funktionsträger aller religiösen Aufgaben ist, und er auch gleichzeitig das Priesteramt inne hat. [Wogegen man natürlich einwenden kann, dass er dann Schamane UND Priester ist, und kein Schamane mit priesterlichen Aufgaben...])

Den einzigen kurzen Artikel der tatsächlich eine Definition gibt, ist das LTHK, dessen Autor jedoch auch schreibt:

"Die z. T. unkritische, undifferenzierte Anwendung und Ausweitung des Begriffs auf anscheinend vergleichbare Erscheinungen anderer Völker, Kulturen und Religionen weltweit, wenn etwa einzelne Elemente des Begriffs isoliert u. überbetont wurden, führte zu einer terminologischen Unschärfe, so daß gelegentlich alle religiösen Funktionstrager, wie Priester, Zauberer, Medizinmanner, Medien jeder Art usw., als Schamanen bezeichnet wurden. Ein derart verschwommener Schamanen-Begriff hat z.B. in den modernen Sprachgebrauch des New Age Eingang gefunden." ["Schamanismus" LTHK, Bd. 9 S.106f 2000]

Der Verfasser meint zudem definitiv zwischen traditionellem und Neo-Schamanismus trennen zu können und bezeichnet die im letzteren zugrunde gelegte Universalität des Schamanismus als "bildungsabergläubische Konstruktion".

Mir scheinen da die Artikel, die auf eine Definition verzichten und statt dessen ins Detail gehen, brauchbarer.

Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
Es gibt, außer FSS und ählicher privater Institute, keine Wissenschaft des Schamanismus, und zwar als ganzes, und deswegen übernehmen verwandte Richtungen, wie die Ethnologie, das mit.
Wie kommst du denn darauf? Die Ethnologie befasste sich lange bevor es Bestrebungen in der modernen westlichen Kultur gab Schamanismus (oder das, was man dafür hält) wiederzubeleben und zu betreiben mit dem Thema. Es kann also schon allein darum nicht die Rede davon sein, dass "deswegen" die Ethnologie das übernimmt.

Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
Und Werkzeuge braucht man mE nicht für die Untersuchung, nur den Menschen, und Zeit.
Ich sprach von den Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens. Wenn du meinst, das ginge ohne entsprechende fachspezifische Werkzeuge, dann kennst du diese Grundlagen offensichtlich nicht.
Was an sich ja nichts ehrenrühriges ist - ohne diese Kenntnis jedoch kann man sich kein Urteil über wissenschaftliches Vorgehen, bzw. (Religions-/Kultur-)Wissenschaft allgemein bilden.

Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
Sollte man sich nicht mit jedem Buch kritisch auseinandersetzen, sogar (oder gerade) wenn es sehr neu ist?
Natürlich.
Wovon ich sprach war, dass in diesen Einführungsveranstaltungen den Studenten gezeigt wird, wie man mit Werken - die fachgeschichtliche eine große Bedeutung hatte und mit denen vielleicht noch gearbeitet wird, da es keine vergleichbaren aktuellen Werke dieses Umfangs gibt - umgeht. Dabei wird dann den Studenten beigebracht, was sie für Maßstäbe anlegen müssen um heraus zu bekommen, welche Aussagen nach den heutigen Anforderungen wissenschaftlichen Arbeitens noch als Grundlage dienen können, und welche nicht. Das kann z.B. sein, das man jede Aussage verwerfen muss, die ohne kulturellen Kontext daher kommt oder die nicht im Zuge der Feldforschung erhoben wurde. (Und das ist z.B. bei Eliade der Fall.)
Wælceasig ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.2010, 15:48   #56 (permalink)
rot, schlau und flauschig
 
Benutzerbild von Nils
 
Registriert seit: 01.04.2009
Ort: Kassel
Alter: 24
Beiträge: 119
Ich möchte mich da nochmal einmischen...

