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| Hexenküche Hier könnt Ihr Eure Lieblingsrezepte jedweglicher Art verraten oder aber auch nach Rezepten fragen |
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| | #1 (permalink) |
| Lurikeen Registriert seit: 21.01.2007 Ort: Saarland Alter: 43
Beiträge: 125
| heilsa! ein arbeitskollege hat mir aus schweden eine dose surströmmingsfile mitgebracht, die ich an diesem WE mal testen will. hat jemand von euch erfahrung mit dieser spezialität? stinkt der beim öffnen wirklich so bestialisch dass man die dose unter wasser öffnen sollte? wie bereitet ihr ihn zu nachdem er gewaschen und verzehrfertig ist? was trinkt ihr dazu? fragen über fragen... gruß Mime
__________________ Fhtagn? Iä! Schab-Niggurath! |
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| | #3 (permalink) |
| Not here right now Registriert seit: 20.01.2007 Ort: Stockholm Alter: 36
Beiträge: 90
| So gar nicht meins Gummihandschuhe an, grosser bottich mit wasser, daneben einen 2. bottich mit wasser, besser noch einen 3 zum auswaschen der Fische. Dose nur komplett unter wasser öffnen, fischdingse rausnehmen, in den 2. Bottich packen, ausnehmen (ja, da ist noch alles drin) und evt noch abschaben, guuuut auswaschen. Wasser und Dose SOFORT entsorgen (du glaubst gar nicht wie viele fliegen in deiner Umgebung leben, selbst bei -20 C) und denk an die eventuellen nachbarn die unter dem gestank zu leiden haben. Gegessen wird das ganze mit duennbrot (geht mit duennem fladenbrot), gesalzene butter drauf, gekochte kartoffeln drauf und zwiebelringe, einige surströmming stuecke drauf und eine rolle daraus machen, entweder bier oder milch dazu.. wer gerne vergorenen fisch aufstösst, nimmt Bier. Hardcore Surströmmingfans essen den wie Matjes, im Ganzen und ohne Ablenkung. Sollte nur in geschlossenen Räumen verzehrt werden, wenn man ganz sicher ist, man will den Geruch noch eine Weile in der Wohnung haben. Der Geruch hält sich eine Weile, der Hamburger Flughafen roch noch erkennbar ca 1 Jahr nach der geöffneten Dose in der Zollkontrolle *hrhrhr* Surströmming stinkt wirklich so erbärmlich. Es ist unausgenommener, nur ein schwach gesalzener hering, der in Tonnen mindestens 1 jahr vor sich hergähren darf - das stinkt. Normalerweise wrd der im Sommer im august/september gerne im Freien fernab jeder Zivilisation unter einem moskionetz bei rueckenwind gegessen (das Moskitonetz damit man weniger Fliegen zwischen die Zähne bekommt). In Nordschweden eine regelrechte Tradition, im zivilisierten Schweden eher eine Mutprobe á la Fear Factor. Ich persönlich hab Surströmming 2 mal in meinem Leben gegessen, einmal mit fetter Erkältung und nicht mal die hilft gegen den Gestank. Geeschmacksmässig ist es nur ein wenig muffiger, salziger fisch... den man aber dann so ca 2 Tage isst, denn der kommt immer wieder hoch (aufstossen).
