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Rezepte Ihr wollt Tinkturen, Salben, Cremes oder ähnliches herstellen? - Hier könnt Ihr alles rund um Tips, Tricks und das "How to do it" finden.

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Alt 26.01.2007, 21:20   #1 (permalink)
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Ort: zwischen Wald und Wiese
Beiträge: 318
Qualitätskriterien für selbst hergestellte Kräuterarzneien

Für eine gute Kräuterarznei braucht man

- das richtige Kraut (oder bei Mischungen die richtigen Kräuter)
- am rechten Ort zur rechten Zeit gesammelt
- richtig verarbeitet
- in der richtigen Dosis

In dieser knappen Zusammenfassung klingt die Sache ziemlich einfach, aber wenn man die vier Punkte wirklich ernst nehmen will, braucht man etwas mehr Hintergrundwissen. Damit das Ganze nicht zu abgehoben und theoretisch wird, gehe ich jetzt einfach mal davon aus, dass wir ein Mittel gegen Husten herstellen wollen. Als geeignetes („richtiges“) Heilkraut bietet sich beispielsweise der Spitzwegerich an.

Er ist auf Wiesen und an Wegrändern reichlich zu finden, und in den einschlägigen Kräuterbüchern heißt es meist: Man sammelt die Blätter zur Blütezeit zwischen Mai und September. Vielleicht gibt es dazu dann noch den Hinweis, dass man besser abseits viel befahrener Straßen sammelt und auch Wiesen meiden sollte, die als öffentliche Hundeklos beliebt sind. Das war’s dann aber auch schon ... oder etwa doch nicht?

Was sonst noch wichtig ist: Man sammelt nur an Orten, wo die betreffende Pflanze üppig gedeiht, heißt eine Grundregel, aaaaber die muss auch gleich wieder eingeschränkt werden, denn man sammelt natürlich nicht in der Nähe von Bahndämmen, Mülldeponien oder pestizidverseuchten Äckern, wo der Spitzwegerich (wie auch manche anderen Pflanzen) zwar prachtvoll gedeiht, aber auch jede Menge Schadstoffe anreichert.

Auch was die rechte Zeit angeht, könnte man noch einiges ergänzen bzw. korrigieren: Da wir vom Spitzwegerich nur die Blätter verarbeiten wollen, ist es besser, sie vor der Blütezeit zu sammeln, weil die Pflanze sonst schon einen großen Teil ihrer Kraft in die Blüten schickt. Die günstigste Tageszeit fürs Sammeln ist der frühe Vormittag, wenn die Sonne den Tau auf den Wiesen schon getrocknet hat, die Pflanzen aber noch frisch und saftig sind. (Vorsicht, das gilt nicht für alle Pflanzen, es gibt auch welche, die man besser um die Mittagszeit oder am Abend erntet.)

Weitere Überlegungen zur rechten Zeit könnten den Stand von Sonne, Mond und Planeten einbeziehen. Es zeigt sich immer wieder, dass der Stand von Sonne und Mond in den Tierkreiszeichen und auch die Korrespondenz Pflanze-Planet-Sternzeichen für die Qualität des Sammelgutes von großer Bedeutung sind. Was damit genau gemeint ist, werde ich in den nächsten Tagen noch in einem gesonderten Beitrag erklären und nehme hier einfach mal das Ergebnis für den Spitzwegerich vorweg:

Der beste Monat zum Sammeln und Verarbeiten ist der Mai (Sonne im Stier, der von der Venus regiert wird, denn Wegerichblätter werden diesem Planeten zugeordnet). Der beste Wochentag ist der Freitag, der ebenfalls der Venus zugeordnet ist. Der Mond steht am besten ebenfalls in einem von der Venus beherrschten Tierkreiszeichen oder alternativ in einem Wasserzeichen (für Blattpflanzen allgemein), und es sollte sich dabei möglichst um den zunehmenden Mond handeln, denn der eignet sich am besten für die Ernte oberirdischer Pflanzenteile. Das optimale Sammelgut ernten wir zu dem Zeitpunkt, wo alle diese Voraussetzungen erfüllt sind ... aber jetzt bitte nicht verzweifeln – auch weniger optimale Zeitpunkte sind akzeptabel.

Die richtige Verarbeitung fängt eigentlich schon mit dem Sammeln an. Ein kleines Ritual, mit dem man sich auf die Pflanzengeister einstimmt, kann sich durchaus positiv auswirken. Eine alte Regel besagt, dass die Pflanze möglichst nicht mit Eisen in Berührung kommen soll – beim Wegerich kein Problem, denn die Blätter lassen sich mühelos mit der Hand pflücken. Dabei nimmt man von jeder Pflanze nur ein paar Blätter und wendet sich dann der nächsten zu. Man sammelt nur so viel, wie man wirklich braucht und lässt ein kleines Opfer als Gegengeschenk für die Geister zurück.