Zunächst eine Frage an Harser...
Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
Es ist mir schon klar, dass es nicht DIE Ansicht geben kann, trotzdem, den Begriff unschärfer fassend, kann man schon einen Mainstream identifizieren; auch wenn das auf schwammigen Grund ist, möchte ich dich einladen, das zu tun.
Wieso? Was macht es für einen Sinn, Begriffe unscharf und schwammig zu verallgemeinern? Besonders beim Schamanismus finde ich diese Herangehensweise nicht gut, weil gerade der Schamanismus etwas ist, das man nicht wirklich verallgemeinern kann, sondern das man meiner Meinung nach noch viel zu wenig differenziert hat. Obwohl ich eine Unterscheidung zwischen Neo- und Urschamanismus nicht wirklich angebracht finde, denke ich schon, dass es wichtig ist nicht alles über einen Kamm zu scheren. Es ist wichtig, die einzelnen schamanischen Kulturen und Traditionen zu berücksichtigen und auf sie einzugehen, wenn man ihren Kern verstehen will. Ja, Schamanismus hat für gewöhnlich gemeinsame Merkmale. Diese Gemeinsamkeiten sind aber so allgemein, dass es meiner Meinung nach wenig Sinn macht, von "dem" Schamanismus zu sprechen. Das würde in meinen Augen genauso viel Sinn machen wie von "der" Religion Europas zu sprechen...

Nun noch ein Kommentar zu Kevins Aussage:
Zitat:
Zitat von Kevin Beitrag anzeigen
Die Religionswissenschaft ist ebenso neutral wie die Ethnologie. Es wird nicht beurteilt, ob ein Ritual funktioniert oder nicht.
Hm... also diese These halte ich für ziemlich gewagt. Natürlich ist es der Anspruch der Wissenschaft, so neutral wie möglich zu sein. Aber das heißt nicht, dass sie es auch wirklich ist. Besonders im Fall von Religionswissenschaft und Ethnologie ist das schwierig, weil du andere Religionen und Kulturen immer aus dem (gefärbten) Blickwinkel deiner eigenen Kultur heraus betrachtest.
Mir ist außerdem neu, dass Religionswissenschaft versucht, die Effektivität von Ritualen zu beurteilen. Mal abgesehen davon, dass es ziemlich schwierig ist, Rituale nach ihrer Effektivität zu beurteilen, wenn es beispielsweise um Geistheilungen oder um andere schwer nachweisbare Dinge geht, dachte ich bisher immer, dass sich Religionswissenschaft viel mehr damit auseinandersetzt, warum es Religion überhaupt gibt, was sie für einen Sinn und für einen Wert für den Menschen hat.
__________________
„Der Löwe schämt sich freilich, wenn er mit dem Fuchse jagt: - des Fuchses, nicht der List.“
Nils ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.01.2010, 11:58   #57 (permalink)
Draco Nobilis
 
Benutzerbild von Harser
 
Registriert seit: 23.01.2007
Ort: Berlin (Nordrand)
Alter: 40
Beiträge: 175
Zitat:
Zitat von Nils Beitrag anzeigen
Was macht es für einen Sinn, Begriffe unscharf und schwammig zu verallgemeinern?
Ich denke, wir sind uns einig, dass Verallgemeinerungen im Abstraktionsprozess und auch sonstwo unerlässlich sind. Ich behaupte, dass jede Verallgemeinerung notwendigerweise zu Unschärfe und Schwammigkeit führt. Es sei denn, es werden völlig gleiche Dinge zusammengefasst, aber dann kann von Verallgemeinerung nicht die Rede sein. Es ist die hohe Kunst, beim Verallgemeinern möglichst wenig schwammig zu werden, aber auch dann ist dieses Wenig unvermeidbar. Ich kenne die Tendenz in der Wissenschaft, aus Angst vor Schwammigkeit auf Verallgemeinerung gänzlich zu verzichten, alles differenziert zu betrachten: das sind dann die Arbeiten, die keiner mehr überblickt, weil sie zu viele Details enthalten.

So finde ich, dass Eliade eine druchaus streitbare Verallgemeinerung für den Schamanismus eingeführt hat, die ist unscharf, die ist schwammig, die blendet viele Details aus. Zum Beispiel die Frage, wo fängt das an, dass ein Mensch "in Ekstase ist". Aber im gesamten Erkenntnisprozess hat sich das als produktiv erwiesen, oder nicht?

