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| Schamanismus Grundlegende Informationen und Diskussionen über Schamanismus und seine praktische Anwendung, seine Herkunft, wie man daran eilhaben kann... |
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| | #41 (permalink) | |
| ~**~*°*~**~ Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 214
| Zitat:
Ich nehme mal an, du sprichst von der heutigen Lehrmeinung irgendwelcher wissenschaftlicher Fächer wie Ethnologie oder Religionswissenschaft, bzw. nur eines bestimmten Faches. Falls ja, welches? Und kannst du mir sagen auf welche Grundlagenwerke sich diese Lehrmeinung stützt? | |
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| | #42 (permalink) | ||
| Draco Nobilis Registriert seit: 23.01.2007 Ort: Berlin (Nordrand) Alter: 40
Beiträge: 175
| Zitat:
Die Geschichtswissenschaft konzentriert sich auf die Analyse, was geschehen ist, der Zweck, warum die Menschen damals etwas gemacht werden, wird eher am Rande behandelt, und die Frage der Wirksamkeit schamanischer Rituale in der Urzeit wird meines Erachtens oberflächlich behandelt nach dem Schema: "Die Götter besänftigen" Die Ethnologie würde ich ausklammern, die sich in der Frage der Wirksamkeit der Rituale eher neutral steht, aber sie immerhin so detailliert wie möglich beschreibt. Zitat:
Ein Lehrbuch kann ich jetzt nicht benennen. Meine (Vor-)urteile habe ich vor allem aus Diskussionen mit einem Wissenschaftler gewonnen, der sich mit der normalen Lehrmeinung über Schamanen auskannte und sie so auch vertreten hat.
__________________ Grüße Harser | ||
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| | #43 (permalink) |
| Gesperrt | Ich find das Thema in diesem Artikel von Wurzelwerk auch sehr passend beschrieben. Auf der Suche nach der europäischen Schamanentradition (1) WurzelWerk's OnlineMagazin |
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| | #44 (permalink) |
| Sternenfussel Registriert seit: 30.04.2009 Ort: Multiversum
Beiträge: 264
| Ha, Geisterwesen, war schneller! Diesen Artikel wollte ich auch gerade empfehlen. (Martin Marheineke schreibt ja generell sehr durchdachte und lesenwerte Artikel - das ist in diesem Fall auch nicht anders.) Für die Ungeduldigen: Den gesamten Artikel hat der Autor auch schon beim Nornirs Aett publiziert. Hier der Links zum ersten Teil: Auf der Suche nach der europäischen Schamanentradition - Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt - für die weiteren Teile einfach auf den Link am Ende jedes Teils klicken. |
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| | #45 (permalink) | |||
| ~**~*°*~**~ Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 214
| Hi, Harser Zitat:
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| | #46 (permalink) |
| Draco Nobilis Registriert seit: 23.01.2007 Ort: Berlin (Nordrand) Alter: 40
Beiträge: 175
| Hallo Wælceasig, ich bin gerne bereit, meine gegenwärtige Meinung zu überdenken, wenn ich irgendein handfesten Grund, ein Indiz dazu finde. Also: Was ist denn deiner Ansicht nach die moderne wissenschaftliche Ansicht über den Schamanismus?