Die gesammelten Kräuter transportiert man locker geschichtet in einem Korb. Wenn nötig werden sie vorsichtig gereinigt, Abwaschen ist nur selten erforderlich. Teekräuter werden langsam im luftigen Schatten getrocknet und anschließend UNZERKLEINERT in Braunglasflaschen mit weitem Hals kühl, trocken und dunkel gelagert. Zerkleinert werden die Kräuter erst, bevor man den Tee aufbrüht, weil sie sonst zu viel Kraft verlieren.

Für die Herstellung einer Tinktur eignen sich die frischen Kräuter besser als getrocknete, weil sie noch mehr „Leben“ enthalten. Die Wegerichblätter werden vorsichtig zerkleinert – am besten mit der Hand gezupft, damit sie nicht mit Metall in Berührung kommen – und dann mit Alkohol übergossen. Den Ansatz lässt man mindestens 6 Wochen (oder gerne auch länger) stehen und schüttelt ihn gelegentlich. Anschließend abfiltern, die Blätter am Ende noch gut ausdrücken und die Tinktur in dunkle Flaschen füllen.

Das Endergebnis ist um Klassen besser als jede gewöhnliche handelsübliche Tinktur und kann deshalb auch entsprechend niedriger dosiert werden. Es enthält wesentlich mehr Wirkstoffe (bei manchen handelsüblichen Tinkturen wird das Pflanzenmaterial nur 2 Tage ausgezogen) und es enthält die positive Lebenskraft der Pflanze, die bei der industriellen Verarbeitung fast vollständig verloren geht (es gibt unter den Herstellern einige rühmliche Ausnahmen, die ich hier natürlich nicht nennen darf – Fragen dazu beantworte ich gerne per PN).

LG Arianna
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Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen. . .
Arianna Kräuterfrau ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.01.2007, 21:50   #2 (permalink)
Zeitreisende
 
Benutzerbild von Galadriel
 
Registriert seit: 21.01.2007
Ort: Nordhessen
Alter: 42
Beiträge: 212
Liebe Arianna,

das ist ein schöner Beitrag *den Hut zieht*
und genau das, was Du da ansprichst ist auch der Grund, warum ich immer froh bin, wenn ich die Kräuter selbst gesammelt habe. Aber leider muß man doch oft auf die getrocknete Variante zurückgreifen, weil es entweder bei uns nicht wächst oder- zu Recht- unter Naturschutz steht.

Ich beschäftige mich schon lange mit Heilkräutern, aber man lernt nie aus- deshalb freue ich mich schon auf weitere Beiträge von Dir und anderen "Kräuterhexen". Vielleicht kann man ja auch zu den einzelnen Kräutern oder auch andersherum zu verschiedenen Krankheiten Themen entwerfen, damit man später leichter etwas findet. Stelle ich einfach mal so in den Raum und helfe natürlich beim schreiben gerne mit.

LG
Galdriel
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Die Dinge sind nicht immer so, wie sie Dir erscheinen.
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Galadriel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.01.2007, 09:35   #3 (permalink)
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Registriert seit: 21.01.2007
Ort: zwischen Wald und Wiese
Beiträge: 318
*sich artig für das Lob bedankt*

Zitat:
Vielleicht kann man ja auch zu den einzelnen Kräutern oder auch andersherum zu verschiedenen Krankheiten Themen entwerfen, damit man später leichter etwas findet.
Daran hatte ich auch schon gedacht, und dazu wird auch von mir noch einiges kommen, wobei ich denke, dass die "Kräutersteckbriefe" hier in dieser Abteilung gut aufgehoben sind, während die Behandlungsmöglichkeiten für verschiedene Krankheiten eher bei den "natürlichen Heilmethoden" ihren Platz finden sollten... denn oft sind es ja nicht nur Kräuter, die bei bestimmten Krankheiten weiterhelfen können. Soweit es aber um Kräuter geht, könnten hier dann wieder die Steckbriefe dazu mit weiterführenden Informationen über die jeweilige Heilpflanze stehen.

Übrigens sind selbst hergestellte Tinkturen in der Regel auch dann noch besser als viele fertig gekaufte, wenn man dazu (qualitativ hochwertige) getrocknete Kräuter benutzt, denn der weitere Verarbeitungsprozess hat erheblichen Einfluss auf die Qualität des Endproduktes.

LG Arianna *schon gespannt auf deine Beiträge*
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Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen. . .
Arianna Kräuterfrau ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.01.2007, 09:46   #4 (permalink)
Zaubein
 
Benutzerbild von Ajana rincewind
 
Registriert seit: 21.01.2007
Ort: Köln
Alter: 52
Beiträge: 1.130
Vielen Dank,Arianna-

jetzt habe ich noch ein graues Haar mehr bekommen
Super informativ, aber zeigt einem Anfänger wie mir auch, wieviel Vorbereitung drin steckt.
Vielleicht hast du ja Lust, wenn du in bestimmten Gebieten der Eifel in bestimmten Zeiträumen für die verschiedenen Kräuter besonders gute Zeiten erkennst, die hier reinzuschreiben.
Z.B. Im Tal... steht besonders viel Mädesüß - das Wetter und die Zeit ist morgen früh besonders günstig.
einen schönen Tag dir - rincewind
Ajana rincewind ist offline   Mit Zitat antworten
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