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Alt 25.01.2007, 18:19   #9 (permalink)
Henken de Düvel
emigrierter Heinzelmann
 
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Zitat von Celeborn Beitrag anzeigen
Oder besteht das Empire heute machtvoller denn je?
Kommt drauf an, wie du's sehen willst : Imperium Romanum - Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation - Commonwealth - United Nations, es gibt da schon so etwas wie Kontinuität, aber weniger politisch, sondern eher soziokulturell - zivilatorisch. Ohne Bibel UND altgriechisches Staatsverständnis keine Menschenrechtserklärung.

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Zitat von Celeborn
Rom eroberte in seiner "Heidnischen" zeit große teile der bekannten Welt mit seinen Gutgedrillten und ausgerüßteten Armeen.
und durchdrang sie logistisch und bürokratisch. Die imperiale Leistung Roms war nicht so sehr der Gebietsgewinn, der auch erst mal materielle Voraussetzungen hatte, die z.B. bei Alexander dG noch nicht gegeben waren, weshalb sein Großreich sehr schnell wieder zerfiel. Sondern es war die innere Durchformung des gesamten Staatsgebietes mit Hilfe von Straßen und Kastellen und den dazu notwendigen "Zubringerdiensten" wie z.B. Gold- und Eisenbergwerke, Steinbrüche und Ziegeleien, Theater, Thermen und Arenen usw., die die römische Provinz attraktiv machten und so die Stellung der Mächtigen sicherten.

Auch bin ich der Auffassung, daß viele dieser römischen Eroberungszüge im Grunde genommen Auswanderertrecks waren, die die überlastete Infrastruktur im überbevölkerten Italien resp. Rom entlasten sollten : Die CCAA (Colonia Claudia Ara Agrippinensis = Köln) ist nur eine von tausenden kaiserzeitlich-römischer Kolonien. Allein der Begriff "Kolonie" ist ja fast ohne Bedeutungswandel bis heute erhalten geblieben.

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Zitat von Celeborn
Dann kam eine Kriese in form von Dekadenz und Christentum...
Nein. Erstens trat im Anschluß an die relative Warmzeit zZ von Caesar und Augustus eine erhebliche Klimaverschlechterung ein, die, so das aktuelle Paradigma, die eurasischen Völkerwanderungen auslöste. Rom hatte mit gewaltigen Getreidespekulationen durch Großgrundbesitzer zu kämpfen, die ihrerseits Hungersnöte und Inflation bewirkten.

Zweitens breiteten sich auch infolge von Unterernährung und mangelhafter Hygiene Seuchen aus. Ab der 2. H. des 2. Jh. wütete die Pest im gesamten Mittelmeerraum und sorgte für einen drastischen Bevölkerungsrückgang mit auch militärisch katastrophalen Konsequenzen, so daß Grenzen und Regionen aus Personalmangel nicht mehr zu verteidigen waren, geschweige denn ausgebaut werden konnten.

Mit der Ausbreitung des Christentums hat das nix zu tun, und der Begriff "Dekadenz" paßt nach meinem Verständnis viel besser zur frühen (reichen) als zur späten (armen) Kaiserzeit.

Zitat:
Zitat von Celeborn
Nun schrumpfte der einfluß Roms als Militärmacht immer weiter, aber die Geistige Führerschaft in Europa hatte Rom übernommen und immer weiter ausgebaut.
Rom war im 5. Jh. als politische und wirtschaftliche Führungsmacht faktisch tot, und seine vorherige Zentrumsfunktion ging auf Byzanz über. Die "geistige Führerschaft" erlangte es erst durch die karolingische Aufwertung, also rund 400 Jahre später, und dann im bzw. ab dem Mittelalter (Canossa 1077). Da gab's also einen historischen Bruch : Das Imperium Romanum gab's nur noch (aber immerhin) als Idee.

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Zitat von Celeborn
der Papst konnte mit seinen Religiösen Werkzeugen jederzeit jeden Herrscher in europa entmachten.
Nein. Gregor VII. hatte es zwar 1077 fertiggebracht, Heinrich IV. zu demütigen, aber nur aufgrund der erheblichen (Fürsten-) Opposition im Reich; 1083 wurde der Papst vom Kaiser geschaßt, und bis zum 16. Jh. war Petri Stuhlbesetzer eine Marionette der wirklichen politischen Machthaber, der deutschen Kaiser, der französischen Könige (Avignon), der genuesischen, venezianischen und florentinischen und schließlich der stadtrömischen Patriziersippen, die aber außerhalb der Stadtmauern so gut wie ohne Einfluß waren.

"Mit Reinald von Dassel wählte das Kölner Domkapitel [auf Veranlassung Friedrichs I. Barbarossa] einen Erzbischof, der vom Papst gebannt war (!)." Quelle : Neuss/Oediger, Geschichte der Erzbischöfe von Köln

Friedrich II. führte 1227 einen FRIEDLICHEN Kreuzzug und schloß mit Sultan Saladin einen Vertrag, der den Zugang aller Religionen zu den heiligen Stätten regelte und 130 Jahre blutiger Auseinandersetzungen um Palästina für knapp 700 Jahre beendete, und das, obwohl er vom Papst gebannt und exkommuniziert war - er regierte übrigens noch bis 1252 hauptsächlich in Italien und Sizilien, ohne sich sonderlich um den Pfaffen mit der Tiara zu kümmern.

Der englische Heinrich VIII. machte kurzerhand seinen eigenen anglikanischen Laden auf, als der Papst seinen Vorstellungen nicht folgen wollte. Seit den Reformationen von Jan Hus, Calvin und Luther hat der Bischof von Rom im protestantischen Teil der Christenheit eh nix mehr zu melden, so wie in der orthodoxen Abteilung schon seit ich weiß grad nicht wie lang : viele hundert Jahre.

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Zitat von Celeborn
Es entstand in Europa die Christliche Leitkultur.
Die gibt es erst seit Friedrich Merz, und das auch nur als Phrase.

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Zitat von Celeborn
Ist Rom wirklich untergegangen, oder hat Rom sich auf andere, indirektere mittel der Machtausübung verlegt und damit ein Empire geschaffen das Größer ist als alles was die Cäsaren je erschaffen haben?
Europäische Kultur ist ohne ihre auch römischen Wurzeln nicht vorstellbar. Ob der Vatikan wirklich eine Machtinstanz von Weltgeltung ist, möchte ich bezweifeln; dann sollte eigentlich der BuschGeher Georg längst exkommuniziert sein.
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