__________________ Grüße Harser |
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| | #47 (permalink) | |
| ~**~*°*~**~ Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 214
| Zitat:
![]() Nur so wie es aussieht, gibt es dieses von dir als vorhanden angenommene Paradigma nicht. [Edit: So schreibt z.B. Hoppál: "In letzter Zeit hat die Zahl der Werke über den Schamanismus zugenommen, die Abhandlungen wetteifern geradezu mit einander und enthalten die widersprüchlichsten Definitionen." (Nach dem was ich gelesen habe, kann ich dem nur zustimmen... )]Ich kann dir höchstens die Namen von Standartwerken bzw. Autoren nennen wie Juha Pentikäinen, Mihály Hoppál, Louise Bäckman, Åke Hultkrantz und Michael Oppitz um nur einige aufzuzählen. Keiner von denen schreibt irgendetwas über "primitiv" oder misst etwas am Monotheismus. (Was nicht viel Sinn machen würde, da Schamanismus nicht als Religion, und somit auch unabhängig von dieser betrachtet wird.) Definiert wird der Schamane meist über seine Funktion in der jeweiligen Gesellschaft. Von da aus weitergehend wird dann die Funktion des turkmenischen Schamanen oder des mandschurischen Schamanen betrachtet. Ich fände es ja auch nett, eine klare, von allen geteilte Definition zu haben. Würde einiges leichter machen. Und wenn es die gäbe, dann könnte man ja auch den traditionellen Schamanen vom Neoschamanen unterscheiden. Geändert von Wælceasig (12.01.2010 um 22:23 Uhr) Grund: was vergessen... | |
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| | #48 (permalink) |
| Draco Nobilis Registriert seit: 23.01.2007 Ort: Berlin (Nordrand) Alter: 40
Beiträge: 175
| Es ist mir schon klar, dass es nicht DIE Ansicht geben kann, trotzdem, den Begriff unschärfer fassend, kann man schon einen Mainstream identifizieren; auch wenn das auf schwammigen Grund ist, möchte ich dich einladen, das zu tun. Wo du einwendest, dass Schamanismus für den Historiker etwas Fachfremdes ist, kann ich das selbe auch vom Religionswissenschaftler sagen, denn Schamanismus mag an eine Religion zwar angebunden sein, aber es ist keine Religion, und vom Ethnologen, dessen eigentliches Gebiet ja die Kultur, das Volk ist, deren ein Aspekt zwar Schamanismus sein mag, aber ein Aspekt unter vielen, genauso wie Kunst, Essen, Musik, wo auch der Ethnologe ein Fachfremder ist, da er nicht Kunstwissenschaftler, Ernährungswissenschaftler, Musikwissenschaftler ist. Es gibt nicht den Schamanismuswissenschaftler, und so wird das von anderen mitübernommen. Und offenbar am ehesten von den Ethnologen oder Anthropologen, wie die von dir erwähnten Pentikäinen (danke für diesen Hinweis, den werde ich mir mal genauer ansehen), Oppitz. Was ich meine, kann ich vielleicht an dem von dir erwähnten Artikel von Heiko Grünwedel festmachen. Das ist ein schöner Artikel, liest sich prima. Und doch, finde ich, schleicht er sich wie die Katze um den heißen Brei herum ... da werden die Esser sehr genau beschrieben (der Schweizer und der Tyva), die Schüssel wird beschrieben (das Ritual ... meine Ansicht: das Ritual ist nur die Verpackung, nicht unwichtig, aber nicht der Kern des Ganzen), aber was in der Schüssel drin ist, wird nicht geschrieben, es schimmert nur an einer einzigen Stelle durch: "... spielt die performative, über die gemeinsame Zeit des Rituals hinauswirkende choreographische Kopplung und symbolische Verschränkung der Leben von Klient und Schamane eine entscheidende Rolle ... Klient und Schamane verbinden eine intentionale und symbolische Bedeutung mit dem Vollzug des Rituals, welche eingebettet ist in einen umfassenderen Deutungsrahmen von Krankheit, Gesundheit und die den Menschen umgebende Welt:" Ich lese da zwischen den Zeilen die Annahme, dass die eigentliche Wirkung des Rituals symbolischer Natur ist. Das bleibt hängen, weil nichts anderes dazu steht. Wie auch immer, über den eigentlichen Kern des Ganzen, das eigentliche schamanische Tun steht da nichts. Das ist, was ich in Berichten von Ethonolgen über Schamanismus immer wieder gefunden habe, sie sind wohlwollend den Menschen und der Sache gegenüber, aber beschreiben vor allem den kulturellen Aspekt, aber sind neutral gegenüber dem Aspekt der Wirkung bzw. Wirksamkeit. Das ist jetzt nicht schlimm, ich lese sowas trotzdem gerne, aber es hilft mir nicht so viel bei meiner schamanischen Arbeit. Ich bin übrigens ablehnend der Annahme gegenüber, dass die Wirkung schamanischer Rituale im Symbolcharakter liegt, (eng verwandt mit der Annahme, dass die Wirkung psychologischer Natur ist). Meiner Erfahrung nach ist so etwas nur Nebeneffekt, unterstützendes Beiwerk, das eigentliche schamanische Tun ist mehr.