@Wælceasig
Danke, das beantwortet meine Frage ganz gut. Und ganz klar, z.B. Harner pflegt einen Schamanismus-Begriff, der auf die Geisterreise fokussiert , das ergibt eine in sich stimmige Defintion, die aber von den meisten Ethnologen/Religionswissenschaftlern nicht geteilt wird, nehme ich an (richtig?); da gibt es kein inhaltliches Problem, außer ein menschliches ("Wie du den Schamanismus definierst, ist das falsch.").

Was mich noch interessieren würde, ob der Aspekt der Heilung, die über das Rationale (richtige Heilpflanzen ausgewählt, psychologische Unterstützung) hinausgeht, in den von dir erwähnten Textstellen Erwähnung findet.

Zitat:
Der Verfasser meint zudem definitiv zwischen traditionellem und Neo-Schamanismus trennen zu können und bezeichnet die im letzteren zugrunde gelegte Universalität des Schamanismus als "bildungsabergläubische Konstruktion".
Tragisch nur, wenn nun Träger des traditionellem Schamanismus ebenfalls diesem Bildungsaberglauben verfallen.
__________________
Grüße
Harser
Harser ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.01.2010, 13:04   #58 (permalink)
~**~*°*~**~
 
Benutzerbild von Wælceasig
 
Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 214
Hallo Harser

Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
Und ganz klar, z.B. Harner pflegt einen Schamanismus-Begriff, der auf die Geisterreise fokussiert , das ergibt eine in sich stimmige Defintion,[...]
Ich habe in keinem von Harners Büchern eine klare Definition des Begriffes "Schamanismus" gelesen. In welchem seiner Werke meinst du denn, könnte man diese Definition lesen? (Das Geistreise, Trance und Ekstase Kennzeichen schamanistischer Praktiken sind, da stimmt übrigens auch die Wissenschaft zu. Daraus lassen sich aber keine Schlüsse ableiten wie etwa der, das alle Menschen, die in Ekstase fallen, Schamanen wären.)

Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
[...] die aber von den meisten Ethnologen/Religionswissenschaftlern nicht geteilt wird, nehme ich an (richtig?);
Wie gesagt, mir ist keine eindeutige Definition des Begriffes Schamanismus von Harner bekannt, weshalb es da schlecht eine Gegenüberstellung geben kann.

Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
da gibt es kein inhaltliches Problem, außer ein menschliches ("Wie du den Schamanismus definierst, ist das falsch.").
Wer sollte dieser Ansicht sein?
Die Wissenschaft (egal ob nun der religionswissenschaftliche Zweig oder der ethnologisch oder sonst einer) untersucht den Schamanismus mit eben den Mitteln ihres jeweiligen Faches, die als Geisteswissenschaften alle ihre Grundlage in der Ratio und dem analytischen Denken haben.
Wenn nun jemand an das Thema mit anderen Mitteln herangeht, dann ist das nicht falsch, sondern einfach nur nicht wissenschaftlich im Sinne der oben genannten Wissenschaften. Ohne jede Wertung.

Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
Was mich noch interessieren würde, ob der Aspekt der Heilung, die über das Rationale (richtige Heilpflanzen ausgewählt, psychologische Unterstützung) hinausgeht, in den von dir erwähnten Textstellen Erwähnung findet.
Die von mir erwähnten Texte befassen sich nur mit der Definition des Schamanismusbegriffes. Aspekte der Heilung und über das Wirken oder den Gebrauch von Heilpflanzen wirst du in denen nicht finden.
Damit beschäftigen sich heute Feldstudien, die dann nicht postulieren: "Schamanen verwenden bei ihren Heilzeremonien Heilpflanzen" sondern in denen steht, dass genau der Schamane X aus Y bei der einen speziellen Zeremonie genau die Pflanze Z verwendet hat. (Zu der dann gegebenenfalls die biologische Komponente erklärt wird, und natürlich die Bedeutung der Pflanze in der Kosmologie u.ä. und dem Kult der entsprechenden Ethnie. Wenn z.B. die Nutzer der Pflanze der Ansicht sind, dass der Geist der Pflanze ihnen hilft, dann wird genau diese Ansicht wiedergegeben.)

