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| Signaturenlehre Wie kam der Mensch zum Wissen darüber, welche Heilpflanzen bei welchen Krankheiten anzuwenden waren, und wie lernte er, zwischen giftigen und ungiftigen Pflanzen zu unterscheiden? Alles nur nach dem Motto: Probieren geht über Studieren? Wohl kaum. Schon die alten Ägypter kannten eine Art von Natursymbolik, die sich an Analogien orientierte, und schon im Papyrus Ebers lassen sich die Grundideen der Signaturenlehre erkennen. Die ursprünglichen Wurzeln dieses Denkens in Symbolen mögen in einer Art von Naturhellsichtigkeit gelegen haben, die den meisten Menschen unserer Zeit weitgehend fehlt. Fest steht jedenfalls, dass man schon sehr früh die Vorstellung entwickelte, gelb blühende Pflanzen könnten in Beziehung zur gelben Galle gebracht werden, oder äußerliche Ähnlichkeiten zwischen Pflanzen und Organformen könnten ein Hinweis darauf sein, dass diese Pflanzen geeignet waren, Krankheiten der betreffenden Organe zu heilen. In vielen Kulturen und Heilsystemen gab und gibt es ausgearbeitete Systeme der Zuordnung nach Signaturen, im indischen Ayurveda ebenso wie in der traditionellen chinesischen Medizin. In der chinesischen Medizin werden beispielsweise Geschmack, Geruch, Farbe, Tages- und Jahreszeiten, Elemente, Organe, Sinnesorgane, Körperteile u.a. zu einem diagnostischen Konzept verbunden, nach dem man für jede Krankheit passende Arzneimittel finden kann, die in einem ebenso komplexen Zuordnungsschema erfasst sind. Auch die traditionelle abendländische Heilkunde orientierte sich immer schon intuitiv an Signaturen, aber eine systematische, schriftlich ausformulierte Lehre entwickelte sich daraus erst im 16. Jahrhundert durch Paracelsus (1493-1541) und den neapolitanischen Arzt und Alchemisten Giambattista della Porta (1538-1615), der in seinem Buch Phytognomonica anhand von Signaturen ein System von Zusammenhängen zwischen Pflanzen, Tieren und Gestirnen aufzeigte. Die Signaturenlehre beruht auf der Grundannahme, dass alle Erscheinungen und Wesen in der Natur einschließlich des Menschen und der Geistwesen miteinander in Beziehung stehen. Als Signaturen werden genannt: Geruch, Geschmack, Farbe, Gestalt, Struktur, Beschaffenheit, Standort, Wachstumsphasen, Lebensdauer etc., die verschiedenen Merkmalskategorien wie Elemente, Planeten oder Eigenschaften zugeordnet werden. Demnach hat z.B. eine bitter schmeckende Pflanze eine Beziehung zum Element Feuer, das mit der Sonne verwandt ist und als Eigenschaften u.a. Transformation und Anregung von Stoffwechselprozessen besitzt. Für Paracelsus war die Signatur die Quelle der höchsten Erkenntnis. In seinem Buch Von den natürlichen Dingen schrieb er: Zitat:
Auch wenn die Signaturenlehre von der modernen Medizin als Aberglaube abgetan wird, stellt man bei erstaunlich vielen Heilpflanzen fest, dass ihre Inhaltsstoffe geeignet sind, genau die Wirkungen hervorzurufen, die ihnen laut Signaturenlehre zugeschrieben wurden: Löwenzahn, Schöllkraut, Wermut und Gelbwurzel sind gallenwirksame Heilpflanzen bis auf den heutigen Tag. Und die roten Weißdornfrüchte sind immer noch eine gute Arznei für das Herz – ebenso wie der rot blühende Fingerhut, dessen Wirkstoffe gar nicht aus den Blüten, sondern aus den Blättern stammen. Und es gibt weitere Analogieschlüsse „phänomenaler“ Art, wie beispielsweise die Schmarotzerpflanze Mistel, in der Rudolf Steiner ein Heilmittel gegen schmarotzernde Krebszellen erkannte. Viele Rheumapflanzen wachsen auf feuchten Böden oder bevorzugen feuchtkühles Klima (Feuchtes zu Feuchtem), und die entwässernde, entgiftende Brennnessel wächst bezeichnenderweise dort am liebsten, wo der Boden viel Harnsäure enthält. Allerdings reicht es für die Erkenntnis möglicher Heilwirkungen nicht aus, sich rein schematisch auf die äußerlichen Details einer Pflanze zu beschränken, sondern sie muss in ihrer Ganzheit erfasst werden – als lebendiges Wesen, das sich durch seine äußere Form und Signatur zwar offenbart, in seinem inneren Kern jedoch noch weit darüber hinausweist. Zum Thema Signaturenlehre findet ihr weitere Information hier in verschiedenen Artikeln von Margret Madejsky. Wer sich für den Zusammenhang zwischen der Signaturenlehre und dem innersten Wesen der Pflanzen interessiert, findet zahlreichen Anregungen bei Roger Kalbermatten:
__________________ Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen. . . | |||
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