__________________ Grüße Harser |
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| | #49 (permalink) | |
| Draco Nobilis Registriert seit: 23.01.2007 Ort: Berlin (Nordrand) Alter: 40
Beiträge: 175
| Mit Lehrmeinung meine ich auch das tatsächlich an den Unis vermittelte Wissen im Gegensatz zu den neueren Arbeiten von Wissenschaftlern, die erst noch in die Lehrpläne durchsickern müssen. Ich hab hier was gefunden ... Zitat:
__________________ Grüße Harser | |
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| | #50 (permalink) | |||
| ~**~*°*~**~ Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 214
| Ist es das? Da du erst mit "der Lehrmeinung" und "dem Paradigma" kamst, hatte ich da einen gegenteiligen Eindruck. Zitat:
Zitat:
Religionswissenschaften hingegen beschäftigen sich mit allen Dingen, die mit Religion, Glaube, Spiritualität und wie du es auch immer nennen möchtest, zu tun haben. Und Ethnologen sind Kulturwissenschaftler per se, und da Schamanismus ein Teil bestimmter Kulturen sind, beschäftigen sie sich eben auch damit. Das sind Tatsachen - bei diesen beiden Wissenschaftszeigen gibt es eine Auseinandersetzung mit den Schamanismus aus der spezifischen Sicht und den Arbeitsmethoden und Werkzeugen des Faches. Das und nichts anderes habe ich sagen wollen. Im Gegensatz eben zur Geschichtswissenschaft. Und was wolltest du mit deiner Aussage sagen? Zitat:
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| | #51 (permalink) | |
| ~**~*°*~**~ Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 214
| Zitat:
Bücher, die in einer Einführungsveranstaltung den Studenten zum Lesen gegeben werden, sind in den seltesten Fällen "Lehrbücher" - Es sind Werke, mit denen der Student sich kritisch auseinandersetzen muss. Das man an Eliade (oder auch an Lévi-Strauss) nicht vorbei kommt, wenn man Ethnologie studiert, steht außer Frage da sie fachgeschichtlich eine große Bedeutung haben. Das heißt aber nicht, dass die von den "großen Alten" des Fachs einmal vertretenen Ansichten heute noch gelehrt werden. In dem Sinne ist "Schamanismus und archaische Ekstasetechnik" ganz bestimmt kein Lehrbuch. Allein schon deswegen nicht, weil die Methoden mit denen Eliade zu seinem Material kam heute als unwissenschaftlich angesehen werden. Und das muss ganz bestimmt nicht erst in die Lehrpläne sickern, dass gilt schon seit Jahrzehnten. | |
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| | #52 (permalink) |
| Unholy Ghost Registriert seit: 17.09.2009 Ort: Geesthacht Alter: 21
Beiträge: 48
| Die Religionswissenschaft ist ebenso neutral wie die Ethnologie. Es wird nicht beurteilt, ob ein Ritual funktioniert oder nicht. Ebenso wäre es theologische Exkursforschung, wenn man alles durch die monotheistische Brille sehen würde. Die Religionswissenschaft kann auch durchaus Religionen mit mehreren Göttern oder ohne Gott untersuchen und nachvollziehen. Auch wird dem Schamanismus in der Religionswissenschaft keine marginale Rolle zugeteilt. In der Gewichtung steht es mit den 5 Weltreligionen auf einer Stufe in unserem Studium. Denn Religionswissenschaft betrachtet keine festen Religionsstrukturen sondern auch mit religiösen Phänomenen, wozu der Schamanismus eindeutig zugehört. Zudem verschmelzen Ethnologie und Religionswissenschaft ziemlich. Wir haben bei uns an der Uni eben auch das Modul Ethnologie. Zu der Lehrmeinung und zur eigentlichen Frage: Es wird in der Religionswissenschaft überwiegend zwischen modernem und archaischen Schamanismus getrennt. Sicher gibt es wieder andere Wissenschaftler, die dem widersprechen, aber das gibt es ja überall. Zudem ist nicht geklärt und wird es auch wohl nicht sein, ob der Schamanismus eine Religion sei oder eher ein Containerbegriff für verschiedene aber ähnliche religiöse Richtungen ist. |
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| | #53 (permalink) | |
| Draco Nobilis Registriert seit: 23.01.2007 Ort: Berlin (Nordrand) Alter: 40
Beiträge: 175
| Danke Kevin, für die Antwort! Zitat:
Denn dem modernen Schamanismus kann man direkt beobachten, bei dem archaischen ist man auf Annahmen, Vermutungen, Interpretationen, Schlussfolgerungen angewiesen, mithin sind die Untersuchungsmethoden völlig anders.