__________________ Of Course light travels faster than sound - Most people seem bright until they open their mouth. B.Williams |
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| | #5 (permalink) |
| Lurikeen Registriert seit: 21.01.2007 Ort: Saarland Alter: 43
Beiträge: 125
| surströmming surströmming rampam-pampam ![]() heilsa! heute nachmittag war es also soweit. habe gummihandschuhe, wassereimer dosenöffner und ca. 15l wasser ins auto gepackt und bin damit in die freie natur gefahren. die dose öffnete ich unter wasser, aber ich musste sie ja auch mal rausnehmen...der geruch war nicht so intensiv wie befürchtet aber schlimmer als gedacht. ich wusch also den fisch aus, und als das wasser alle war fuhr ich nach hause und habe in der küche weitergespült..aber das hilft wenig. dann gleich mal ne zwiebel kleingemacht, dünnbrot ausgepackt und die saure sahne bereitgestellt. das ganze gemixt mit dem fisch und rein damit, immer mit milch gespült. danach nen schwedischen wodka gekippt Fazit: kulinarisch eher eine kuriosität denn eine offenbarung..der geschmack ist zwar nicht so schlimm wie der geruch vermuten lässt, aber ich lass es lieber in zukunft.. gruß Mime
__________________ Fhtagn? Iä! Schab-Niggurath! |
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| | #7 (permalink) |
| Zaubein Registriert seit: 21.01.2007 Ort: Köln Alter: 51
Beiträge: 1.131
| sehr beeindruckend, dass du das wirklich durchgezogen hast. Habe mich köstlich amüsiert über diese merkwürdigen Beschreibungen von Kaj und Ullr- rätsle allerdings darüber , wie man/frau etwas essen kann, was derartig stinken soll und warum???? ![]() rincewind |
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| | #8 (permalink) | |
| ~**~*°*~**~ Registriert seit: 21.01.2007
Beiträge: 153
| Zitat:
Da muß man sich doch einreden, dass ist man nicht aus der Not heraus, sondern weil es soooo toll schmeckt. Und ein paar Generationen später gibt's dann Leute denen es wirklich schmeckt. (Vielleicht weil die Mama das während der Schwangerschaft gegessen hat, und das ungeborene Kind indoktriniert hat...). | |
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| | #9 (permalink) |
| Nebelkrähe | Es ist eben Geschichte. Lebensmittel haltbar machen, eine lange Geschichte voller Missverständnisse und Versuche ZB veredelte Gammelfrüchte oder -getreide, die heute Wein, Bier oder Single Malt heißen. Stinkefisch, der archaische. Ist es nicht erstaunlich, was mensch alles überleben kann? Hat echt Spaß gemacht, das zu lesen und sich bildlich vorzustellen. Danke dafür. ![]() Ich bleib trotzdem lieber beim Getreide
__________________ insprinc schublandun. |
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| | #10 (permalink) |
| liest immer noch ;) Registriert seit: 19.07.2007 Ort: Mittelhessen Alter: 32
Beiträge: 155
| Igitt, ein Fisch, der so stinkt und vor sich hingammelt kann doch gar nicht gesund sein Aber auch von mir Respekt, dass du dich getraut hast, Mime ![]() Gruß, vom Morph
__________________ Infinity come embrace me, never release When my time has come, I'll free myself... - The forest at twilight, Ibn Ghalad |
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| | #13 (permalink) |
| Lurikeen Registriert seit: 21.01.2007 Ort: Saarland Alter: 43
Beiträge: 125
| @enola: wenn du willst kannst noch was vom fisch haben, der steht bei mir aufm fenstersims (draussen natürlich) hier hab ich mal ein beweisfoto gemacht :
__________________ Fhtagn? Iä! Schab-Niggurath! |
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| | #15 (permalink) |
| Oberons Weberknecht Registriert seit: 22.01.2007
Beiträge: 712