Zitat:
Zitat von Harser Beitrag anzeigen
Tragisch nur, wenn nun Träger des traditionellem Schamanismus ebenfalls diesem Bildungsaberglauben verfallen.
Ich verstehe wieder mal nicht, was du damit sagen willst...
Wælceasig ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.01.2010, 14:34   #59 (permalink)
Draco Nobilis
 
Benutzerbild von Harser
 
Registriert seit: 23.01.2007
Ort: Berlin (Nordrand)
Alter: 40
Beiträge: 175
Ich denke, die Diskussion ist jetzt etwas festgefahren. Darum schreibe ich nochmal meinen jetzigen Standpunkt, und beziehe mich auf den Ausgangspunkt des Diskussion.

Meiner Meinung ist der Aspekt der Wirkung und der Wirksamkeit beim Schamanismus essenziell. Wenn dieser Aspekt in z.B. Religionswissenschaften umgangen wird (und so sieht das ja aus), dann ist die Beschäftigung in dieser Hinsicht oberflächlich. Die Gründe dafür mögen teilweise plausibel sein, aber ich hege nach wie vor den starken Verdacht, das Vorurteil sozusagen, dass die beteiligten Wissenschaftler die schamanische Arbeit (abgesehen von psychologischen Effekten usw.) im Grunde für wirkungslos halten. Und dieser Verdacht hat sich im Laufe der Diskussion eher noch verfestigt denn zerschlagen.
__________________
Grüße
Harser
Harser ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.01.2010, 15:38   #60 (permalink)
wee source of all evil
 
Benutzerbild von Sternenwoelfin
 
Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 1.487
Kann man denn von Wissenschaftlern mehr als eine oberflächliche Betrachtung des Schamanismus erwarten?

Schamanismus ist etwas das sich zwischen dem Schamanen und den Geistern abspielt. Es hat nichts mit dem gemein, was man unter Wissenschaft versteht, denn beim Schamanismus geht es um Geister, Anderswelten und ein Wirken auf einer Ebene die ein Nicht-Schamane gar nicht erfahren kann. Selbst dem geneigtesten und interessiertesten Mitmenschen kann ich mein Erleben mit den Geistern nicht erklären. Es gibt schlichtweg keine Worte für diese Art von Erfahrungen. Wie also soll ein Wissenschaftler, dessen Interesse ja am Nachweisbaren liegt, auch nur eine Idee von Schamanismus entwickeln?

Ist es da ein Wunder wenn der Wissenschaftler dem Schamanen schon von Anfang an skeptisch gegenüber steht? Von daher verstehe ich auch deinen Ansatzpunkt, Harser. Letztendlich könnte man dem Wissenschaftler Schamanismus erst dann als existent "beweisen" wenn man die Wirksamkeit des Schamanismus nachweist.

Aus meiner ganz eigenen Sichtweise finde ich allerdings diese Art von Nachweis nicht relevant. Sollen die Wissenschaftler das beschreiben, das sie unter Schamanismus verstehen. Dass das nur bruchstückhaft sein kann ist klar. Ob sie der Wirksamkeit Glauben schenken oder nicht interessiert mich persönlich nicht und finde es auch nicht wichtig, diese Wirksamkeit zu beweisen. Der Schamane arbeitet für die, denen er helfen kann. Damit ist er meistens ausgelastet. Ob jetzt der Rest der Menschheit sein Wirken als anerkannt ansieht oder ihn für verrückt erklärt, sollte eigendlich nicht wirklich interessieren - zumindest nicht den Schamanen.

Liebe Grüße
Wölfin
Sternenwoelfin ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist dir nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist dir nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.
Trackbacks are an
Pingbacks are an
Refbacks are an


Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Core-Schamanismus Amelia Schamanismus 2 30.03.2010 07:12
Schamanismus und Schulmedizin LadyAliset Schamanismus 37 23.12.2009 15:07
Hexen/ Schamanismus Sunny Magie allgemein 49 27.03.2008 20:24
Schamanismus? Chepre Schamanismus 20 08.02.2007 22:44


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 20:28 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.8.3 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2010, Jelsoft Enterprises Ltd.
Content Relevant URLs by vBSEO 3.3.0
© by Starfire | all rights reserved