__________________ Grüße Harser | |
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| | #54 (permalink) | ||||
| Draco Nobilis Registriert seit: 23.01.2007 Ort: Berlin (Nordrand) Alter: 40
Beiträge: 175
| Zitat:
Zitat:
Zitat:
Zitat:
__________________ Grüße Harser | ||||
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| | #55 (permalink) | |||||
| ~**~*°*~**~ Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 214
| Hallo Harser Zitat:
Zitat:
![]() Der Artikel "Shamanism" in der Encyclopedia of religion hat 14 groß Quart Seiten allein über den sibirischen und innerasiatischen Schamanismus! (Den Abschnitt über den nord- und südamerikanischen Schamanismus, den südostasiatischen, afrikanischen und anderer Länder gar nicht mitgezählt.) Und es ist eher ein Überblick als eine Definition, da eine Definition von ethnologischer Seite aus eben kaum zu geben ist. Im Wörterbuch Ethnologie gibt es nicht einmal einen eigenen Eintrag über Schamanismus. Die Schamanen werde da im Zusammenhang mit anderen "Trägern religiösen Charismas" wie Priestern und Propheten abgehandelt. Und auch hier gibts anstatt einer klaren Definition eher ein Abriss der Fachgeschichte mit Nennungen der Hauptvertreter und ihrer Thesen. Bei den Religionswissenschaftler scheint es nicht anders auszusehen. Der Schamanismus-Artikel in der Theologische Realenzyklopädie meint: "Die Auffassungen über das Verbreitungsgebiet, das Wesen und die Geschichte des Schamanismus sind bis heute unterschiedlich." wirft dann eine ganze Reihe Fragen auf die beantwortet werden mit: "Die Entscheidung hierüber hängt von der Definition des Wesens des Schamanismus und der Funktion des Schamanen ab." und geht dann im einzelnen auf die jeweiligen Besonderheiten ein. (Dort heißt es auch, dass der Schamanismus doch eine Religion sein kann, wenn der Schamane Funktionsträger aller religiösen Aufgaben ist, und er auch gleichzeitig das Priesteramt inne hat. [Wogegen man natürlich einwenden kann, dass er dann Schamane UND Priester ist, und kein Schamane mit priesterlichen Aufgaben...]) Den einzigen kurzen Artikel der tatsächlich eine Definition gibt, ist das LTHK, dessen Autor jedoch auch schreibt: "Die z. T. unkritische, undifferenzierte Anwendung und Ausweitung des Begriffs auf anscheinend vergleichbare Erscheinungen anderer Völker, Kulturen und Religionen weltweit, wenn etwa einzelne Elemente des Begriffs isoliert u. überbetont wurden, führte zu einer terminologischen Unschärfe, so daß gelegentlich alle religiösen Funktionstrager, wie Priester, Zauberer, Medizinmanner, Medien jeder Art usw., als Schamanen bezeichnet wurden. Ein derart verschwommener Schamanen-Begriff hat z.B. in den modernen Sprachgebrauch des New Age Eingang gefunden." ["Schamanismus" LTHK, Bd. 9 S.106f 2000] Der Verfasser meint zudem definitiv zwischen traditionellem und Neo-Schamanismus trennen zu können und bezeichnet die im letzteren zugrunde gelegte Universalität des Schamanismus als "bildungsabergläubische Konstruktion". Mir scheinen da die Artikel, die auf eine Definition verzichten und statt dessen ins Detail gehen, brauchbarer. Zitat:
Zitat:
Was an sich ja nichts ehrenrühriges ist - ohne diese Kenntnis jedoch kann man sich kein Urteil über wissenschaftliches Vorgehen, bzw. (Religions-/Kultur-)Wissenschaft allgemein bilden. Zitat:
![]() Wovon ich sprach war, dass in diesen Einführungsveranstaltungen den Studenten gezeigt wird, wie man mit Werken - die fachgeschichtliche eine große Bedeutung hatte und mit denen vielleicht noch gearbeitet wird, da es keine vergleichbaren aktuellen Werke dieses Umfangs gibt - umgeht. Dabei wird dann den Studenten beigebracht, was sie für Maßstäbe anlegen müssen um heraus zu bekommen, welche Aussagen nach den heutigen Anforderungen wissenschaftlichen Arbeitens noch als Grundlage dienen können, und welche nicht. Das kann z.B. sein, das man jede Aussage verwerfen muss, die ohne kulturellen Kontext daher kommt oder die nicht im Zuge der Feldforschung erhoben wurde. (Und das ist z.B. bei Eliade der Fall.) | |||||
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| | #56 (permalink) | ||
| rot, schlau und flauschig Registriert seit: 01.04.2009 Ort: Kassel Alter: 24
Beiträge: 119
| Ich möchte mich da nochmal einmischen... Zunächst eine Frage an Harser... Zitat:
Nun noch ein Kommentar zu Kevins Aussage: Zitat:
Mir ist außerdem neu, dass Religionswissenschaft versucht, die Effektivität von Ritualen zu beurteilen. Mal abgesehen davon, dass es ziemlich schwierig ist, Rituale nach ihrer Effektivität zu beurteilen, wenn es beispielsweise um Geistheilungen oder um andere schwer nachweisbare Dinge geht, dachte ich bisher immer, dass sich Religionswissenschaft viel mehr damit auseinandersetzt, warum es Religion überhaupt gibt, was sie für einen Sinn und für einen Wert für den Menschen hat.
__________________ „Der Löwe schämt sich freilich, wenn er mit dem Fuchse jagt: - des Fuchses, nicht der List.“ | ||
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| | #57 (permalink) | ||
| Draco Nobilis Registriert seit: 23.01.2007 Ort: Berlin (Nordrand) Alter: 40
Beiträge: 175
| Zitat:
So finde ich, dass Eliade eine druchaus streitbare Verallgemeinerung für den Schamanismus eingeführt hat, die ist unscharf, die ist schwammig, die blendet viele Details aus. Zum Beispiel die Frage, wo fängt das an, dass ein Mensch "in Ekstase ist". Aber im gesamten Erkenntnisprozess hat sich das als produktiv erwiesen, oder nicht? @Wælceasig Danke, das beantwortet meine Frage ganz gut. Und ganz klar, z.B. Harner pflegt einen Schamanismus-Begriff, der auf die Geisterreise fokussiert , das ergibt eine in sich stimmige Defintion, die aber von den meisten Ethnologen/Religionswissenschaftlern nicht geteilt wird, nehme ich an (richtig?); da gibt es kein inhaltliches Problem, außer ein menschliches ("Wie du den Schamanismus definierst, ist das falsch."). Was mich noch interessieren würde, ob der Aspekt der Heilung, die über das Rationale (richtige Heilpflanzen ausgewählt, psychologische Unterstützung) hinausgeht, in den von dir erwähnten Textstellen Erwähnung findet. Zitat:
__________________ Grüße Harser | ||
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| | #58 (permalink) | |||||
| ~**~*°*~**~ Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 214
| Hallo Harser Zitat:
Zitat:
Zitat:
Die Wissenschaft (egal ob nun der religionswissenschaftliche Zweig oder der ethnologisch oder sonst einer) untersucht den Schamanismus mit eben den Mitteln ihres jeweiligen Faches, die als Geisteswissenschaften alle ihre Grundlage in der Ratio und dem analytischen Denken haben. Wenn nun jemand an das Thema mit anderen Mitteln herangeht, dann ist das nicht falsch, sondern einfach nur nicht wissenschaftlich im Sinne der oben genannten Wissenschaften. Ohne jede Wertung. Zitat:
Damit beschäftigen sich heute Feldstudien, die dann nicht postulieren: "Schamanen verwenden bei ihren Heilzeremonien Heilpflanzen" sondern in denen steht, dass genau der Schamane X aus Y bei der einen speziellen Zeremonie genau die Pflanze Z verwendet hat. (Zu der dann gegebenenfalls die biologische Komponente erklärt wird, und natürlich die Bedeutung der Pflanze in der Kosmologie u.ä. und dem Kult der entsprechenden Ethnie. Wenn z.B. die Nutzer der Pflanze der Ansicht sind, dass der Geist der Pflanze ihnen hilft, dann wird genau diese Ansicht wiedergegeben.) Zitat:
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| | #59 (permalink) |
| Draco Nobilis Registriert seit: 23.01.2007 Ort: Berlin (Nordrand) Alter: 40
Beiträge: 175
| Ich denke, die Diskussion ist jetzt etwas festgefahren. Darum schreibe ich nochmal meinen jetzigen Standpunkt, und beziehe mich auf den Ausgangspunkt des Diskussion. Meiner Meinung ist der Aspekt der Wirkung und der Wirksamkeit beim Schamanismus essenziell. Wenn dieser Aspekt in z.B. Religionswissenschaften umgangen wird (und so sieht das ja aus), dann ist die Beschäftigung in dieser Hinsicht oberflächlich. Die Gründe dafür mögen teilweise plausibel sein, aber ich hege nach wie vor den starken Verdacht, das Vorurteil sozusagen, dass die beteiligten Wissenschaftler die schamanische Arbeit (abgesehen von psychologischen Effekten usw.) im Grunde für wirkungslos halten. Und dieser Verdacht hat sich im Laufe der Diskussion eher noch verfestigt denn zerschlagen.
__________________ Grüße Harser |
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| | #60 (permalink) |
| wee source of all evil Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 1.487
| Kann man denn von Wissenschaftlern mehr als eine oberflächliche Betrachtung des Schamanismus erwarten? Schamanismus ist etwas das sich zwischen dem Schamanen und den Geistern abspielt. Es hat nichts mit dem gemein, was man unter Wissenschaft versteht, denn beim Schamanismus geht es um Geister, Anderswelten und ein Wirken auf einer Ebene die ein Nicht-Schamane gar nicht erfahren kann. Selbst dem geneigtesten und interessiertesten Mitmenschen kann ich mein Erleben mit den Geistern nicht erklären. Es gibt schlichtweg keine Worte für diese Art von Erfahrungen. Wie also soll ein Wissenschaftler, dessen Interesse ja am Nachweisbaren liegt, auch nur eine Idee von Schamanismus entwickeln? Ist es da ein Wunder wenn der Wissenschaftler dem Schamanen schon von Anfang an skeptisch gegenüber steht? Von daher verstehe ich auch deinen Ansatzpunkt, Harser. Letztendlich könnte man dem Wissenschaftler Schamanismus erst dann als existent "beweisen" wenn man die Wirksamkeit des Schamanismus nachweist. Aus meiner ganz eigenen Sichtweise finde ich allerdings diese Art von Nachweis nicht relevant. Sollen die Wissenschaftler das beschreiben, das sie unter Schamanismus verstehen. Dass das nur bruchstückhaft sein kann ist klar. Ob sie der Wirksamkeit Glauben schenken oder nicht interessiert mich persönlich nicht und finde es auch nicht wichtig, diese Wirksamkeit zu beweisen. Der Schamane arbeitet für die, denen er helfen kann. Damit ist er meistens ausgelastet. Ob jetzt der Rest der Menschheit sein Wirken als anerkannt ansieht oder ihn für verrückt erklärt, sollte eigendlich nicht wirklich interessieren - zumindest nicht den Schamanen. ![]() Liebe Grüße Wölfin |
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