| @ mime ich muss den durchaus spaßigen bildern, die dein extremsushiexperiment bei mir ausgelöst haben unbedingt ein gedicht widmen. mime und der surströmming wer das fischmahl übersteht nimmt die edlen reste seiner fischspezialität lockt sich damit gäste stinkt der fisch vom fensterbrett hört man es bald schmatzen „hier gibt’s frühstück, ach wie nett“ denken sich die katzen stinkefisch ist sehr begehrt hör wie sie miauen dir zum dank gibt’s ein konzert... ...klingt nach morgengrauen. |
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| | #16 (permalink) |
| Rauchender Alchemisten-Käfer Registriert seit: 21.01.2007 Ort: Rüsselsheim (He) Alter: 51
Beiträge: 275
| Hi, köstlich zu lesen, aber probieren -nein danke Mir reicht schon Portugal und seine 800 Bacalhau Rezepte. Nach der zubereitung endet es irgendwie immer in der Geschmacksrichtung toter Wal ganz hinten... Neulich ging es auch wieder aus meiner wohlfühlzone raus. Es gab Sardinen zum Mittag. Leider sind die Atlantik Sardinen nicht 10 cm lang, sondern 25 cm und werden genauso zubereitet wie die kleinen Artgenossen. Während ich vorsichtig das Fleisch von den Gräten schob und mich über den anblick der herausquellenden eingeweide ergötzte konnte sich mein spanischer Kollege über die riesenviecher garnicht geruhigen und griff die sardine mit beiden Händen und hieb seine Zähne hinein, was zum Resultat hatte, das die eingeweide links und rechts aus seinem Mund hingen. Das Essen der festen Nahrung war für mich eindeutig für die restl. woche beendet. Ich habe dann auf Gemüsesuppe umgeschwenkt und Brot dazu gegessen. In China gibt es auch ne ganze menge essen, was ich nur unter Strafandrohung essen werde. In dem Film Ratatouille wird sinngemäßder Spruch kreiiert:"Wenn man den Würgereiz überwunden bekommt man es gut runter!" Dem kann ich nichts hinzufügen Jürgen, der sechs wochen Portugal nicht ganz unbeschadet überstanden hat.
__________________ 'http://blogs.dhd24.com/derReisende/ |
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| | #18 (permalink) |
| ein Suchender Registriert seit: 19.04.2007 Ort: Braunschweig Alter: 53
Beiträge: 382
| Stinkefisch Ich habe eben herzhaft lachen müssen. Wer tut sich denn sowas an? Das ist ja schlimmer als ein Esrom-Käse. Manno, das muß ja echt nicht sein. Aber ich werde an Euch denken, wenn es mal wieder um Gammelfleisch geht. Und ich dachte immer, ich bin pervers, wenn ich meine Koteletts liegen lasse bis sie leicht riechen. |
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| | #19 (permalink) |
| ~~~~~~~~~~~ | ist ja sehr amüsant hier uaaahhh, ich hatte irgendwann gehört, dass sie auf den Färöer-Inseln Fisch verbuddeln und ihn ein bisschen gammeln lassen, bevor er gegessen wird. Da hat´s mich schon beim Gedanken gegruselt. Wenn Fisch, dann muss der für mich ganz frisch sein und bitte so gut wie gar nicht nach Fisch riechen. Aber wenn man´s genau bedenkt, ist Käse auch nichts anderes als vergammelte Milch- und den liebe ich. Ist wohl alles nur Gewohnheit. |
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| | #20 (permalink) |
| oder der Schwede? Registriert seit: 21.01.2007 Ort: Osternohe Alter: 55
Beiträge: 370
| So, meine Lieben, jetzt ist Zeit für einen Kommentar aus meinem Munde. Gerade wenn es um "Surströmming" geht, stoße ich in Deutschland allenthalben auf Unkenntnis bis hin zu arrogantem Auslachen über ein Gericht, von dem man keine Ahnung hat. So war neulich auch im Bayerischen Rundfunk (Kulturprogramm Bayern 2) vom "schwedischen Gammelfisch" die Rede. Zunächst mal sei erwähnt, dass das Behandeln von Speisen schon immer der Haltbarmachung gedient hat. Schon das Anbraten eines Fleischstücks ist so ein Vorgang. Bakterien werden durch die Hitze abgetötet und so ist das Fleisch wesentlich bekömmlicher als ein rohes Stück. Denkt weiter an die vielen Räucherschinken und -Fische die es auf der Welt gibt. Alles um die Speisen haltbar zu machen. Oder eben der erwähnte Käse. Durch Zusatz von Lab erreicht man die sogenannte "Süßmilchgerinnung", eben den Rohstoff für Käse. Dadurch kann man große Mengen Milch haltbar machen. Die Mich ist dadurch eben nicht vergammelt, sondern über Monate genießbar. An den Gestank von Käse kann man sich gewöhnen und sogar äußerst "liebgewinnen". Eine Spezialität ist geboren! In Skandinavien war von jeher der Fisch absolut notwendig um das Überleben zu sichern. So waren sie von jeher sehr geschickte Fischer, die Wind und Wetter, Schnee und Eis trotzten um diesen Lebensretter zu fangen. Fischen ist noch heute ein äußerst beliebter Freizeitsport. Die Finnen sind gar die größten Prokopfverbraucher an Fisch in Europa. Nun hat man natürlich nicht immer gleich viel Fisch fangen können. Mal hat man eine große Menge gefangen, mal gar nichts. Das Haltbarmachen war also von größter Wichtigkeit. Dabei spielte das Einsalzen natürlich eine große Rolle. Aber nicht überall gab es genügend Salz und früher war Salz auch sehr begehrt und teuer. Fisch zu trocknen gelingt nur dort, wo es sehr windig ist und es keine Fliegen gibt, die den Fisch für ihre Eieraufzucht missbrauchen. Der Strömming, von dem hier die Rede ist. (Übrigens wird er in's Deutsche mit "Strömling" übersetzt. Ein dem Hering sehr nahe stehender Fisch, er ist eigentlich biologisch identisch, nur viel kleiner. Er kommt ausschließlich in der nördlichen Ostsee vor), wird vor allem im Frühjahr gefangen, wo er in großen Schwärmen durch den Bothnischen Meerbusen zieht. Was nun tun, wenn kein Salz vorhanden und der warme Sommer naht? Im hohen Norden Schwedens ist man da offenbar auf die Milchsäuregärung gekommen. Ein Verfahren, das wir hierzulande sehr gut kennen. Sauerkraut ist nichts anderes als milchsäurevergorener Kohl. Auch Salzgurken haben sich diesen Prozess unterzogen. Keiner käme auf den Gedanken beim Sauerkraut von vergammelten Kohl zu sprechen. In meiner Jugend hatte ich die Ehre in einem Ort namens Överkalix in Nordschweden drei Jahre lang zu Wohnen. Es ist eines der Zentren von "Surströmming". Damals kannte man diese "Delikatesse" nur in Nordschweden. Ja, diese wurde vom Rest Schwedens ähnlich belächelt, wie die Deutschen es heute noch tun! Später hat sich diese Speise aber in ganz Schweden etabliert. Wie das kam, weiß ich allerdings auch nicht, da war ich schon längst im Frankenland. Damals wurde der "Surströmming" in der Tat auf großen öffentlichen Festen zu Mittsommer verzehrt. Weithin war der eigentümliche Geruch feststellbar. Eines Tages versuchten auch wir, also meine Eltern und wir Kinder, uns auf diese "Spezialität". Meine Erinnerungen sind natürlich nicht mehr so ganz frisch. Es war wahrscheinlich 1969 und ich war 14 Jahre jung. Festgesetzt hat sich aber bei mir, dass der Fisch nicht sooo schlecht geschmeckt hat. Jedenfalls hat er wesentlich besser geschmeckt als gerochen. Das gilt ja auch zum Beispiel für den Esrom-Käse. Ich kann mir gut vorstellen, dass, wenn man mit dem Geruch aufwächst und darin nichts besonderes findet, man sich auch dararn gewöhnen kann und wenn der Hunger den Magen foltert ist das eine äußerst schmackhafte Nahrung. Klar, für den heutigen Menschen, der mit Schnitzel und Hamburgern aufwächst, kommen solch exotische Geschichten wie "Surströmming" sehr befremdlich vor. |
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